
Kreis Mettmann. Die Kreisbauernschaft Mettmann um ihren Vorsitzenden Martin Dahlmann hat einer erste Bilanz zur Ernte im Dürrejahr 2026 gezogen. Die Getreideernte war demnach durchschnittlich, bei den Herbstkulturen erwarten die Bauern aber massive Ertragseinbußen.
Das Jahr war geprägt von Hitze und anhaltender Trockenheit, was den Ackerkulturen zusetzte. Zugleich waren die Betriebskosten hoch und die Erzeugerpreise stark volatil in Anbetracht der teils unsicheren Weltlage. Insgesamt stellt die Kreisbauernschaft einen erhöhten wirtschaftlichen Druck auf die landwirtschaftlichen Betriebe fest.
Getreide bleibt die wichtigste Ackerkultur im Rheinland. Insgesamt dürfte die Erntemenge nach Schätzung der Kreisbauern in diesem Jahr bei rund 1,1 Millionen Tonnen liegen und damit etwa 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
„Beim Weizen sind wir trotz extremer Temperaturen und fehlender Niederschläge mit einem blauen Auge davongekommen“, erklärt Dahlmann. Im Rheinland wurden demnach beim Winterweizen durchschnittlich rund 87 Dezitonnen pro Hektar geerntet – gut acht Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Die Wintergerste erreichte rund 84 Dezitonnen pro Hektar.
Erlöse beim Getreide nicht kostendeckend
Die Erntemengen allein sagen nach Einschätzung der Kreisbauernschaft wenig über die wirtschaftliche Lage der Betriebe aus. Hohe Kosten für Diesel, Dünger, Pflanzenschutz und Energie treffen auf stark schwankende Erzeugerpreise. „Die Preise am Getreidemarkt reagieren derzeit von Tag zu Tag auf geopolitische Krisenherde und Äußerungen der beteiligten Akteure. Für unsere Betriebe ist das kaum planbar“, betont Dahlmann. Unter diesen Bedingungen reichten die Erlöse beim Getreide derzeit nicht aus, um die Produktionskosten zu decken.
In den letzten Jahren hat Raps als Kultur wieder an Attraktivität gewonnen. So wuchs die Anbaufläche um rund zehn Prozent zum vergangenen Jahr. Die Erträge konnten mit dieser Entwicklung jedoch nicht Schritt halten, bilanziert die Kreisbauernschaft: Im Durchschnitt wurden rund 36 Dezitonnen pro Hektar geerntet, nach rund 41 Dezitonnen im vergangenen Jahr.
Ausfälle bei Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben erwartet
Mit großer Sorge blickt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Mettmann zudem auf die noch auf den Feldern stehenden Herbstkulturen. Insbesondere Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln leiden extrem unter der anhaltenden Dürre. Die jetzt gefallenen Niederschläge ändern daran nichts mehr. Bei diesen Kulturen ist daher mit deutlichen Ertragsrückgängen zu rechnen. Die anhaltende Trockenheit hat das Wachstum und den Ertrag bereits erheblich beeinträchtigt und die Pflanzen geschwächt.
Im Futterbau zeigt sich ein ähnliches Bild wie im Ackerbau. Auf dem Grünland konnten dank des „wüchsigen Frühjahrs“ die ersten Schnitte des Jahres eingebracht werden, so die Bauernschaft. Teils habe darunter aber die Qualität gelitten.
Seit Anfang Juli ist das Wachstum vielerorts deutlich ins Stocken geraten, sodass weitere Schnitte ausgeblieben sind. Ob ein später Schnitt mit nennenswerten Erträgen möglich sein wird, ist von Niederschlägen abhängig.
Besonders dramatisch ist die Lage beim Mais: Auf einzelnen Standorten ist bereits jetzt mit massiven Ertragseinbußen bis hin zu Totalausfällen zu rechnen. „Für viele Betriebe entscheidet sich erst in den kommenden Wochen, wie groß der wirtschaftliche Schaden tatsächlich wird“, warnt Dahlmann.
Er sieht in der diesjährigen Erntebilanz ein weiteres Warnsignal für die wirtschaftliche Lage der Betriebe. „Unsere Familienbetriebe brauchen bessere Rahmenbedingungen, welche die Produktion nicht zusätzlich verteuern“, führt Dahlmann aus. Notwendig dafür seien wettbewerbsfähige Energie- und Betriebsmittelpreise sowie konkrete politische Antworten auf immer stärkere Marktrisiken. Hier sieht Dahlmann die Politik gefordert, den „zunehmenden Ungleichgewichten in der Wertschöpfungskette entschlossen entgegenzutreten“.
Während Verbraucherinnen und Verbraucher für Lebensmittel stetig mehr aufwenden müssen, komme bei den landwirtschaftlichen Betrieben davon nichts an, so Dahlmann. Er fordert: „Wer heimische Lebensmittelproduktion sichern will, muss den Betrieben wieder wirtschaftliche Perspektiven geben.“

