
Ratingen | Auf Einladung von Michael Lumer ist am Samstag ab 11 Uhr ein weiterer Abschnitt des Ratinger Industriepfads vorgestellt worden. Der Rundgang führte vom Voisweg über die Formerstraße, die Ecke Gießerstraße bis zur Neanderstraße. Rund 20 Teilnehmer nahmen daran teil, darunter Bürgermeister Patrick Anders, der Erste Beigeordnete Harald Filip, Udo Zimmermann von der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert, Ewald Vielhaus, Guido Multhaupt, Norbert Halverkamps und Stefan Stahlkopf von den Ratinger Jonges sowie Susanne Gesche, Tochter von Rolf Theißen und gemeinsam mit ihrem Mann heute in leitender Funktion innerhalb der Unternehmensgruppe tätig.
Mit den vier am Samstag eingeweihten Stelen sind nach Angaben der Projektverantwortlichen nun 27 von rund 60 geplanten Stelen realisiert. Perspektivisch soll der Industriepfad auch auf weitere Stadtteile ausgeweitet werden. Langfristig ist von mehr als 90 Stelen im gesamten Stadtgebiet die Rede.
Industriegeschichte im Stadtraum
Der Industriepfad verfolgt das Ziel, prägende Orte der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung Ratingens im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Die Stelen markieren Standorte, die für Rohstoffabbau, Produktion, Handel, Transport und unternehmerische Entwicklung von Bedeutung waren. Gefertigt werden die Stelen aus Cortenstahl bei Tünkers in Tiefenbroich. Nach Angaben der Beteiligten hat die Gestaltung inzwischen auch Interesse bei ähnlichen Projekten im Umland geweckt.
Das Projekt wird von mehreren Akteuren gemeinsam getragen. Beteiligt sind unter anderem die Ratinger Jonges, heimatkundlich engagierte Gruppen sowie weitere Unterstützer aus Wirtschaft und Stadtgesellschaft. Vor Ort wurde die Zusammenarbeit der beteiligten Vereine und Institutionen als wichtiger Faktor für die kontinuierliche Weiterentwicklung des Industriepfads hervorgehoben.
Vier neue Stationen entlang der Ostachse
Die jetzt vorgestellten Stationen beleuchten unterschiedliche Kapitel der Ratinger Wirtschaftsgeschichte. Eine Stele widmet sich dem Triangel-Center und der Theißen-Gruppe. Dort wurde die Entwicklung des Unternehmensverbunds thematisiert, der aus industriellen Dienstleistungen hervorgegangen ist und sich später in verschiedene Geschäftsfelder ausdifferenziert hat.
Eine weitere Station befasst sich mit dem Bereich Schwarzes Loch und grieses Loch. Dort stand die Geschichte des Kalkabbaus im Mittelpunkt. Deutlich wurde, dass die wirtschaftliche Entwicklung Ratingens nicht erst mit klassischen Fabrikstandorten begann, sondern bereits früher mit Rohstoffgewinnung, Brennöfen und Transportwegen verbunden war.
Außerdem wurde an die Maschinenfabrik Karl Besta erinnert. Sie steht beispielhaft für die industrielle Produktionsgeschichte in Ratingen. Eine weitere Stele verweist auf die Geldschrankfabrik Adolphs an der Neanderstraße. An diesem Beispiel wurde die überregionale Bedeutung einzelner Ratinger Unternehmen für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt deutlich.
Warum die Industriestraße so heißt
Im Rahmen des Rundgangs wurde auch erläutert, warum die Industriestraße ihren Namen trägt, obwohl dort nach heutigem Verständnis nie ein klassisches Industriegebiet bestand. Der Name geht auf die ältere Flurbezeichnung „In der Industrie“ zurück. Diese stand im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen und verkehrlichen Funktionen des Bereichs und wurde später zur offiziellen Straßenbezeichnung.
Solche Hinweise verdeutlichen, dass sich industrielle Entwicklung nicht nur in erhaltenen Gebäuden oder früheren Produktionsstandorten ablesen lässt, sondern auch in historischen Wegeführungen und Straßennamen.
Unterstützung aus der Stadtgesellschaft
Unterstützt wird das Projekt auch von der Sparkasse HRV. Udo Zimmermann betonte am Rande der Veranstaltung die Bedeutung solcher Termine für ein regional verankertes Finanzinstitut. Der direkte Zugang zu lokalen Entwicklungen und historischen Zusammenhängen sei auch für das Verständnis wirtschaftlicher Strukturen vor Ort wichtig.
Michael Lumer warb zugleich dafür, dem Projekt weitere mögliche Standorte vorzuschlagen. Wer Ideen für zusätzliche Stelen habe, könne diese an ihn herantragen, möglichst bereits mit einem Hinweis auf eine mögliche Finanzierung.
Mit dem jüngsten Rundgang ist der Industriepfad um vier weitere sichtbare Erinnerungsorte gewachsen. Das Projekt dokumentiert damit nicht nur industriegeschichtliche Entwicklungen, sondern auch die enge Verbindung zwischen wirtschaftlichem Wandel und Stadtentwicklung in Ratingen.
