Football & Diner @ Dress&Safe, Bild: Alexander Heinz
Football & Diner @ Dress&Safe, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | Super Bowl-Nacht in Ratingen-West: Während in Santa Clara im Levi’s Stadium die Show-Lichter angingen, saßen hier rund 20 Männer und eine Frau gemütlich beisammen – eingeladen im Geschäft von Dress&Safe. Die Geschäftsleitung hatte (mit spürbarer Sympathie für American Football) eine große Videowand so platziert, dass der Blick quasi aus dem Showroom „durchs grosse Fenster“ Richtung San Franzisco führte. Dazu gab es typisch amerikanische Super-Bowl-Verpflegung: snackig, deftig, gesellig, geliefert vom “Haus der Gastlichkeit”.


Damit wirklich alle in Football-Vibrations kamen, hatte der stadtbekannte Entrepreneur Mirco Köstring ein „Football-Quiz“ vorbereitet. Und das traf den Nerv des Abends: Die Punkteauswertung bestätigte, was viele schon ahnten – so richtig sattelfest im Regelwerk und in den Feinheiten dieses amerikanischen Volkssports sind dann doch die wenigsten. Genau deshalb funktionierte das Quiz so gut: Es brach das Eis, lieferte Gesprächsstoff und erfüllte nebenbei den Bildungsauftrag. Danach konnte es losgehen.

Sportlich wurde es schnell eindeutig – und das spiegelte sich auch im Raum wider: Das Lager der Unterstützer der Seattle Seahawks wuchs mit jedem Drive. Denn New England Patriots fanden kaum Zugriff auf das Spiel. Seattle spielte geduldig, dominierte die Line of Scrimmage und baute die Führung vor allem mit Field Goals aus. Zur Halbzeit stand es 9:0 – ungewöhnlich für ein Finale, aber ein klares Zeichen dafür, wer den Ton angab. Im dritten Viertel legte Seattle nach und zog auf 12:0 davon.

Der Knackpunkt folgte zu Beginn des Schlussviertels: Quarterback Sam Darnold fand Tight End AJ Barner zum ersten Touchdown – 19:0, und im Showroom wurde es merklich lauter. Zwar kamen die Patriots anschließend durch einen langen Touchdown-Pass auf Mack Hollins noch einmal auf 19:7 heran, doch die Antwort der Seahawks war eiskalt: Später besorgte ein Fumble-Return-Touchdown nach einem Druckmoment gegen Drake Maye die Vorentscheidung. Am Ende hieß es 29:13 – und Kenneth Walker III wurde zum Gesicht eines Abends, der vor allem durch Seattles Dominanz geprägt war.

Für Gesprächsstoff sorgte auch die Halbzeitshow: Bad Bunny setzte auf ein starkes kulturelles Statement und prominente Momente – unter anderem mit Lady Gaga und Ricky Martin. Und doch zeigte sich an diesem Abend ein hübsches, sehr deutsches Detail: Der Zuschauerverlust in der Pause war beim Dress&Safe-Event besonders hoch. Offenbar tickt der Musikgeschmack am Rhein anders als in der Bay Area.

Unterm Strich bleibt: ein furioser Abend, der bewiesen hat, dass Sportereignisse Brücken bauen können – selbst mitten in der Nacht, mitten in Ratingen.