Langenfeld/Kreis Mettmann. “Um Gottes Willen – Werkstatt! Ein Erfahrungsbericht” – unter dieser Überschrift möchte die Werkstatt zur Arbeitsförderung mit gängigen Vorurteilen gegen sich aufräumen. Dafür hat sie Geschichten von Mitarbeitenden zusammengetragen, die einen spannenden Blick hinter die WZA-Kulissen gewähren.
Die Werkstatt zur Arbeitsförderung (WZA) in Langenfeld ist eine Zweigwerkstatt der WFB, Werkstätten des Kreises Mettmann GmbH. Beschäftigt werden Menschen mit vorwiegend psychischen Beeinträchtigungen. Oft belächelt, ist es in Wahrheit so, dass Außenstehende von den Leistungen, dem Engagement und der Entwicklung begeistert sein würden.
Um die Leistung ihrer Mitarbeitenden einmal darzustellen, hat die Werkstatt Geschichten und Erfahrungen von ihnen zusammengetragen. Teilweise hatten auch diese anfangs Vorurteile, wissen nun aber, dass es sich durchaus lohnt, einfach mal etwas auszuprobieren. Ein gutes Beispiel für solch einen Weg ist die Geschichte von Sven-Dennis Sauer.
Sven-Dennis Sauer war 42 Jahre alt, als er das erste Mal die Halle der WZA betrat. Zuvor arbeitete er viele Jahre als Abteilungsleiter, Teamleiter und Lagerist. Er trug Verantwortung und delegierte aus einer Führungsposition heraus. Entsprechend gemischt waren seine Gefühle, als er ein einwöchiges Praktikum im Berufsbildungsbereich (BBB) absolvierte, wo er zunächst Muttern auf Gewindestangen schrauben sollte. Ein bekanntes Vorurteil.
„Für jemanden wie mich, mit meinen Skills und Fähigkeiten, fast schon eine gefühlte Beleidigung“, sagt Sauer.
Und doch blieb er. Er begann, die Dinge zu gestalten, statt sie nur hinzunehmen. Als er feststellte, dass Kollegen ohne klare Aufgabe einfach warteten, organisierte er eigenständig Ausweicharbeiten. Er delegierte, koordinierte – und man ließ ihn gewähren. Im Lager, wohin er schließlich wechselte, blühte er regelrecht auf. Gemeinsam mit Kollegen entwickelte er eine umfangreiche Excel-Datenbank in Visual Basic, organisierte ein Funksystem mit eigens verfassten Nutzungsregeln und machte sich als Gruppensprecher für bessere Arbeitsbedingungen stark – von der Heizungsregelung im Lager bis hin zu klaren Sicherheitszonen beim Staplerbetrieb.
Inzwischen ist Sven-Dennis Sauer Mitglied im Werkstattrat der WFB Werkstätten.
Sein aktuelles Ziel ist die Einführung anerkannter interner Qualifikationen wie „Vorarbeiter“ oder „Lagerchef“ – Titel, die Beschäftigte beim Weg zurück auf den allgemeinen Arbeitsmarkt konkret unterstützen sollen. Er weiß, dass Werkstatt keine Endstation ist, wenn man will. Sie kann als Sprungbrett auf den allgemeinen Arbeitsmarkt genutzt werden, was einige Kollegen schon erfolgreich gelungen ist.
Was wirklich hinter dem „falschen Bild“ steckt
Wer als Mitarbeitender einer Werkstatt für psychisch Beeinträchtigte in Gespräche mit der Außenwelt tritt, erfahre nicht selten Reaktionen wie herablassende Kommentare, falsche Gleichsetzung und Unverständnis, berichtet Christa Zeitter, Gruppensprecherin der WZA. Dabei bearbeitet die WZA täglich Aufträge in Palettenvolumen, mit hoher Qualitätsanforderung und komplexen Arbeitsschritten.
Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal der WZA ist die Vielfalt ihrer Belegschaft – und der Respekt vor eben dieser Vielfalt. Menschen mit Depressionen, Angststörungen, PTBS, ADHS oder Persönlichkeitsstörungen arbeiten hier Seite an Seite. Manche haben zudem körperliche Einschränkungen, andere kämpfen mit sozialer Isolation.
Diese Unterschiedlichkeit zu managen, erfordere laut Zeitter “Kreativität, Flexibilität und echtes Menschenverständnis”. Sie selbst hat innerhalb der WZA eine kleine Karriere erfahren: Gruppensprecherin, Nachrückerin im Werkstattrat, Mitglied im Gremium zur Werkstattkultur. Zusätzlich leitet sie die Singgruppe und gestaltet die Kreativwerkstatt mit.

Der Berufsbildungsbereich (BBB) der WZA
Derzeit besteht der BBB der WZA aus zwölf Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen, verschiedenen Altersgruppen und Nationalitäten. Alle verbindet ein gemeinsamer Weg: der in die Werkstatt.
Der erste Eindruck war sehr gemischt. Einige hatten die Sorge, eine Werkstatt sei eine Sackgasse ‒ ein Ort mit wenig Verdienst und ohne echte Perspektive. Andere wiederum kannten die Werkstatt bereits durch Freunde oder frühere Berührungspunkte. Für sie war es schon vorab eine gute Alternative zum allgemeinen Arbeitsmarkt, weil man hier Unterstützung und gezielte Förderung erhält.
Nach dem ersten Praktikum oder spätestens nach dem Beginn des Eingangsverfahrens änderte sich das Bild meist grundlegend. Was blieb, war ein Gefühl von Sicherheit und akzeptiert zu werden wie man ist. Individuelle Förderung vermittelt Wertschätzung und man erfuhr Unterstützung.
Im Laufe der Zeit wurden viele persönliche und berufliche Dinge erlernt. Dazu gehört zum Beispiel eine gesündere Ernährung durch eine arbeitsbegleitende Maßnahme (ABM), der Koch-ABM „Leckeres aus der Küche”.
Es wird gelehrt, den Alltag besser zu strukturieren, neue Tätigkeiten auszuprobieren und auch kleine Erfolgserlebnisse zu würdigen. Die Entwicklung verläuft nicht bei allen gleich schnell – und das wird hier akzeptiert. Wer einen Schritt mehr braucht, wird nicht zurückgelassen. Und wer mehr kann, wird gefördert.
Dieses Gleichgewicht aus Geduld und Förderung ist es, das viele Teilnehmende als das Wertvollste beschreiben. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die WZA kein Ort der Aufbewahrung ist, sondern eher einer der Entwicklung. Rückschläge zu akzeptieren und aufzuarbeiten, gehört ebenso dazu. Mitarbeitende lernen Struktur, werden individuell gefördert und bekommen ausreichend Raum für eigene Ideen und Eigenverantwortung.
Die WZA, sowie alle anderen Zweigwerkstätten der WFB, bieten ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen sich gehört und gesehen fühlen. Was hier geleistet wird, verdient Respekt und sollte kein Futter für den Erhalt veralteter und überholter Klischees sein.


