Blick ins Stadion während der Rasensanierungsphase, Bild: Detlev Czoske
Blick ins Stadion während der Rasensanierungsphase, Bild: Detlev Czoske

Ratingen | Das Oberliga-Heimspiel von Ratingen 04/19 am Freitag, 27. Februar 2026, kann nicht wie geplant im Stadion Ratingen ausgetragen werden. Der Verein weicht auf die Spielfläche im Stadtwerke Sportpark aus. Darauf hat 04/19 in einer Vereinsmitteilung hingewiesen.


Politisch bekommt der kurzfristige Ortswechsel nun zusätzliche Brisanz. Die Bürger-Union (BU) hat sich in einem Schreiben an Bürgermeister Patrick Anders „in großer Irritation“ darüber gezeigt, dass der Rasen im Stadion bereits vor einigen Tagen als unbespielbar eingestuft und gesperrt worden sei, obwohl Untergrund und Rasen erst vor wenigen Monaten erneuert wurden. Die BU verweist dabei auch auf die Erwartung, dass ein frisch sanierter Naturrasen eine engmaschige, fachgerechte Pflege erhält.

Tatsächlich hatte die Stadt den neuen Stadionrasen erst im Herbst 2025 als fertiggestellt gemeldet. Nach gut drei Monaten Bauzeit, Abnahme am 16. September, sollte 04/19 am 28. September 2025 das erste Heimspiel „auf dem neuen Geläuf“ bestreiten. Hintergrund der Maßnahme war eine lange Debatte um die Qualität des Platzes. Spätestens beim Niederrheinpokal-Viertelfinale gegen den MSV Duisburg im November 2024 war der Zustand des Rasens öffentlich scharf kritisiert worden, unter anderem von MSV-Trainer Dietmar Hirsch.

Auch im Rat war das Thema zuvor hochgehängt worden, verbunden mit dem Hinweis, dass das Stadion perspektivisch auch für höherklassigen Fußball funktionieren müsse. Ein gemeinsamer Antrag mehrerer Ratsfraktionen aus November 2024 bezifferte frühere Investitionen der Stadt in die Leichtathletikanlagen mit rund 1,7 Millionen Euro und die Bereitstellung von Mitteln zur Regionalliga-Tauglichkeit des Stadions mit 325.000 Euro. Parallel wurde der eigentliche Rasentausch mit Bodenaustausch und neuer Drainage in einer Größenordnung von rund 840.000 bis 850.000 Euro veranschlagt.

Genau an dieser Stelle setzt die BU nun an: In ihrem aktuellen Brief beschreibt sie eine aus ihrer Sicht mangelhafte Pflege in den zurückliegenden Jahren und kritisiert, dass städtische Mitarbeiter zeitweise mit schwerem Gerät über den Platz gefahren seien, wodurch tiefe Furchen entstanden seien. Außerdem stellt die BU die Frage, warum eine Schulung im Bereich Greenkeeping nicht erkennbar zu einer besseren, regelmäßigen Bearbeitung geführt habe. Der Bürgermeister solle kurzfristig darstellen, wie die Stadt ab sofort eine fachgerechte Pflege sicherstellen will, auch mit Blick auf die sportliche Situation des Vereins.

Denn sportlich läuft es für 04/19: In der Oberliga Niederrhein steht Ratingen nach 20 Spielen mit 41 Punkten an der Spitze, Verfolger sind derzeit unter anderem VfB 03 Hilden und der KFC Uerdingen. Der Meister der Oberliga Niederrhein ist laut Aufstiegsregelung sportlich für den Aufstieg in die Regionalliga West qualifiziert, Voraussetzung ist allerdings die fristgerechte Bewerbung und die Erfüllung der Zulassungsvorgaben.

Prognose für den Aufstieg: Rein tabellarisch hat Ratingen eine sehr gute Ausgangslage. Sechs Punkte Vorsprung bei noch 14 ausstehenden Spielen sind ein Polster, aber kein Ruhekissen, zumal direkte Duelle und mögliche Nachholspiele die Dynamik schnell verändern können. Entscheidend wird sein, ob 04/19 die Konstanz aus der Hinrunde in den Saisonendspurt bringt und zugleich die organisatorischen Anforderungen für die Regionalliga sauber erfüllt. Wenn beides gelingt, spricht aktuell mehr für als gegen den Aufstieg. Auf dem Platz liefert das Team bislang die Argumente, die infrastrukturelle Debatte um den Rasen kommt jedoch zur Unzeit.

Wie lange der Stadionrasen gesperrt bleibt und welche konkreten Gründe zur Einstufung „unbespielbar“ führten, dazu liegt bislang zumindest keine aktuelle, detaillierte öffentliche Erklärung der Stadt vor. Sicher ist: Am Freitagabend wird der Fokus zunächst auf dem Sportpark liegen, und auf der Frage, ob 04/19 seinen Spitzenplatz auch auf Ausweichrasen (Kunstrasen) verteidigt.