Zwei Trainer in Sporthalle mit Sportlern im Hintergrund.
Frank Hanet und Martin Felchner fürchten, dass besonders der Handballnachwuchs der Sportart den Rücken kehren könnte, wenn es eine Zeitlang keine Trainingsmöglichkeiten in den Hallen gibt. Foto: Mathias Kehren

Velbert. Erneut muss die Stadt Velbert die Halle Waldschlößchen für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzen. Damit verliert die Handballabteilung des NTVs auf nicht absehbare Zeit ihre Trainingshalle und den Austragungsort für ihre Meisterschaftsspiele. So lange noch an der Halle Nizzatal saniert wird, können die Handballer gar nicht weitermachen.

Anfang der Woche hat die Stadt Velbert mitgeteilt, dass die Halle Waldschlößchen ab Januar für den Vereinssport gesperrt ist und dann als Flüchtlingsunterkunft umgebaut und genutzt werden soll. Die Vereine wurden schon ein paar Tage früher unterrichtet (hier zum Artikel).

Fünf Senioren- und drei Jugendmannschaften der NTV-Handballabteilung trainieren in der Halle. Außerdem trifft sich dort eine Herrensportgruppe und eine Sport- und Spaß-Familiengruppe, in der der Nachwuchs für den (Handball-)Sport begeistert wird. Der Nevigeser Turnverein (NTV) bildet gemeinsam mit der Langenberger Sportgemeinschaft (LSG) den Niederbergischen HC und teilt sich im Bereich Handball Hallenzeiten in Neviges und im Nizzatal.

Auch in der Halle Nizzatal gibt es Probleme. Im Sommer waren Schäden an der Decke festgestellt worden, die noch nicht behoben sind. Dem Vernehmen nach kann die Halle nicht vor Ende Januar wieder in Betrieb gehen. „Schon seit dem Sommer trainieren deshalb die Seniorenteams zu zweit in der Halle Waldschlößchen“, berichtet Frank Hanet. Dafür sei der Platz eigentlich viel zu klein, so der Leiter des Bereichs Handball beim NTV.

Hanet hat in der Vergangenheit viele Projekte angestoßen, um den Nachwuchs für den Handballsport zu begeistern. Ferien-Handballcamps, Handballtage und die Familien-Sportgruppe, bei der 30 Kinder jeden Samstag aktiv sind, zeigen Früchte. Besonders schwer sei es den Nachwuchs zu halten, der den Sport gerade für sich entdeckt habe, berichtet Hanet. „Da wird durch fehlende Trainingsmöglichkeiten sehr viel kaputt gemacht“, ist er überzeugt.

„Es ist für uns völlig unstrittig, dass den Geflüchteten geholfen werden muss“, so Martin Felchner vom NTV-Vorstand. Und Hanet ergänzt: „Wenn ich einmal in eine solche Situation geriete, wollte ich auch ein Dach über dem Kopf haben. Es ist völlig klar, dass Menschen in Not nicht allein gelassen werden.“ Was die beiden aber bewegt, und Felchner sogar „richtig sauer“ macht, ist, dass die Halle Waldschlößchen offensichtlich ohne Alternative für die Unterbringung dastehe. „In acht Jahren hätte man andere Lösungen suchen und sicher auch finden können“, meint Felchner und bezieht sich dabei auf die erste Hallenschließung nach der Flüchtlingswelle 2015. Nach Ausbruch des Ukrainekriegs gab es von März bis Ende 2022 die zweite Schließung und nun steht die dritte an. Die wohl schwierigste für den Verein, weil es zumindest vorerst keine Ausweichhalle gibt.

Für den Verein könnten nun Wochen ohne Trainigsmöglichkeit bevorstehen. Zwar steht eine Vereinbarung mit dem Sportamt über Hallenzeiten noch aus, aber die Verantwortlichen beim NTV sind sich sicher, dass „freie Hallenzeiten nicht herbeigezaubert“ werden könnten. Ihre Hoffnung ruht darauf, dass wenigstens die Halle Nizzatal bald fertiggestellt ist und wieder bespielt werden kann.

Außerdem könnte die Halle an der Langenberger Straße, wo derzeit noch nach Plan renoviert wird, etwas Luft schaffen. Denn in dieser Halle – mit Tribüne – sind Meisterschaftsspiele auch mit Zuschauern möglich.

Stand der Arbeiten in den Sporthallen

Auf Anfrage des Super Tipps nach dem Stand der Arbeiten in den Hallen Langenberger Straße und Nizzatal hat die Stadt Velbert wie folgt Stellung genommen.

„Die Stadt Velbert lässt ihre Sporthalle Langenberger Straße – sie wird sowohl vom Schul- als auch vom Vereinssport gleichermaßen intensiv genutzt und ist vor Ort die größte – energetisch sanieren und auch renovieren. Die Fertigstellung der Baumaßnahme ist wie geplant und bisher kommuniziert für Februar 2024 vorgesehen, so dass ab März 2024 der Sportbetrieb wieder starten kann.

Zur Sporthalle Panner Straße im Nizzatal informiert die Verwaltung: „Es wurde zunächst die nicht mehr tragfähige Abhangdeckenkonstruktion in der Halle entfernt und die Technische Ausrüstung inklusive einer Beleuchtung interimsweise für die Wiederaufnahme des Sportbetriebs aufgehängt. Die Maßnahme wird voraussichtlich im Januar 2024 abgeschlossen, so dass im Februar 2024 der Sportbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

Im Anschluss wird die Sanierung der Decke inkl. der dahinter liegenden Technischen Ausrüstung (Elektro, Heizung, Lüftung) geplant und vorbereitet, so dass zu einem späteren Zeitpunkt eine Gesamtsanierung inklusive Einbau einer neuen Decke erfolgen kann.“

Abschließend betont Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach: „Es ist zwar sehr herausfordernd, den Vereinen und Schulen Ausweichmöglichkeiten für ihren Schulsport und Trainingsbetrieb anzubieten, wir prüfen aber weiterhin alle Möglichkeiten, um ihnen gerecht zu werden.