
Velbert. Die Stadtwerke Velbert haben zum Jahreswechsel ihr Abrechnungssystem komplett auf ein neues IT-System umgestellt. Doch der Übergang verlief nicht so reibungslos wie erhofft: Tausende Kunden warten seit Monaten auf ihre Jahresabrechnung. Bei vielen Betroffenen herrscht Frust, da sie seit Januar im Ungewissen über mögliche Guthaben oder Nachzahlungen bleiben.
„Wir sind nicht naiv, wir wussten, dass wir einen steinigen Weg einschlagen“, erklärte Stadtwerke-Geschäftsführer Tobias Grau zur holprigen Einführungsphase für das neue Abrechnungssystem. Gut 12 Monate lang habe man sich auf den Wechsel vorbereitet, so Grau. Und mittlerweile sei man auf dem Weg auch ein gutes Stück weitergekommen, auch wenn noch nicht alle Steine beiseitegeräumt seien. Wie der Ist-Stand aussieht, machte er anhand von Zahlen deutlich.
Mit der Softwareumstellung zum Jahreswechsel sollten rund 15.000 Abrechnungen mit dem neuen System erstellt werden. Geplant war, dass nach zwei Monaten Umstellungsphase Ende Februar die ersten Briefe an die Kunden verschickt werden sollten. Das sei laut Grau zwar gelungen, doch leider führten technische Fehler dazu, dass die Abrechnungsstellung nicht so schnell wie ursprünglich geplant erfolgte. Stand Anfang Mai sind erst rund 70 Prozent der aufgelaufenen Abrechnungen verschickt worden.
Auf fast 5.000 Abrechnungen aus dem Vorjahr müssen Kundinnen und Kunden also weiterhin warten – ein Zustand, mit dem man bei den Stadtwerken “alles andere als zufrieden” ist. Das Problem sei derzeit im Wesentlichen Sache des neuen IT-Dienstleisters, der rku.it GmbH aus Herne, wie Grau betont. Nur dort könnten die Fehler behoben werden. Man führe intensive Gespräche und baue weiter Druck auf. Eine Mängelrüge sei bereits gestellt worden, so der Stadtwerke-Geschäftsführer.
Gasrechnung ist das “Sorgenkind”
Während es bei Strom und Wasser lediglich um Einzelfälle geht, wartet das Gros der Stadtwerkekundschaft derzeit auf die Gasrechnung. Hier gibt es noch technische Probleme, die der IT-Dienstleister lösen muss.
Am Beispiel der Gasrechnung macht Grau auch deutlich, dass das Verfahren viel komplexer ist, als es die wenigen Zahlen vermuten lassen, die der Kunde nachher auf Papier bekommt. Eine Gasrechnung hänge von rund 100 Einzelpositionen ab. Aktuell hake es beispielsweise am „Energiegehalt“ (Brennwertzahl), der täglich ermittelt und von der Abrechnungssoftware entsprechend berücksichtigt werden muss. Alle nachfolgenden Rechenschritte hingen davon ab. „Wenn ein Zahnrad nicht greift, dann stoppt das ganze System“, stellt Grau fest.
Wann genau die Probleme behoben sind, konnte der Stadtwerke-Chef noch nicht sagen. Um weitere Kunden zufriedenzustellen, plant man nun, die Abrechnungs-Bündelungen aufzuheben. So sollen Strom und Wasser sofort abgerechnet und die Gasabrechnung dann gesondert nachgereicht werden.
Neues Kundenportal seit Ende April am Start
Abseits der Probleme bei der Abrechnung zeichnen sich schon die Vorzüge des neuen IT-Systems ab: So konnte Ende April das neue Kundenportal erfolgreich starten. Nach Tests mit realen Nutzern aus dem Stadtwerke-Kundenbeirat verzeichnet das System bereits 2.000 Anmeldungen. Hier können Stadtwerke-Kunden unter anderem ihre Verträge einsehen und Zählerstände digital erfassen.

