
Ratingen. Wie bringt man junge Menschen dazu, sich einzumischen? Der Jugendrat Ratingen setzt auf direkte Ansprache, klare Forderungen – und den Mut, auch unbequeme Forderungen zu platzieren.
Wer mitreden will, muss gehört werden – genau daran arbeitet der Jugendrat Ratingen. Im Gespräch wird schnell klar: Die Themenpalette ist breit, die Motivation hoch. Und manchmal braucht es eben auch einen langen Atem. Eines der zentralen Anliegen ist der Ausbau von Angeboten im Bereich Mental Health. „Ein Thema, das in vielen Jugendräten bereits zur Sprache kam, aber in Ratingen aktiv angegangen wurde“, heißt es aus dem Sprecherteam. Konkret unterstützt der Jugendrat etwa die App „Between the Lines“, die Jugendlichen bei persönlichen Problemlagen niedrigschwellig Hilfe bietet.
Auch im Bereich der Freizeitangebote sieht der Jugendrat Handlungsbedarf. Zwar sei Ratingen im Vergleich zu den Nachbarstädten bereits breit aufgestellt, doch eine Instandsetzung vieler Angebote sei bitter nötig. Besonders öffentliche Sportanlagen sind laut dem Sprecherteam des Rates betroffen. Ähnlich sieht es bei den Jugendzentren aus: „Es gibt ein gutes Angebot, aber es ist nicht modern. Wir werden der Stadtverwaltung da auch noch auf die Füße treten“, heißt es aus den Reihen des Rates. Ebenso im Fokus ist die ausreichende Digitalisierung in Schulen. Während iPads und digitale Tafeln in manchen Einrichtungen bereits zum Alltag gehören, sieht der Jugendrat noch Luft nach oben: „Das sollte an allen Schulen der Standard sein“, lautet die klare Forderung
Ein besonderes Herzensanliegen des Jugendrates ist darüber hinaus die politische Bildung: Ziel sei es, Jugendlichen Politik näherzubringen – nicht abstrakt, sondern konkret und erlebbar. Das wichtigste Mittel? Laut Jugendrat eindeutig der Dialog. Der persönliche Austausch stehe im Mittelpunkt, etwa im eigenen Umfeld oder durch gezielte Ansprache in den Schulen. So könne man auch einfacher die Belange der Jugendlichen berücksichtigen. „Wir wissen was unsere Mitschüler bewegt“ – darin ist sich das Sprecherteam einig.
Doch nicht jede Initiative führt zum Erfolg. Ein Beispiel ist die Ergänzungsbeschlussempfehlung, die im Februar dieses Jahres eingereicht wurde. Das Ziel: Die unmissverständliche Sicherung der eigenen Rechte auf Ebene der Kommunalpolitik. Die Satzung orientierte sich dabei an den Formulierungen der Nachbarstädte. Der Antrag wurde abgelehnt. Woran das Vorhaben scheiterte, kann sich der Jugendrat noch immer nicht erklären. Doch der Blick in die Zukunft bleibt positiv. Denn mit dem Ablehnen des Antrages gingen enge Gespräche mit den Parteien und Bürgermeister Patrick Anders einher. Das Sprecherteam stellt klar: „Wir wollen angehört und nicht kleingemacht werden“
Aufbauend auf diesem Grundgedanken formulieren sie auch den direkten Appell an die Ratinger Jugend: „Standhaft bleiben! Hinter der eigenen Meinung stehen und den eigenen Wert kennen“ Und an die Politik: „Zuhören! Anstatt in Gesetzen und Regeln zu denken, sollten Ideen verwirklicht werden.“ Ein Appell der hängen bleibt. Denn am Ende geht es genau darum: Ideen nicht nur zu haben, sondern ihnen auch den nötigen Raum zu geben.
