
Ratingen (FG) | Der festliche Neujahrsempfang der Stadt Ratingen gab in den vergangenen Jahren oft Anlass, genauer Hinzuhören und Hinzusehen, um Botschaften auch zwischen den Zeilen wahrnehmen zu können. Als Bürgermeister Patrick Anders seine Investitionsschwerpunkte für Familien, Jugend, Schulen und Sport erläuterte, hat er dies mit einem politischen Bekenntnis für den Stadtteil Ratingen West verbunden. Dort sollen in diesem und in den nächsten Jahren die meisten Investitionen in Schulen und Sportstätten fließen. Außerdem wird an der Liebigstraße eine Tageseinrichtung für Kinder (KiTa) neu gebaut.
von Fabian Guthmann
Der Abenteuerspielplatz an der Erfurter Straße soll weichen und weiter auf die Fläche der angrenzenden „Acht“ verschoben werden, so dass die Astrid-Lindgren-Schule (ALS) dort erweitert werden kann.
Eine andere für Schulzwecke geeignete, ausreichend große Fläche steht dafür im dicht bebauten Ratingen West einfach und schlicht nicht zur Verfügung. Was Bürgermeister Anders dabei jedoch geradezu präsidial souverän nicht betonte: Damit sind die Wahlkampfnebelkerzen im Streit um den Schulstandort, die von der Bürger Union (BU) für große Unruhe im ganzen Stadtteil West gesorgt hatten, wie Schall und Rauch verpufft. Nicht in Luft aufgelöst hat sich aber der politische Profit aus der von der BU angezettelten Verunsicherung der Wählerinnen und Wähler, die der AfD zwei Direktmandate im Zentrum von West verschafften.
Neue Seniorenbegegnungsstätten in West und Lintorf geplant
Unausgesprochen blieb zwischen den Zeilen die weitere gute Botschaft, dass die KiTa Liebigstraße als Kombiprojekt zusammen mit einem neuen Seniorentreff West geplant wird, der dort im oberen Geschoss entstehen soll. Und auch in Lintorf, einem weiteren Investitionsschwerpunkt für Schulen und Sport, soll im Schulzentrum auch ein neuer Seniorentreff entstehen und mit einer Tagespflegeeinrichtung und Seniorenwohnungen kombiniert werden.
Bemerkenswert zu beobachten war die zugewiesene Tischordnung. An der Seite von Bürgermeister Anders und seiner Ehefrau Andrea waren einflussreiche Persönlichkeiten vom Augusta Krankenhaus in Düsseldorf – Rath und vom Florence-Nightingale-Krankenhaus der Diakonie Kaiserswerth zu sehen. Damit brachte Anders klar und deutlich den Stellenwert der medizinischen Versorgung für die Stadt Ratingen zum Ausdruck – und implizit sein Bestreben, sich nicht widerstandslos dem Diktat der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein zu beugen.
Deren Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann hatte im Handstreich geradezu diktatorisch die Schließungen der kassenärztlichen Notarztpraxen in Ratingen und in Langenfeld im einsamen Alleingang entschieden, ohne dies vorher zu begründen. Trotz der massiven Auswirkungen zu Lasten von Patientinnen und Patienten gab es kein einziges Wort der Erläuterung von ihm an Landrat Thomas Hendele oder an die Bürgermeister aus Ratingen und Langenfeld, geschweige denn an die Öffentlichkeit. Wertschätzung von Patientinnen und Patienten, um deren Wohl es bei der Kassenärztlichen Vereinigung im Kern gehen sollte, sogar muss, sieht ganz anders aus. Undemokratischer können Hausärzte und Fachärzte wohl kaum vertreten werden. Die Auswirkungen bekommt übrigens auch das medizinische Fachpersonal in den Krankenhäusern zu spüren, deren Notfallambulanzen allzu oft nicht mehr beherrschbar überquellen, mit stundenlangen Wartezeiten für die Betroffenen.
