Der Grüne See in Ratingen, für viele ein Naherholungsgebiet, Bild: Alexander Heinz
Der Grüne See in Ratingen, für viele ein Naherholungsgebiet, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | Der Grüne See im Erholungsgebiet Volkardey ist eines der beliebtesten Freizeitziele Ratingens. Spaziergänger, Familien, Sportler, Sonnenhungrige und Grillfreunde nutzen besonders in den warmen Monaten die weitläufigen Wiesen am Wasser. Genau diese Beliebtheit wird jedoch zunehmend zum Problem. Der Grüne See ist Erholungsfläche, Naturraum und Lebensraum zugleich, und diese Funktionen geraten immer öfter in Konflikt.


Besonders sichtbar wird das bei den Wildgänsen. Kanada-, Nil- und Graugänse finden am Grünen See nahezu ideale Bedingungen: Wasser, angrenzende Wiesen und freie Sichtachsen. Die Folge sind größere Ansammlungen auf den Liegewiesen, starker Fraßdruck auf den Grünflächen und erhebliche Verschmutzungen. Was für die Tiere ein geeigneter Lebensraum ist, wird für Besucher schnell zum Ärgernis.

Die Stadt Ratingen setzt deshalb auf ein Maßnahmenpaket, das auf einem Gänsemonitoring basiert. Ufernahe Wiesenabschnitte sollen künftig seltener gemäht werden. Höheres Gras bildet eine natürliche Barriere zwischen Wasser und Liegewiese. Zugleich wird das Nahrungsangebot unattraktiver, weil Gänse besonders junges, proteinreiches Gras bevorzugen. Ergänzend sollen standortgerechte Weiden am Ufer gepflanzt werden, um direkte Zugänge und Sichtverbindungen zwischen Wasser und Wiese zu unterbrechen.

Der Ansatz ist fachlich nachvollziehbar, aber er zeigt auch deutlich: Die bloße Nutzung des Grünen Sees nach dem Motto „hinfahren, ausbreiten, liegenlassen“ funktioniert nicht mehr. Intensive Freizeitnutzung hinterlässt Spuren. Müll, Speisereste, Grillabfälle, achtlos weggeworfene Verpackungen, Trittschäden an Uferzonen und Störungen durch freilaufende Hunde setzen dem Gebiet zusätzlich zu. Wer den Grünen See als Erholungsort erhalten will, muss ihn auch als empfindlichen Naturraum respektieren.

Besonders problematisch bleibt das Füttern von Wasservögeln. Es zieht die Tiere in unnatürlich hoher Zahl an die Hauptwege und Liegewiesen, belastet das Gewässer und schadet den Gänsen selbst. Die Stadt erinnert deshalb eindringlich daran, dass das Füttern von Gänsen am Grünen See verboten ist.

Zur Information vor Ort lädt das Grünflächen- und Umweltamt am Samstag, 9. Mai, von 9 bis 11 Uhr zu einer vogelkundlichen Exkursion mit dem Geografen und Ornithologen Uwe Radtke ein. Treffpunkt ist der Kiosk am Grünen See an der Volkardeyer Straße. Thema sind die Bestände, das Verhalten der Gänse, der Konflikt zwischen Mensch und Tier und mögliche Maßnahmen zur Entschärfung.

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich. Empfohlen werden Fernglas und festes Schuhwerk. Hunde dürfen zur Exkursion nicht mitgebracht werden.