Schirmherr, Kinderprinzenpaar und Ordonanz auf der Bühne, Bild: Alexander Heinz
Schirmherr, Kinderprinzenpaar und Ordonanz auf der Bühne, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | Wenn irgendwo in Ratingen Nachwuchsarbeit nicht nur ein Schlagwort ist, dann im Karneval. Während viele Vereine um junge Mitglieder kämpfen, gelingt den Ratinger Karnevalisten Jahr für Jahr etwas sehr Konkretes: Sie schaffen Orte, an denen Kinder nicht nur zuschauen, sondern mitmachen dürfen – auf der Bühne, im Zug, in Garden, bei Proklamationen und in Veranstaltungen, die bewusst familienfreundlich geplant sind. Das ist mehr als „buntes Beiwerk“: Es ist gelebte Zukunftssicherung des Brauchtums.


Ein zentraler Motor dabei ist der Ra-Ki-Ka, der den Kinderkarneval in der Stadt organisiert und sichtbar macht – mit festen Session-Terminen in allen Stadtteilen, der Kinderprinzenkürung und dem großen Kinderkarnevalszug am Sonntag in Lintorf. Für viele Familien ist das der Einstieg: Verkleidung an, Kamelle fangen, Staunen – und plötzlich wird aus einem Sonntagsausflug ein Hobby. In den Vereinen geht es dann weiter: Tanzgruppen, Jugendabteilungen, kleine Bühnenstars, die ihren ersten Applaus bekommen und in einer Gemeinschaft wachsen, die sie trägt.

Wie ernst das genommen wird, zeigte auch die besondere Kindersitzung der Prinzengarde der Stadt Ratingen Rot-Weiss von 1935 e.V. in der AHI Festhalle Tiefenbroich: „Vorhang auf – Manege frei!“ war nicht nur Motto, sondern Programm. Viel Bewegung, Musik, karnevalistische Unterhaltung, Kostüme ausdrücklich erwünscht – und ein Signal, das man in Zeiten steigender Eintrittspreise nicht hoch genug bewerten kann: Der Eintritt war frei. Wer Kinder wirklich erreichen will, muss Schwellen abbauen – und genau das passiert hier.

Bemerkenswert war nicht nur die Stimmung, sondern das Zusammenspiel der Generationen. Prinz Jörg I. mit seiner Ratingia Claudia I. stand ebenfalls auf der Bühne. Aber an diesem Nachmittag stahlen ihm die kleinen Tollitäten ganz bewusst die Show. Genau so muss Kinderkarneval sein: Die „Großen“ geben den Rahmen, die Kinder stehen im Mittelpunkt. Dass Jörg I. das aus Überzeugung mitträgt, passt zu seiner eigenen Karnevalsbiografie, er selbst war in der Session 1982/83 Kinderprinz. Sein Engagement im RaKiKa führte dann auch dazu, daß auch zwei seiner Söhne später Kinderprinzen-Ornat trugen. Karneval als Familientradition, die weitergegeben wird.

Und dann gibt es noch eine Säule, ohne die vieles zwar ideell, aber nicht in dieser Breite möglich wäre: die Schirmherren. Sie sind keine bloße „Zierde“ im Programmheft, sondern ermöglichen Sichtbarkeit, Reichweite und Organisation – also genau das, was den Kinderkarneval in der Stadtgesellschaft verankert und wachsen lässt. In dieser Session trägt Carsten Droste mit seiner Firma D&P Assekuranzmakler GmbH Verantwortung als Schirmherr. Das wurde am Samstag nicht trocken verkündet, sondern mit einem Augenzwinkern inszeniert: Als sein Name fiel, erklang das Lied „Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?“ – ein humorvoller Moment, der eine ernste Wahrheit freundlich verpackt. Denn hinter Kamelle, Bühnenprogramm, Technik, Saalmiete, Kostümen, Orden und Nachwuchsarbeit steckt eben auch Finanzierung. Der Schirmherr berät Privat- und Geschäftskunden zu passendem Versicherungsschutz und begleitet im Alltag wie auch im Schadenfall und macht damit deutlich: Hinter der bunten Bühne steht auch verlässliche Unterstützung aus der lokalen Wirtschaft.

Gerade darin zeigt sich die Stärke des Ratinger Karnevals: Vereine, die mit Herzblut für Kinder arbeiten – und Unterstützer, die dafür sorgen, dass dieses Herzblut nicht im Verborgenen bleibt. So wächst aus einem Fest für Kinder ein Fest der ganzen Stadt.