Ratingen | Mit rund 180 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Verwaltung, Brauchtum und Politik ist die FDP Ratingen ins neue Jahr gestartet. Nach Angaben der Liberalen war der Spiegelsaal im Ratinger Brauhaus beim Neujahrsempfang bis auf den letzten Platz gefüllt. Unter den Anwesenden: Bürgermeister Patrick Anders sowie der neue Erste Beigeordnete der Stadt Ratingen, Harald Filip, daneben zahlreiche weitere Ehrengäste.
Hauptredner der etwa zweieinhalbstündigen Veranstaltung war der Extremismuspräventions- und Integrationsexperte Ahmad Mansour, bekannt aus Fernsehsendungen und Publikationen. Die FDP hatte ihn als Impulsgeber für Diskussionen über Migration, Integration und eine offene Gesellschaft eingeladen. „Die große Resonanz zeigt, wie wichtig die Themen Migration, Integration und eine offene Gesellschaft sind“, bilanzierte FDP-Stadtverbandsvorsitzender Alexander Steffen.
Steffen nutzte seine Begrüßungsrede zugleich für grundsätzliche politische Akzente. Er kritisierte aus Sicht der FDP „Einschränkungen der freien Meinungsäußerung“ und warnte vor Gefahren für Demokratie und Freiheit. Jede kritische Äußerung über Missstände werde inzwischen schnell „unter Generalverdacht gestellt“ und diskreditiert, so Steffen. In diesem Zusammenhang nahm er auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den Blick. „Meinungsfreiheit darf nicht eingeschränkt oder politisch gefärbt werden“, wird der FDP-Vorsitzende zitiert. Kritisches Hinterfragen von Positionen müsse zudem stärker mit Eigenverantwortung verbunden sein.
Auch Dr. Markus Sondermann, Fraktionsvorsitzender der FDP im Ratinger Stadtrat, blickte in seiner Rede auf die kommunalpolitischen Themen des vergangenen Jahres zurück. Sondermann monierte nach Darstellung der FDP eine aus seiner Sicht fehlende Geschwindigkeit bei Bauvorhaben und Baustellenmanagement. Zudem gebe es weiterhin „schleppende“ Fortschritte bei der Digitalisierung der Verwaltung. Sondermann kritisierte darüber hinaus den politischen Umgang mit Vorschlägen außerhalb des etablierten Meinungskorridors. Ideen jenseits des Mainstreams würden zu schnell als populistisch abgetan – als Beispiel nannte er die Debatte um die notärztliche Versorgung in Ratingen. „Wir müssen wieder lernen zu diskutieren und gemeinsam um Lösungen zu ringen, statt jeden Vorschlag sofort niederzumachen“, lautet eine zentrale Botschaft. Die FDP werde „auf jeden Fall dranbleiben“, so Sondermann.
Im Mittelpunkt des Abends stand schließlich der Vortrag Mansours, den die FDP als frei gehaltene, rund einstündige Rede beschreibt. Mansour sprach über die veränderte Rolle Deutschlands und der Europäischen Union in einer unsicherer werdenden Weltlage. Deutschland müsse sich dieser Lage innen- und außenpolitisch bewusster werden und eine klare Agenda entwickeln, so seine Forderung. Mansour prangerte außerdem einen naiven Umgang mit totalitären Organisationen und extremistischem Gedankengut an. Er verwies dabei auf Bedrohungen durch radikale Gruppen aus islamistischen, rechts- und linksextremen Milieus, die – so Mansour – unsere und auch die Sicherheit jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger gefährdeten.
Einen persönlichen Einblick gab Mansour mit Blick auf seinen eigenen Werdegang: Er sei 2004 als Flüchtling nach Deutschland gekommen, in der Hoffnung auf ein besseres und sichereres Leben. Heute werde er zu seinem Schutz, „so wie auch heute“, von mehreren Beamten des Landeskriminalamts Berlin begleitet.
Für einen regionalen Akzent sorgte zum Abschluss der Auftritt des Ratinger Prinzenpaars Jörg I. und Claudia III. Den Schlusspunkt setzte ein gemeinsamer Umtrunk mit Imbiss – begleitet von Gesprächen zwischen Gästen aus Stadtgesellschaft, Verwaltung und Politik.

