Ducken und Tarnen schützt vor Fressfeinden. (Bild: Rolfes/DJV)
Ducken und Tarnen schützt vor Fressfeinden. (Bild: Rolfes/DJV)

Ratingen | Es ist ein Appell, der jedes Frühjahr wiederkehrt, und doch ist er aktueller denn je: Wer jetzt in Wald, Feld und Flur unterwegs ist, sollte Rücksicht auf Wildtiere nehmen. Denn mit dem Frühling beginnt die sensible Brut, Setz und Aufzuchtzeit. Was für uns nach Sonne, Bewegung und Feierabendrunde klingt, ist für viele Tiere die Phase, in der ihr Nachwuchs Schutz, Deckung und vor allem Ruhe braucht. Der Deutsche Jagdverband weist darauf hin, dass sich Wald und Feld jetzt in eine große Kinderstube verwandeln. Viele Jungtiere setzen zunächst nicht auf Flucht, sondern auf Tarnung. Gerade deshalb wirken sie oft hilflos und verlassen, obwohl die Mutter in der Nähe ist.


Hinzu kommt in diesen Tagen ein weiterer Faktor: die Umstellung auf die Sommerzeit. Wildtiere kennen keine Uhr, sie folgen ihrem natürlichen Rhythmus. Der DJV warnt deshalb ausdrücklich, dass mit der Zeitumstellung das Risiko von Wildunfällen steigt, weil morgendlicher Berufsverkehr und Dämmerung wieder stärker zusammenfallen. Besonders unfallträchtig sind nach DJV-Auswertungen die Monate April und Mai sowie die Zeiten zwischen 6 und 8 Uhr und 21 und 23 Uhr. Grundlage dafür sind mehr als 36.500 ausgewertete Datensätze aus dem Tierfund-Kataster.

Doch es geht nicht nur um den Straßenverkehr. Mit den längeren Tagen wächst auch der Freizeitdruck auf die Natur. Frühe Jogger, späte Spaziergänger, freilaufende Hunde, Menschen abseits der Wege: All das drückt Wildtiere aus ihren Refugien, genau dann, wenn sie eigentlich Deckung und Sicherheit brauchen. Was auf uns harmlos wirkt, bedeutet für Rehkitz, Feldhase, Bodenbrüter oder Frischling oft Stress, Flucht und im schlimmsten Fall den Verlust des geschützten Rückzugsortes. Der DJV rät deshalb klar: auf den Wegen bleiben, Hunde an die Leine nehmen, Jungtiere keinesfalls anfassen oder mitnehmen.

Und genau hier beginnt der eigentliche Kern des Themas. Echten Tier, Natur und Artenschutz zeigt man nicht erst dann, wenn ein verletztes Haustier versichert in die nächste Spezialklinik gebracht wird. Er beginnt draußen, im richtigen Verhalten gegenüber der Natur. Es ist nicht mit gut gemeinten Rettungsaktionen getan, wenn gleichzeitig immer mehr Wildnachwuchs im Wald zurückbleibt und den Folgen menschlicher Unruhe ausgesetzt ist. Wer Tiere wirklich schützen will, muss ihnen vor allem eines lassen: ihren Raum. Ruhe ist jetzt keine Nebensache. Sie ist Überlebenshilfe.