Ratingen | Der Ratinger Autor Andreas F. Achenbach legt den ersten Band seiner Autobiografie vor. Unter dem Titel „Wie wir werden, damit wir sind – Voller Neugier auf der Suche: lesen lieben lernen“ schildert er mit pointierter Sprache die ersten 21 Jahre seines Lebens – von der Geburt im Krieg in Cottbus bis zur frühen Heirat mit 21 Jahren. Herausgekommen ist eine „Autobiografie und Lebensbeichte eines rastlosen Realisten“, die zugleich Zeitbild und sehr persönliche Innenschau sein will.
Achenbach beschreibt ein Aufwachsen, das stark von Entbehrungen der Nachkriegszeit geprägt ist: Als ältestes von sechs Kindern erlebt der Protagonist eine Großfamilie, in der Pflichten früh zum Alltag gehören. Fünf Geschwister kommen innerhalb weniger Jahre zur Welt – ein Umstand, der beim Heranwachsenden immer wieder das Gefühl auslöst, um Zuwendung kämpfen zu müssen. Der Alltag, so wird es geschildert, ist eng getaktet zwischen Schule, Haushalt und Verantwortung für die jüngeren Geschwister. Freundschaften bleiben dabei oft auf der Strecke, Freizeit ist rar.
Der berufliche Weg des Vaters und mehrere Ortswechsel prägen das Leben zusätzlich. Beschrieben werden Umzüge entlang der damaligen DDR-Grenze in Hessen, die Stationen des Vaters und der Versuch, nach Krieg und Gefangenschaft im Zivilleben Halt zu finden. Achenbach zeichnet dabei auch ein Bild strenger Erziehung: Disziplin und Verzicht werden früh eingefordert, körperliche Strafen werden rückblickend als hart und aus heutiger Sicht nicht mehr akzeptabel dargestellt.
Zwischen all dem finden sich Szenen, die wie kleine Fenster in eine fremde Zeit wirken: etwa Erlebnisse bei der Großmutter auf dem Land, Entdeckungen auf dem Dachboden oder das „Hamstern“ kurz nach Kriegsende. Solche Episoden verbinden Alltagsbeobachtung und Sprachbilder – mal heiter, mal drastisch. Zentral ist dabei ein Motiv, das dem Untertitel entspricht: Lesen als Rückzugsort und als Motor der Selbstbildung. Achenbach beschreibt, wie Bücher – unter anderem Abenteuerliteratur von Karl May – für ihn zu einer eigenen Welt werden, wenn draußen das Leben laut und fordernd ist.
Der Autor richtet den Blick zugleich auf heutige Leserinnen und Leser: Das Buch soll Jugendlichen einen Spiegel vorhalten, wie Heranwachsen „ohne Handy, Internet und Soziale Medien“ aussah – mit anderen Freiheiten, aber auch anderen Zwängen.
Band 1 ist der Auftakt eines auf drei Teile angelegten autobiografischen Projekts („Gebremster Schaum – Eine stoische Suche nach Heimat“). Band 2 ist laut Ankündigung zur Frankfurter Buchmesse im Herbst 2026 geplant, Band 3 soll im Frühjahr 2027 zur Leipziger Buchmesse folgen; später ist eine Gesamtausgabe im Schuber vorgesehen.
Erschienen ist „Wie wir werden, damit wir sind“ im Engelsdorfer Verlag, umfasst 286 Seiten und kostet 18,50 Euro (ISBN 978-3-69095-102-9). Das E-Book ist über gängige Online-Buchhändler erhältlich.


