
Ratingen | Die Marienkirche in Tiefenbroich war gut gefüllt. Rund 200 Bürger kamen zur Bürgerversammlung. Das allein war schon ein Signal. Noch wichtiger war aber, was an diesem Abend wieder spürbar wurde. In Tiefenbroich will man stärker miteinander reden. Und man will den Stadtteil nicht nur verwalten, sondern mitgestalten.
Eingeladen hatte der neu aufgestellte Bürgerverein. Er nutzte den Abend, um sich erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Dabei machte der Verein früh klar, worum es ihm geht. Nicht ein kleiner Vorstand soll alles alleine tragen. Projekte sollen in Arbeitsgruppen entstehen. Menschen aus dem Stadtteil sollen mitarbeiten. Ideen sollen nicht in Schubladen verschwinden, sondern im Ort sichtbar werden.
Darin soll der Anspruch des neuen Vereins liegen. Er knüpft an vergangenes bürgerschaftliches Engagement in Tiefenbroich an, versteht sich aber nicht als Kopie früherer Strukturen. Vielmehr will er ergänzen, vernetzen und Impulse setzen. Bildreich beschreibt die Vorsitzende Silke Kirton den Bürgerverein als im März 2025 wiederbelebt. Ziel sei es, nachbarschaftliches Engagement zu stärken, Informationen für den Ortsteil zu bündeln und Themen gegenüber Stadt und anderen Stellen hartnäckig zu begleiten.
Im Saal ging es zunächst um den Verein selbst. Genannt wurden regelmäßige Treffen, flexible Arbeitsgruppen und neue Ideen wie ein Online-Archiv für Bilder und Geschichten aus Tiefenbroich. Auch der Wunsch nach einem stärkeren Miteinander der Vereine wurde deutlich. Ein „Beirat der Vereine“ soll helfen, Termine besser abzustimmen und Kräfte zu bündeln. Noch fehlt es dafür an Menschen, die diese Vernetzung organisatorisch tragen.
Emotional wurde es bei der Ehrung von Ilse Abele und Wolfgang Dietrich. Beide wurden für langjähriges Engagement gewürdigt und zu Ehrenmitgliedern ernannt. Damit schlug der Abend auch eine Brücke zwischen dem alten und dem neuen Bürgerverein. Die Botschaft war klar: Hier soll nichts verdrängt werden. Vielmehr soll auf gewachsener Arbeit aufgebaut werden.
Dann übernahm die Stadtverwaltung. Bürgermeister Patrick Anders und Planungsdezernentin Petra Cremer stellten sich den im Vorfeld eingereichten Fragen. Die Themenliste war lang. Sie reichte vom Ratio-Gelände über die Neue Mitte Tiefenbroich, den Zustand von Straßen und Plätzen, Vermüllung, Flughafenparker und Angsträume bis hin zu Ärztemangel, Verkehrssicherheit und der Zukunft von Westbahn, U81 und Radschnellweg. Petra Cremer verantwortet bei der Stadt als Dezernatsleitung den Bereich Stadtplanung, Vermessung und Bauordnung.
Viele Antworten zeigten, wie kompliziert kommunale Prozesse inzwischen sind. Beim Ratio-Gelände etwa laufen Abstimmungen mit übergeordneten Planungsebenen. Für die Neue Mitte sollen Entwürfe vor Ort im „Reallabor“ erprobt werden. Beim Sparkassengebäude geht es nach Schäden und Sicherungsmaßnahmen um eine neue multifunktionale Nutzung. Andere Themen wie Müll, Elterntaxis oder Flughafenparker machen deutlich, dass viele kleine Probleme im Alltag der Menschen oft mehr Druck erzeugen als große Pläne auf dem Papier.
Gerade deshalb war dieser Abend wichtig. Er brachte Verwaltung und Bürgerschaft direkt zusammen. Es ging nicht nur um fertige Antworten. Es ging auch um das Zuhören. Und darum, weitere Gespräche zu verabreden, wo die Zeit nicht reichte. Weitere Termine, auch in kleineren Gruppen sollen folgen.
Am Ende blieb ein überaus positives Signal. Nicht nur wegen der hohen Beteiligung. Sondern auch, weil Bürgermeister Anders den Besuch im Anschluss ausdrücklich erfreut zur Kenntnis nahm und die Hoffnung äußerte, dass die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Bürgerschaft auch künftig so vielschichtig und gut bleiben möge. Tiefenbroich hat an diesem Abend gezeigt, dass das Interesse daran groß ist.

