Das Projekt Heljensbad ist auf der Zielgeraden: Bürgermeister Björn Kerkmann, Markus Keller von der Depenbrock-Geschäftsführung, Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Scheidtmann, André Pilling von POS4 und Beigeordneter Andreas Sauerwein vor den Plänen. Foto: Mathias Kehren

Heiligenhaus. Das Großprojekt “Ersatzneubau Heljensbad” kann nach jahrelanger Vorlaufzeit starten. In dieser Woche unterzeichneten die Stadtwerke Heiligenhaus und der Generalunternehmer Depenbrock die Verträge. Damit geht das Vorhaben, das die Stadtverwaltung bereits seit sieben Jahren in der Planungsphase beschäftigt, ab Herbst dieses Jahres in die Bauphase über. Bemerkenswert ist dabei die Rekordfördersumme von fast 31 Millionen Euro bei einem Gesamtprojektvolumen von 51 Millionen Euro.


Das Vorhaben geht auf einen Ratsbeschluss im November 2019 zurück. Damals kam im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts unter anderem die Zukunft des Heljensbades aus den frühen 1970er-Jahren auf den Tisch, erinnert sich der Technische Beigeordnete von Heiligenhaus, Andreas Sauerwein. Nach ersten Bedarfsanalysen für den Standort wurde ein Konzept entwickelt, bei dem das Schwimmbad als zentraler Anziehungspunkt dient und soziale Angebote bündelt.

Der erste Entwurf für ein solches multifunktionales Heljensbad sah einen Ort der Begegnung für Vereine, Schulen und den Sport vor – inklusive eines angeschlossenen Vereinshauses, unter dessen Dach Kegeln, Schießsport und eSports zusammenfinden. Für diesen Entwurf zeichneten die Architekten und Generalplaner “POS4” aus Düsseldorf schon damals verantwortlich. Auch bei der jetzigen Vertragsunterzeichnung sind sie wieder mit im Boot und setzen ihre Pläne nun unter der Führung der Firma Depenbrock um, die als Generalunternehmer den kompletten Bau realisiert.

„Jetzt muss das Bad nur noch gebaut werden“, freut sich der Heiligenhauser Bürgermeister Björn Kerkmann über den Schlussstrich unter die jahrelangen Planungen. Erst Ende letzten Jahres hatte das Projekt noch einmal für viel Diskussionsstoff gesorgt, als bekannt wurde, dass der Außenbereich des Freibades künftig wesentlich kleiner ausfallen soll als bisher.

Mit dem Ratsbeschluss vom 8. Oktober 2025 konnte das Projekt dann jedoch in die europaweite Ausschreibung gehen, die nun mit dem Vertragsabschluss erfolgreich beendet wurde.

Zeitplan bis zur Eröffnung

Das bestehende Heljensbad erlebt derzeit noch eine letzte Freibadsaison. Im Oktober beginnt dann der Abriss des bisherigen Hallenbads sowie des kombinierten Schwimmer- und Sprungbeckens im Außenbereich. Im April 2027 soll der eigentliche Bau starten, erläutert Markus Kellner von der Firma Depenbrock den Zeitplan.

An der Stelle des jetzigen Hallenbads entsteht ein neues Gebäude mit stark abgerundeten Ecken, das sich organisch in den landschaftlichen Kontext mit altem Baumbestand einfügen soll, wie André Pilling, Geschäftsführer von “POS4”, es ausdrückt. Neben dem Haupteingang wird der Komplex über den Sommereingang zum Freibad und über einen separaten Zugang für Vereine und Schulen erreichbar sein. Das Gebäude beheimatet das Hallenbad und dients zugleich als Schnittstelle für das Freibad und das Vereinshaus, das im Zuge der Komplettsanierung in die neue Gebäudestruktur integriert wird.

Der Hallenbereich bietet künftig ein Sportbecken mit fünf Bahnen, ein Sprungbecken mit Ein- und Drei-Meter-Turm sowie ein rund 100 Quadratmeter großes Lehrschwimmbecken mit verstellbarem Hubboden. Hinzu kommen ein 45 Quadratmeter großes Planschbecken und ein 25 Quadratmeter großes Solebecken.

Im Innenraum der Halle dominiert Holz als prägendes Material für Tragwerk und Decken, was für eine warme, atmosphärische Raumwirkung sorgen soll. Großzügige Verglasungen und aufschiebbare Fassadenelemente bieten zudem einen Ausblick auf das etwas tiefer gelegene Freibad. Die vorgegebene Topographie des Geländes nutzen die Planer unter anderem für eine Rutschenanlage, die von innen über zwei Stockwerke in vielen Windungen nach unten führt.

„Die Sauna haben wir nicht vergessen“, betont der Technische Beigeordnete Andreas Sauerwein. Sie sei allerdings definitiv nicht förderfähig und daher kein Bestandteil der ersten Planung. Dennoch werde sie in den Entwürfen bereits berücksichtigt, konkrete Pläne für die Umsetzung gebe es bisher aber nicht.

Blick auf den künftigen Eingangsbereich des Multifunktionsbads. Grafik: POS4 Architekten/Repro: Mathias Kehren

Fokus auf Ganzjahresbetrieb

Dass die komplette Anlage ganzjährig in Benutzung ist, bildet einen Kernpunkt des neuen Konzepts. Dafür fällt die Außenschwimmfläche bedeutend kleiner aus. Das dem Bad vorgelagerte Becken wird in ein Multifunktionsbecken umgewandelt, das zwei 50-Meter-Schwimmbahnen mit einer Nichtschwimmerzone verbindet. Ergänzt wird die Außenanlage durch eine Kinderspielzone und großzügige Liegewiesen. Komplett aufgegeben werden hingegen das frühere Sportbecken und die angeschlossene Sprunganlage im Freien.

Auch in puncto Wärmetechnik setzt das neue Bad Standards und strebt einen CO2-neutralen Betrieb an. Den wesentlichen Beitrag dazu leisten mehrere Luft-Wasser-Wärmepumpen, eine Photovoltaikanlage auf den teils begrünten Dächern mit einer Leistung von knapp 260 Kilowatt-Peak sowie eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe zur Energierückgewinnung aus dem Schwimmbadwasser.

Mit einem Gasverbrauch von bislang rund 3,5 Millionen Kilowattstunden war das Heljensbad der mit Abstand größte Energieabnehmer der Stadtwerke, weiß deren Geschäftsführer Michael Scheidtmann. Nun rechnet der Versorger mit einer Einsparung von rund 50 Prozent. Die Stadtwerke bleiben auch weiterhin Betreiber des Bades.

So soll das Freibad des Heljensbads nach dem Umbau aussehen. Grafik: POS4 Architekten/Repro: Mathias Kehren

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