Ratingen | Beim Heimatverein „Ratinger Jonges“ sorgt die Aufnahme eines führenden AfD-Funktionärs aus Ratingen für interne Kritik und öffentliche Irritationen. Auslöser der aktuellen Debatte ist der Austritt des Ratingers Bastian Fleermann aus dem Verein. In einer Mitteilung, die der Redaktion vorliegt, begründet Fleermann seinen Schritt mit der Entscheidung des Vorstands, den AfD-Politiker Bernd Ulrich als Mitglied aufzunehmen. Ulrich ist in Ratingen als Funktionär der AfD aktiv, unter anderem als stellvertretender Sprecher im Stadtverband Ratingen, Heiligenhaus.
Der Vorstand der Ratinger Jonges reagiert auf die Kritik mit einer deutlichen Einordnung und kündigt Konsequenzen an. In einer Stellungnahme, die nach Angaben des Vereins veröffentlicht werden soll, heißt es, der Vorstand habe „mit der Aufnahme eines führenden AfD-Funktionärs in den Verein einen großen Fehler begangen“. Öffentliche Äußerungen Ulrichs sowie Positionen seiner Partei seien „mit den Grundwerten des Vereins nicht vereinbar“ und schadeten dem Ansehen des Vereins. Der Vorstand arbeite daran, diesen Fehler zu korrigieren. Zugleich räumt das Gremium ein, der Aufnahmebeschluss sei „sehr kontrovers diskutiert“ und nicht einstimmig gefasst worden. Als damaliges Leitargument sei die in der Satzung verankerte Überparteilichkeit und politische Neutralität des Vereins angeführt worden, diese Sichtweise habe sich jedoch als „naiv“ und angesichts der politischen Entwicklung als falsch erwiesen. Die entstandenen Irritationen in Mitgliedschaft und Öffentlichkeit bedauere man „zutiefst“. Unterzeichnet ist die Erklärung von Baas Dr. Edgar Dullni und Vizebaas Guido Multhaupt.
Die Satzung der Ratinger Jonges benennt den Verein ausdrücklich als „partei- und konfessionell neutral“. Gleichzeitig ist darin geregelt, wie Neuaufnahmen zustande kommen. Demnach muss ein Beitrittsantrag schriftlich beim Vorstand eingereicht und von einem Mitglied als Pate befürwortet werden. Als aufgenommen gilt ein Antragsteller, wenn die Aufnahme mit einer Zweidrittelmehrheit der anwesenden Vorstandsmitglieder beschlossen wird, der Vorstand kann Anträge zudem ohne Begründung ablehnen.
Auf Nachfrage, so teilt es der Vorstand in einer Antwortsammlung mit, sei Fleermanns Austritt nach derzeitigem Kenntnisstand bislang der einzige öffentlich bekannt gewordene Schritt dieser Art, weitere Kündigungsschreiben lägen dem Verein aktuell nicht vor.
Bastian Fleermann ist in der Region unter anderem als Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf bekannt. Wie der Verein den angekündigten Kurswechsel konkret umsetzt, etwa ob der Aufnahmebeschluss formell aufgehoben oder ein vereinsinternes Verfahren eingeleitet wird, ließ der Vorstand in der vorliegenden Stellungnahme offen. In der Satzung ist allerdings auch ein Ausschluss möglich, wenn ein Mitglied das Ansehen des Vereins oder dessen Interessen schädigt.

