
Ratingen. Am 8. Januar hat die Stadt Ratingen in West an der Gothaer Straße im Rahmen einer Anwohnerversammlung über den geplanten Ablauf der Belegung neu errichteter Wohncontaineranlagen mit Geflüchteten informiert. Obwohl die Versammlung ausdrücklich als nüchterne Prozesserklärung vorgesehen gewesen ist, ist es seitens vieler Anwohner zu deutlichem Protest gegen das Vorhaben gekommen.
Unter der Leitung des Ersten Beigeordneten der Stadt Ratingen, Harald Filip, wurden im Laufe der Versammlung erstmals konkrete Details zur Wohncontaineranlage und deren Belegung gegenüber den betroffenen Anwohnern bekanntgegeben: Die vier errichteten Einzelcontainer an der Gothaer Straße sind demnach zweigeschossig angelegt und verfügen mit insgesamt 60 Zimmern über eine maximale Kapazität von 150 Personen. Um aus Sicht der Stadt tragfähige Wohnverhältnisse zu gewährleisten, soll sich die Belegung jedoch auf rund 60 Bewohner beschränken. Untergebracht werden ausschließlich männliche Einzelpersonen im Alter zwischen 20 und 63 Jahren. Nach Angaben der Stadt befinden sich rund 80 Prozent der vorgesehenen Bewohner bereits in Beschäftigung oder anderweitigen Qualifizierungsmaßnahmen. Etwa 20 Prozent davon sind bereits sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
Der Einsatz der umstrittenen Wohncontaineranlagen erfolgt aufgrund überlasteter Unterbringungskapazitäten. Durch die Wohnsitzauflage werden der Stadt weiterhin Geflüchtete, vor allem aus Syrien und Afghanistan, zugewiesen. Zwischenzeitlich genutzte Schulräume stehen künftig nicht mehr zur Verfügung, da ab dem ersten August ein bundesweiter Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung gilt. Da bestehende Unterkünfte bereits stark ausgelastet sind und der angespannte Wohnungsmarkt kaum Alternativen bietet, sollen die Wohncontainer zur Entlastung der Situation beitragen.
Die Anlage wird von der Stadt Ratingen betrieben und durch einen Hausmeister sowie einen durchgängigen Sicherheitsdienst betreut. Ergänzend wurde im Rahmen der Versammlung über die Einsetzung eines Quartiermanagers als Anlaufstelle für Anwohner informiert. Dieser soll ab Februar am Berliner Platz im Einsatz sein. Die soziale Betreuung übernimmt ein erfahrenes Team der Flüchtlingsberatung, das regelmäßig vor Ort ist und die Bewohner im Alltag begleitet. Das Team arbeitet dabei bereits seit Jahren mit der Stadt Ratingen nach einem bestehenden Integrationskonzept zusammen, das auf ein geordnetes Zusammenleben und die Sicherung des sozialen Friedens in den Unterkünften ausgerichtet ist.
Anwohner kritisieren: Wurden vor vollendete Tatsachen gestellt

Im Verlauf der Versammlung wurde deutlich, wie stark die geplante Belegung der Wohncontainer die Anwohnerschaft emotional bewegt. Die Stimmung war über weite Strecken angespannt und aufgeheizt. Viele Anwesende äußerten das Gefühl, vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein. Kritisiert wurde insbesondere, dass ein Informationsabend erst nach weit fortgeschrittener Planung stattfinde und die Bürgerschaft nicht bereits zuvor in die Entscheidungsfindung einbezogen worden sei. Zentrale Sorge vieler Anwohner ist zudem das eigene Sicherheitsgefühl. In diesem Zusammenhang wurden Forderungen nach einem dauerhaften Sicherheitsdienst für den angrenzenden Park und die umliegenden Straßen laut. Pauschale Unterstellungen gegenüber den Geflüchteten wies die Moderation der Veranstaltung zwar entschieden zurück, dennoch blieb bei vielen Anwesenden eine tiefe Verunsicherung spürbar.
Immer wieder wurde auch die Standortwahl hinterfragt. Die Nähe zu einem der zentralen Schulzentren der Stadt und die bisherige Verteilung der Flüchtlinge innerhalb Ratingens verstärkten bei vielen das Gefühl einer überproportionalen Belastung des Viertels. Darüber hinaus stieß die Zusammensetzung der künftigen Bewohner auf grundlegende Skepsis. Die Unterbringung überwiegend alleinstehender Männer weckte bei einigen Anwohnern Ängste vor kulturellen Missverständnissen und Grenzüberschreitungen im Alltag. Gleichzeitig wurde jedoch strikt darauf hingewiesen, dass Kriminalstatistiken differenziert betrachtet werden müssten und keine pauschalen Rückschlüsse zuließen.
Über allem stand jedoch die Befürchtung, dass die Containeranlage nicht, wie angekündigt, eine kurzfristige Übergangslösung bleibt, sondern sich zu einer dauerhaften Einrichtung entwickelt. Viele Anwohner äußerten Zweifel, ob ein späterer Rückbau tatsächlich erfolgen werde, und sorgten sich vor einer schrittweisen Ausweitung der Anlage. Die Forderung nach tragfähigen Integrationskonzepten für bereits untergebrachte Geflüchtete wurde dabei immer wieder mit der Frage verknüpft, warum neue Unterkünfte geschaffen werden, bevor bestehende Probleme gelöst sind.
Trotz der konfliktgeladenen Stimmung zog Harald Filip aus dem Verlauf der Veranstaltung ein insgesamt positives Fazit: „Ich gehe davon aus, dass die wesentlichen Informationen vermittelt werden konnten. Gleichwohl muss man jedoch die Sorgen und Nöte aller Anwesenden ernst nehmen. Wir müssen nun unseren Worten Taten folgen lassen.“
Der Dialog mit den Anwohnern sei gerade erst begonnen worden und es werden weitere Informationen folgen.
