Projekt „41 Leben“ arbeitet an Biografien von NS-Opfern in Velbert

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Wegen Corona allein beim Fototermin: Tobias Glittenberg arbeitet gemeinsam mit dem Projektkurs der Gesamtschule Velbert-Mitte an den Stolperstein-Biografien. Foto: Mathias Kehren
Wegen Corona allein beim Fototermin: Tobias Glittenberg arbeitet gemeinsam mit einem Projektkurs der Gesamtschule Velbert-Mitte an Stolperstein-Biografien. Foto: Mathias Kehren

Velbert. Das Projekt „41 Leben“ versucht die Biografien von NS-Opfern in Velbert zu erstellen und zu vervollkommnen. Dafür arbeiten Schüler der Gesamtschule Velbert eng mit der Arbeitsgruppe „Zeit los“ des Bergischen Geschichtsvereins zusammen.

Die Aufarbeitung der Geschehnisse in der NS-Zeit ist an der Gesamtschule in Velbert-Mitte schon immer ein wichtiges Thema. Jedes Jahr fährt ein Projektkurs nach Auschwitz und besucht dort die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers. Seit Schuljahresanfang nehmen 36 Schüler der zwölften Klassen an einem Projekt teil, das dieses Jahr ein weiteres Ziel verfolgt. In Kooperation mit dem Bergischen Geschichtsverein sollen möglichst umfangreich die Biografien von NS-Opfern erstellt werden, die zuletzt in Velbert gewohnt haben. Dabei orientiert sich die Gruppe an den sogenannten Stolpersteinen.

„Insgesamt 41 Stolpersteine sind in der Stadt Velbert verlegt worden“, berichtet Tobias Glittenberg von der Recherchegruppe „Zeit los“ des Geschichtsvereins, in der er gemeinsam mit Dr. Christian Wagner das Leben dieser Personen erforschen und nachvollziehbar machen möchte. Mit Unterstützung der Gesamtschüler sollen Informationen aus dem Stadtarchiv und Veröffentlichungen von lokalen Historikern gesammelt werden. Die Schüler können dabei die Methoden einer wissenschaftlichen Recherche mit nachvollziehbaren Quellen lernen, entstehen sollen aber auch interessante Geschichten von den damals in Velbert lebenden Bürgerinnen und Bürgern die Opfer des Nazi-Regimes wurden.

„Sehr spannend sind für uns natürlich Bilder oder auch Filme mit alten Gebäude- und Straßenansichten“, ruft Glittenberg dazu auf, bei Archiv- oder Dachboden-Fundstücken genau nachzuschauen. „Auch Berichte von Zeitzeugen oder Angehörigen sind uns natürlich sehr willkommen, um die Biografien zu erstellen“, hofft Glittenberg auf neues Material für das Projekt. Wer Informationen weitergeben möchte, kann sich unter Tel. 01520/4082243 oder E-Mail 41leben@web.de mit den Akteuren von „41 Leben“ in Verbindung setzen.

„Die Stolpersteine sind immer am letzten Wohnort der Personen gelegt worden“, berichtet Glittenberg. An der Friedrichstraße 64 etwa war dies demnach die Familie Isaac. Diese hat hier eine Fleischerei betrieben, bevor sie 1941 nach Belgien geflohen ist. Interessant an dieser Stelle ist wohl nicht nur für die Forscher, dass hier nach der Flucht der Isaacs über viele Jahre wieder eine Fleischerei ansässig war.

Vier "Stolpersteine" erinnern an die Familie Isaac, die bis 1941 an der Friedrichstraße in Velbert gewohnt hat. Foto: Mathias Kehren
Diese Stolpersteine erinnern an die Familie Isaac, die bis 1941 an der Friedrichstraße in Velbert gewohnt hat. Foto: Mathias Kehren