Seit 2020 ist Nadine Mauch die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ratingen. Foto: Stadt Ratingen
Seit 2020 ist Nadine Mauch die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ratingen. Foto: Stadt Ratingen

Ratingen | Der Internationale Frauentag am Sonntag, 8. März 2026, ist in Ratingen längst mehr als ein Kalendereintrag. Rund um das Wochenende machen mehrere Veranstaltungen sichtbar, warum Gleichberechtigung kein „abgehaktes“ Thema ist, sondern eine dauerhafte Aufgabe, politisch, gesellschaftlich und ganz konkret im Alltag.


Historisch lohnt sich der Blick zurück, gerade weil heute gern behauptet wird, früher sei „alles besser“ gewesen. War es nicht. Frauen hatten über weite Strecken deutlich weniger Rechte, weniger Bildungs- und Berufschancen, geringere finanzielle Unabhängigkeit, kaum politische Mitsprache. Viele Freiheiten, die heute selbstverständlich wirken, vom Wahlrecht bis zur eigenständigen Lebensgestaltung, sind das Ergebnis von Kämpfen, Reformen und gesellschaftlichem Druck. Und auch 2026 ist der Anspruch klar: Rechte müssen nicht nur auf dem Papier existieren, sie müssen gelebt, geschützt und weiterentwickelt werden.

Kultur, Geschichte, Debatte

Den Auftakt setzt das Oberschlesische Landesmuseum am Samstag, 7. März, mit einem bewährten Format: „Starke Stimmen zum Frauentag, Chanson mag Jazz“. Ab 17 Uhr verbindet der Abend Musik, Literatur und Gespräch, begleitet von einer thematischen Führung. Der Frauentag wird hier nicht „abgefeiert“, sondern als Anlass genommen, Frauenperspektiven hörbar zu machen und über gesellschaftliche Entwicklungen zu sprechen.

Am Sonntag, 8. März, folgt um 11 Uhr im Studiokino Ratingen eine Sondervorstellung des Films „Ein Tag ohne Frauen“, organisiert in Kooperation mit einem lokalen Frauennetzwerk und der städtischen Gleichstellungsarbeit. Kino ist an diesem Tag mehr als Unterhaltung, es ist ein gemeinsamer Denkraum: Wie sähe eine Gesellschaft aus, wenn Frauen fehlen, oder wenn ihre Arbeit, ihre Stimmen und ihre Rechte marginalisiert werden?

Um 14 Uhr wird Ratingen selbst zur Bühne: Der historische Stadtspaziergang „Ratinger Frauen zwischen Markt und Mauern“ führt durch die Innenstadt und rückt Frauen in der Stadtgeschichte in den Fokus. Solche Rundgänge sind ein gutes Gegengewicht zu einem Geschichtsbild, das oft männlich dominiert ist. Sie zeigen, wie viel Anteil Frauen an Stadtentwicklung, Arbeit, Familienleben und gesellschaftlichem Zusammenhalt hatten, auch wenn sie lange strukturell benachteiligt waren.

Parallel dazu bietet das LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford ebenfalls um 14 Uhr die Führung „Frauenleben in Cromford“ an. Gerade der Blick in die Frühindustrialisierung macht deutlich, dass „früher“ nicht romantisch war, sondern häufig harte Realität: Arbeit, Abhängigkeiten, geringe Rechte, wenig Schutz. Der historische Kontext schafft Verständnis dafür, warum Frauenrechte bis heute nicht verhandelbar sind.

Am Abend setzt ein weiterer Programmpunkt ein Zeichen für weibliche Perspektiven auf der Bühne: In der Stadthalle Ratingen steht um 18 Uhr das Improvisationstheater „Mice Girls“ auf dem Programm, ein Format, das spontan, pointiert und interaktiv gesellschaftliche Rollenbilder spiegeln kann.

Warum das wichtig ist

Das Wochenende zeigt, wie vielfältig Frauenrechte verhandelt werden können: kulturell, historisch, politisch und im direkten Austausch. Und es erinnert daran, dass Fortschritt nie automatisch ist. Wer heute sagt, früher sei alles besser gewesen, blendet aus, wie viele Frauen damals weniger Freiheit, weniger Schutz und weniger Möglichkeiten hatten. Der Frauentag ist deshalb nicht rückwärtsgewandt, sondern hoch aktuell, als Einladung zum Hinsehen, zum Zuhören und zum Mitgestalten.