Rina Rosenberg, Matthias Leithe, Michaela Peters und Dagmar Argow iin der Versöhnungskirche Ratingen West, Bild: Alexander Heinz
Rina Rosenberg, Matthias Leithe, Michaela Peter und Dagmar Argow iin der Versöhnungskirche Ratingen West, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | In einem Stadtteil wie Ratingen West, in dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten, Sprachen, Herkunftslinien und Lebenserfahrungen seit Jahren Alltag miteinander teilen, wirkt dieses Projekt nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie ein sehr stimmiger Impuls. Mit „Fixing the Boat – Finding Identity“ bringt die Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann ab dem 17. April in der evangelischen Versöhnungskirche am Maximilian-Kolbe-Platz einen mobilen Escape Room an den Start, der weit mehr sein will als ein spannendes Spiel. Im Kern geht es um Begegnung, Perspektivwechsel und um die Frage, wie Zusammenhalt entstehen kann, wenn gesellschaftliche Spannungen wachsen.


Der Hintergrund ist ernst. Nach dem 7. Oktober 2023, zeigten sich in der Arbeit der Diakonie mit Jugendlichen und Familien Spannungen, Unsicherheiten und teils aufgeheizte Stimmungen gegenüber jüdischem Leben. “Gerade deshalb suchten die Beteiligten bewusst nach einem Zugang, der nicht belehrt, nicht von oben herab erklärt, sondern Menschen erreicht.”, so Dagmar Argow aus der Geschäftsleitung der Diakonie. Der Escape Room wurde genau dafür ausgewählt: als spielerischer Gesprächseinstieg, der Wissen, Empathie und Haltung nicht mit erhobenem Zeigefinger vermittelt, sondern über gemeinsames Erleben.

Das Format klingt zunächst leicht, fast abenteuerlich. In einem mobilen Raum, aufgebaut wie eine Schiffskabine, müssen Gruppen gemeinsam ein Boot reparieren, bevor ein Sturm aufzieht. 90 Minuten haben die Teilnehmer dafür Zeit. Es gibt Licht, Sound, klassische Escape-Elemente und insgesamt acht Rätsel, die in die Geschichte einer jüdischen Familie über vier Generationen eingebettet sind. Doch hinter diesem Ansatz steckt ein pädagogisch kluges Konzept. Es geht um Kommunikation, Orientierung, ums Steuern und um die Suche nach einem sicheren Ort. Vor allem aber geht es um Identifikation statt Abgrenzung, um Nähe statt Fremdmachung.

Dass dieser Auftakt ausgerechnet in Ratingen West stattfindet, ist mehr als nur eine schlichte Ortswahl. Der Stadtteil gilt seit langem als Beispiel dafür, wie Integration im Alltag gelingen kann, nicht als Schlagwort, sondern im gelebten Miteinander, bei Begegnungen, Dialogformaten und im nachbarschaftlichen Zusammenleben. Hier kennt man die Kraft von Gesprächen. Hier weiß man aber auch, dass Verständigung nicht von allein entsteht. „Wir wollten einen Zugang schaffen, der Menschen miteinander ins Gespräch bringt, ohne sofort Fronten aufzubauen“, so Michaela Peter, treibende Kraft in der Diakonie hinter der Idee das Projekt von SABRA in der Versöhnungskirche zu installieren. „Gerade in einem vielfältigen Stadtteil wie Ratingen West muss sichtbar bleiben, dass Unterschiedlichkeit keine Bedrohung, sondern eine gemeinsame Aufgabe ist.“, unterstreicht Pfarrer Matthias Leithe.

Bemerkenswert ist auch, dass „Fixing the Boat – Finding Identity“ nicht wie eine isolierte Einzelmaßnahme wirkt, sondern wie ein Auftakt mit Perspektive, ein Startsignal für weitere Vorhaben, die Verständigung, Demokratiebildung und gegenseitigen Respekt stärken können. Denn die Botschaft des Bildes vom Boot reicht weit über Wasser, Wellen und Sturm hinaus. Wir sitzen auch dann in einem Boot, wenn kein Fluss und kein Meer in der Nähe sind. Die Stürme, gegen die wir uns wappnen müssen, heißen Vorurteil, Sprachlosigkeit, Angst, Ausgrenzung und Hass. Ihnen begegnet man nicht mit Lautstärke, sondern mit Klugheit, Mut und der Bereitschaft, Verantwortung füreinander zu übernehmen. “Wenn die Jugendlichen aus der Erfahrung zusätzliche Fragen mitnehmen und darüber nachdenken, haben wir viel erreicht”, so Rina Rosenberg.

Vielleicht ist genau das die schönste Botschaft dieses Projekts in Ratingen West: Dass ein kleiner Raum von nur sechs mal drei Metern groß genug sein kann, um Menschen neu, und dabei positiv, aufeinander blicken zu lassen.

Wer Fragen hat oder teilnehmen möchte, setzt sich an besten mit Frau Peters direkt in Verbindung. E-Mail: integration.ratingen@diakonie-kreis-mettmann.de

oder ruft an: 02102 109117, Mobil 0160 97223950

Weitere Informationen gibt es ab nächster Woche auf der Homepage der Diakonie Düsseldorf-Mettmann.