Trotzdem gute Laune bei den Bomberos, Bild: TuS Lintorf
Trotzdem gute Laune bei den Bomberos, Bild: TuS Lintorf

Ratingen | Ein Angerland-Derby ist selten ein normales Spiel, und diesmal erst recht nicht. Beim TV Angermund lieferten die Bomberos Lintorf ’95 am Freiheitshagen einen packenden Schlagabtausch, mussten sich am Ende aber unglücklich mit 5:7 geschlagen geben. Trotz personeller Sorgen, starker Moral und eines Traumtors, über das man im Angerland noch sprechen wird, reichte es nicht zum Auswärtspunkt.


Dabei begann der Abend für die Lintorfer alles andere als ideal. Obwohl die Zusage-Liste zunächst gut aussah, riss eine Grippewelle kurzfristig Lücken in den Kader. Am Ende war man froh, dass Sleman Qaro Ali spontan einsprang, eine Entscheidung, die sich später sogar auszahlen sollte. Angermund startete druckvoll, die Bomberos standen unter Dauerdruck und hatten Mühe, Entlastung zu finden. Nach einigen brenzligen Szenen fiel folgerichtig die Führung für die Gastgeber.

Dann aber kam die 29. Minute und der Moment, der das Spiel kippte: Azad Saido setzte sich stark durch, zog aus rund 25 Metern ab und jagte den Ball unhaltbar in den Winkel. Ein Treffer, der als „Tor des Monats“ durchgehen kann und den Gästen spürbar Energie gab. Plötzlich waren die Bomberos im Spiel, übernahmen mehr Kontrolle und belohnten sich kurz vor der Pause: Qaro Ali zeigte Instinkt und staubte eiskalt zur 2:1-Halbzeitführung ab.

Nach dem Seitenwechsel wurde das Derby zur Achterbahnfahrt. Die Bomberos verschliefen den Start komplett, Angermund nutzte die Phase eiskalt aus und drehte die Partie mit drei schnellen Treffern auf 4:2. Doch Lintorf gab nicht auf. Wieder war es Saido, der mit einem Volley-Aufsetzer zum 4:3 verkürzte. Direkt danach fiel aus einem Gewühl heraus der 4:4-Ausgleich – das Spiel war wieder offen, die Stimmung am Freiheitshagen am Siedepunkt.

In der Folge wurden die Gäste jedoch passiver, und das bestrafte Angermund. Zwei weitere Treffer brachten die Hausherren erneut auf die Siegerstraße, darunter auch ein unglückliches Eigentor von Kamal Murad. Zehn Minuten vor Schluss keimte zwar noch einmal Hoffnung auf, als ein Distanzschuss der Bomberos seinen Weg ins Netz fand, der Angermunder Keeper dabei nicht glücklich aussah. Trainer Daniel Scheffel setzte nun alles auf eine Karte und schob weit nach vorn. Doch das Risiko zahlte sich nicht aus: In der Nachspielzeit machte Angermund per Konter den Deckel drauf, 7:5.

Nach dem Spiel überwog bei den Lintorfern trotz Niederlage der Eindruck, dass die Richtung stimmt. „Uns haben heute einfach die Wechselspieler gefehlt. Mit ein bisschen mehr frischem Wind von der Bank wäre hier heute definitiv ein besseres Ergebnis möglich gewesen“, bilanzierte Trainer Scheffel. Manager Michael Wiesenhöfer sah ebenfalls Positives: „Wir steigern uns von Spiel zu Spiel. Die Weihnachtspause steckt uns zwar immer etwas in den Knochen – vielleicht sollten wir einfach mal durchspielen (lacht). Aber die Richtung stimmt!“

Lange Zeit zum Grübeln bleibt ohnehin nicht. Im nächsten Spiel geht es gegen den Polizeisport Düsseldorf – und damit gegen einen alten Bekannten: Robert Stralek, früher selbst Bombero, steht dann auf der anderen Seite. „Auf diesen sympathischen jungen Mann freuen wir uns alle riesig, er wird hier sehr vermisst“, sagt Wiesenhöfer, stellt aber zugleich klar: „Gastgeschenke wollen wir in der Landeshauptstadt nicht hinterlassen!“