
Köln (dpa/lnw) – Nach der Bekanntgabe von Reformplänen des Bundesverkehrsministeriums zum Führerschein-Fahrunterricht verzichten in Nordrhein-Westfalen viele Menschen vorerst darauf, einen Führerschein zu machen. «Die Anmeldezahlen sind in den vergangenen Monaten gesunken, viele Interessanten üben sich in Zurückhaltung», sagte der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Nordrhein, Kurt Bartels, der dpa in Köln.
Der Rückgang sei vor allem in größeren Städten «beträchtlich». «Manche Fahrschulen haben ein Minus von 50 bis 70 Prozent, andere haben gar kein Minus.» Auf dem Land seien die Zahlen stabil, weil der Führerschein dort besonders wichtig sei. Bartels ist auch Vize-Chef der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, seine Äußerungen zu dem Thema beziehen sich auf ganz Nordrhein-Westfalen.
Einen Grund für die Entwicklung sieht Bartels in dem Vorhaben von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), der den Führerschein mit neuen Vorgaben billiger machen möchte. «Wir haben einen deutlichen Schnieder-Effekt», sagt Bartels mit Blick auf die rückläufigen Anmeldezahlen.
Geplant sind Vereinfachungen und digitale Lösungen für die theoretischen und praktischen Teile. So soll die Möglichkeit geschaffen werden, verstärkt Simulatoren zu nutzen. Außerdem soll es weniger verpflichtende Sonderfahrten – wie auf Autobahnen – geben. Ob und wann diese Reformpläne umgesetzt werden, ist zwar noch unklar. Dennoch wartet manch einer in Erwartung von möglicherweise sinkenden Preisen erst einmal ab.
Keine allzu guten Erfahrungen mit Online-Schulungen
Fahrlehrerverband-Vertreter Bartels hält das Vorhaben für wenig sinnvoll. «Wenn man beim Theorieunterricht auf Online-Schulung statt auf Präsenz setzt, ist der Lerneffekt schwächer – das dürfte dazu führen, dass mehr Menschen durch die Theorieprüfung fallen als bislang.» Bartels verweist dabei auf die Corona-Zeit, als Fahrlehrer notgedrungen auf Online-Schulungen setzen mussten.
«Die Durchfallquoten in der Theorieprüfung waren damals deutlich höher als vor und nach der Pandemie.» Bei den Online-Schulungen hätten die Schülerinnen und Schüler weniger Fragen gestellt und wären nicht so konzentriert gewesen wie im Präsenzunterricht, der Lerneffekt sei spürbar schwächer gewesen.
Würden die Preise überhaupt fallen?
Außerdem hat Bartels starke Zweifel, ob die Preise überhaupt sinken würden. «Wenn eine Fahrschule sich künftig einen Simulator kaufen muss, in dem ein Teil der Fahrausbildung erfolgen soll, dann muss sie dafür 30.000 bis 40.000 Euro ausgeben.» Um Geld zu sparen, könnten sich Fahrschulen nicht verkleinern und in ein kleineres Büro umziehen, sagt Bartels. «Den Raum, in dem wir bislang Präsenzunterricht für die Theorie gemacht haben, brauchen wir dann für den Simulator.»
Nach Angaben des Fahrlehrerverbandes kostet es im Schnitt zwischen 3.000 und 3.100 Euro, bis man die Fahrerlaubnis hat. «Die vom Bundesverkehrsministerium genannte Durchschnittszahl von 3.400 Euro können wir nicht nachvollziehen.»
Bartels betont, dass sich die meisten Eltern und Großeltern gar nicht über den Preis beschwerten. «Es geht um die Sicherheit ihres Kindes und Enkelkindes im Straßenverkehr – so etwas gibt es nicht zum Dumpingpreis, das ist ihnen bewusst.» Nun wecke der Bundesverkehrsminister Erwartungen, dass es künftig Billigangeboten bei gleich hoher Sicherheit geben könnte. «Das wird es aber nie geben – wir können unsere Kosten gar nicht wesentlich senken.»
Führerschein hat sich verteuert
Der Führerschein inklusive Fahrstunden und Unterricht sei inzwischen zwar etwa 500 Euro teurer als noch vor zehn Jahren. Das liege an gestiegenen Personalkosten und der jahrelang hohen Inflation. Relativ gesehen seien die Führerschein-Kosten sogar gesunken, sagt Bartels und bezieht sich dabei auf eine Branchenuntersuchung. «Im Jahr 2011 kostete die Führerschein-Ausbildung im Schnitt 138 Prozent des mittleren Monatsnettoeinkommens in Deutschland, bis 2024 ist dieser Wert auf 127 Prozent gesunken.»
Eine Fahrstunde kostet zwischen 60 und 75 Euro. Bartels hat einen einfachen Tipp, wie Fahrschüler nicht allzu viele Fahrstunden brauchen bis zum Führerschein. «Nehmen Sie Ihrem Teenager-Kind das Handy weg, wenn es mit Ihnen Auto fährt und auf dem Beifahrersitz sitzt.» Dann guckten die Jugendlichen mehr nach draußen auf die Straße und entwickelten ein Gespür für den Verkehr und für Verkehrsregeln, wodurch sie es später bei der Führerschein-Prüfung leichter hätten.
Außerdem sei es wichtig, die Fahrausbildung insgesamt möglichst schnell durchzuziehen und nicht zwischendurch mehrmonatige Pausen zu machen. Dies sei bei jungen Erwachsenen häufig nicht der Fall.
In Nordrhein-Westfalen gibt es dem Verband zufolge rund 2.500 Fahrschulen, die inklusive ihrer Zweigstellen 4.000 Standorte haben.
