
Wülfrath. In Wülfrath ist erst die Hälfte der geplanten Hausanschlüsse für das neue Glasfasernetz fertiggestellt. Zur Erinnerung: Ende 2024 sollte das Netz ursprünglich komplett verlegt sein. Trotz massiver Verzögerungen und Unmut in der Bevölkerung blicken die Verantwortlichen der Breitband GmbH und ihrer Partner nun optimistisch auf das Finale: Bis Ende Juli soll das Netz stehen und leuchten.
Der Ausbau des flächendeckenden Glasfasernetzes – ein Gemeinschaftsprojekt der Stadtwerke Wülfrath und des Unternehmens Greenfiber, die dafür die Breitband GmbH gegründet haben – sorgte zuletzt für erheblichen Frust. Mehrfach aufgerissene Straßen und Gehwege sowie die deutliche Zeitverzögerung strapazierten die Nerven der wartenden Kunden. Ursprünglich war die Fertigstellung bereits für Ende 2024 geplant.
Ein „Leuchtturmprojekt“ für NRW
Trotz der Kritik verteidigen die Verantwortlichen das Projekt. Stadtwerke-Geschäftsführer Heiko Schell betont, dass das Vorhaben besser dastehe als sein Ruf. Uwe Krabbe, Geschäftsführer der Greenfiber-Gruppe, sieht in dem Wülfrather Datennetz sogar ein “Leuchtturmprojekt für ganz NRW”. Mike Kleiner, Regionalmanager bei Greenfiber und Co-Geschäftsführer der Breitband GmbH, hebt die 100-prozentige Netzabdeckung für das Wülfrather Stadtgebiet als besonderes Alleinstellungsmerkmal des Ausbauprojekts hervor.
Gründe für die Verzögerungen
Dass Großprojekte dieser Größenordnung selten ohne Hindernisse verlaufen, darin sind sich die Akteure einig. Als Hauptgründe für den Verzug nennen sie unter anderem die akut starke Nachfrage nach Spezialgeräten, wie etwa jenen Bohrern, mit denen die Kabel verlegt werden, sowie die Koordinierung mit anderen Baumaßnahmen. Deren Fertigstellung müsse teilweise erst abgewartet werden, wie es derzeit etwa an der Wilhelmstraße der Fall ist.
Ein wesentlicher Faktor sei außerdem die gestiegene Nachfrage. „Nach Ausbaubeginn haben sich noch einmal 600 Eigentümer für einen Glasfaser-Hausanschluss entschieden“, erklärt Uwe Krabbe. Dies entspreche einer 30-prozentigen Steigerung zum ursprünglichen Plan und bedeute entsprechenden Mehraufwand. Auch die Finanzierung habe an die gestiegenen Zahlen angepasst werden müssen.
Der aktuelle Stand zum Ausbau des Glasfasernetzes
Merlin Krabbe vom beauftragten Ingenieurbüro LAN Consult liefert die aktuellen Fakten zum Projektstand. Rund 1.400 von insgesamt 2.800 Hausanschlüssen sind bereits fertiggestellt. 104 Kilometer Tiefbautrasse wurden verlegt. Damit fehlen noch sieben Kilometer am Gesamtausbau, vorwiegend in den Außenbezirken. Dort seien vergleichsweise wenige Kunden betroffen, so Krabbe
Wichtige Verbindungen schließen das Netz
Um die verbleibenden 1.400 Haushalte zeitnah anzuschließen, wurden die Tiefbaukolonnen für den Endausbau verdoppelt. In den kommenden vier Wochen stehen überdies elf entscheidende Bohrungen an, um Lücken im Netz zu schließen und so ganze Wohngebiete anzubinden. So soll allein die Querung der Wilhelmstraße mehrere hundert Anschlüsse auf einmal mit dem neuen Lichtwellennetz verbinden.
Technische Herausforderungen im Untergrund
Eine weitere Querung steht an der Mettmanner Straße an, wo sich eine weitere Schwierigkeit des gesamten Ausbaus exemplarisch zeigt, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Heiko Schell beschreibt. Viele Straßen seien voller Versorgungsleitungen, für die keine genauen Pläne existierten. Damit sei es vergleichsweise schwer, eine Bohrung exakt durchzutreiben. An manchen Stellen sei auch hartes Gestein ein Problem, was den unterirdischen Ausbau bremse.
Ausbau nicht teurer als geplant
Trotz der Verzögerung und etlicher Kostensteigerungen in der dreijährigen Bauphase werde der Ausbau nicht teurer als geplant, versichert Uwe Krabbe. Nicht zuletzt sei Wülfrath mit einer Ausbauquote von 60 Prozent sehr gut aufgestellt. Das mache das Projekt wirtschaftlich gut darstellbar.
Um für alle Eventualitäten beim finalen Lückenschluss gewappnet zu sein, wurden die Bohrteams für drei Wochen fest gebucht. Bei einer Regelleistung von zwei Bohrungen pro Tag sollte dem Ausbauende in Wülfrath also nichts mehr im Wege stehen.


