Frank Griesel (Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW), Mira Berghöfer und Thomas Ahlmann (FairWertung) und Lisa Lilienthal (BePro) vor der Sortierstation, an der Ausstellungsbesucher selbst aktiv werden können. Foto: Mathias Kehren
Frank Griesel (Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW), Mira Berghöfer und Thomas Ahlmann (FairWertung) und Lisa Lilienthal (BePro) vor der Sortierstation, an der Ausstellungsbesucher selbst aktiv werden können. Foto: Mathias Kehren

Velbert. Im Gebrauchtwarenhaus der „BePro“ in Velbert, Kaiserstraße 23, ist die Ausstellung „Aus den Augen, aus dem Sinn? Die Wege Deiner Altkleider“ zu sehen. Es geht um die Wege getragener Kleidung und den großen CO2-Fußabdruck, den die Textilbranche hinterlässt.

Jeder kennt es: Wohin mit dem aus der Mode geratenen Hemd oder der zu klein gewordenen Hose? Zum Wegwerfen zu schade, zum Aufheben zu wenig Platz? Dann ab zur Altkleidersammlung.

Doch was passiert eigentlich mit den Sachen, die die meisten mit gutem Gewissen einer neuen Bestimmung überantworten? Genau dieser Frage widmet sich die neue Ausstellung in der Velberter Gebrauchtwarenhaus der „BePro“ an der Kaiserstraße.

„Zehn Prozent der Treibhausgase kommen aus der Textilindustrie“, weiß Thomas Ahlman zu berichten, noch schmutziger sei lediglich die Mineralölsparte. Ahlmann ist Geschäftsführer vom Dachverband „FairWertung“, der die Wanderausstellung konzipiert hat. Seine Kollegin Mira Berghöfer führt einige interessierte Besucher durch die vier Station.

Eines wird dabei schnell klar: Recycling ist bei alten Klamotten eher selten. Lediglich ein Prozent gebrauchter Ware wird zu neuer Kleidung verarbeitet. „Eher werden dafür Joghurtbecher benutzt“, so Berghöfer.

Was in der Altkleidersammlung landet, wird aufwendig sortiert und einer neuen Verwendung zugeführt. Die 1A-Ware – im Schnitt immerhin 60 Prozent – wandert in den Secondhand-Verkauf, der Rest taugt meist nur noch für Malerflies, Autoinnenverkleidungen oder Putzlappen. Ein Teil muss auch direkt entsorgt werden.

Ein Geschäft sei die gebrauchte Kleidung nicht, darin sind sich die Akteure vor Ort einig. Im Gegenteil. Wer viel schlechte Ware bekomme, müsse am Ende noch Entsorgungsgebühren bezahlen, erklärt Lisa Lilienthal, die die Secondhand-Kleider-Sparte bei der Bepro betreut. Im Gebrauchtwarenhaus funktioniere das Konzept, weil man ein Betrieb für Beschäftigung und Qualifizierung für Arbeitssuchende sei.

Sechs bis acht Tonnen Kleidung kommen jede Woche in Velbert an der Kaiserstraße an. Eine gewaltige Menge, die von im Schnitt zehn Arbeiterinnen und Arbeitern sortiert wird. Ein Teil wird im Gebrauchtwarenhaus verkauft, ein Teil an Wiederverkäufer abgegeben. Ein Gewinn entstehe nicht so Lilienthal, trotz der Menge gebe es nur wenige Cent für die Kleidung.

Über Nachhaltigkeit klärt die Ausstellung an der nächsten Schautafel auf: Reduziere, nutze anders, nutze länger sind die drei entscheidenden Empfehlungen hier. Weniger oft waschen beispielsweise schont das Textil und spart zugleich Waschmittel.

Und dann gibt es noch ein paar interessante Zahlen: Im Schnitt kaufen die Deutschen 60 Kleidungsstücke im Jahr. Spannend: 24 davon werden gar nicht getragen. Im Kleiderschrank der Deutschen befinden sich laut Ausstellungsschautafel im Schnitt 90 Kleidungsstücke.

An der Stelle wird es dann auch interaktiv: Die Besucherinnen und Besucher dürfen angeben, wie viele Kleidungsstücke in ihren Schränken schlummern. Ebenfalls interessant: Wer möchte, kann einen Wäscheberg (16 Stücke) in die Kategorien „tragbar“ und „nicht tragbar“ einteilen. Nach den Standards der Textil-Wiederverwerter. Einfach ist das nicht, soviel ist beim ersten Ausstellungsrundgang schnell klar geworden.

Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 25. Mai, immer montags bis freitags von 9.30 bis 18 Uhr und samstags von 9.30 bis 16 Uhr. Finanzielle Förderung kommt von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW.