Ratingen | Wer in diesen Wochen abends an der Wedauerstraße in Lintorf vorbeikommt, sieht Licht in der Halle, hört Lachen – und ahnt: Hier entsteht etwas, das man nicht einfach „Wagenbau“ nennt, sondern Herzarbeit. In ihrer neuen Wagenbauhalle in Lintorf sind die Lampisten wieder da, die sich selbstbewusst „die Wagenbauer“ nennen: jung, kreativ, längst Teil des Ratinger Karnevals – und mitten in der Arbeit am nächsten großen Ding.
„In der Halle entsteht derzeit der fünfte große Mottowagen der Lampisten“, sagt Geschäftsführer Andreas Kaufmann. Nach Themen wie Westbahn, Digitalisierung, Zusammenhalt, „Jeck mit Respekt“ und den „Träumen Ratingens“ hebt der Verein in der Session 2025/26 ab: „Wir starten die Rakete für 750 Jahre Ratingen“. Ein Motto, das die Stadtgeschichte feiert, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen – genau in der Mischung, für die die Lampisten stehen.
Gebaut wird der neue „kleine Lampion“, wie die Mitglieder ihren Wagen liebevoll nennen, auf einem ausrangierten City-Trailer. Die Technik dahinter wirkt fast poetisch: Draht, Leim und Papier – eine Leichtbauweise, wie man sie aus Düsseldorf kennt. Daraus wachsen große, stabile Figuren, Schicht für Schicht, mit Geduld und Gefühl. 18 Mitglieder, rund 1500 Arbeitsstunden, alles ehrenamtlich. „Karneval ist auch Handwerk, Kreativität und vor allem Gemeinschaft“, sagt der zweite Vorsitzende Niklas Golz. Und wer den Blick in die Halle wirft, versteht sofort: Hier wird nicht nur geklebt – hier wird zusammengehalten.
Neu ist in diesem Jahr, dass Neugierige an ausgewählten Tagen über die Schulter schauen dürfen. Ohne Spoiler, versteht sich. „Ein bisschen Spannung muss bleiben“, schmunzelt Cornelia Kaltenborn, die sich freut, ihr Hobby mit den Enkelkindern teilen zu können. Denn das große Geheimnis wird traditionell erst bei der Enthüllung gelüftet: Karnevalssamstag, 14. Februar 2026, 16.30 Uhr, Wedauer Straße 34.
Dass dieser Tag zugleich Valentinstag ist, passt erstaunlich gut zu den Lampisten. Ein Tag, an dem man dem, was man am liebsten hat, besondere Aufmerksamkeit schenkt – und in Lintorf ist das an diesem Nachmittag offensichtlich: der Wagen, die Gemeinschaft, der Karneval. Der „kleine Lampion“ bekommt am Valentinstag seine große Bühne. Nicht kitschig, sondern jeck. Nicht geschniegelt, sondern selbstgemacht.
Und ganz Lampisten-typisch bleibt es nicht bei Pappmaché und Farbe: Neben dem Motiv soll es wieder technische Spielereien geben. „Wir arbeiten an einer Lichtkonstruktion, die Teil des Motivs sein wird“, kündigt Kaufmann an. Das Team um Technik, Programmierung und Umsetzung hat dabei alles im Blick – damit der Wagen später nicht nur rollt, sondern wirkt.
Seit der Gründung 2019 steht die Karnevalsgesellschaft Lampisten e.V. für mehr als närrisches Treiben: für Humor mit Haltung, für Miteinander statt Ausgrenzung. Vorsitzende Melanie Meyer, kreativer Kopf des Vereins, nennt den neuen Wagen einen „bunten Gruß aus Lintorf“ – an eine Stadt, die 750 Jahre Geschichte zählt und in dieser Session zugleich zeigt, dass Tradition auch modern, frech und warmherzig sein kann.
Kurz gesagt: In Lintorf wird gerade nicht nur gebaut. Da wird Vorfreude geklebt. Und am Valentinstag wird sie feierlich eingeweiht – Helau.

