Südlich der Langenberger Straße liegt das "Große Feld". Archivfoto: Mathias Kehren

Velbert. In seiner letzten Sitzung vor den großen Ferien hat der Rat der Stadt Velbert für Industrieansiedlungen im Stadtgebiet eine richtungsweisende Entscheidung getroffen: Mehrheitlich (54 dafür /25 dagegen) stimmte der Rat für den Bebauungsplan 761. Dieser sieht südlich der Langenberger Straße und östlich der Bleibergstraße ein neues Gewerbegebiet mit einer Gesamtfläche von 27 Hektar vor.


Der erste Aufstellungsbeschluss und damit der offizielle Start des Bebauungsplanverfahrens datiert auf das Jahr 2017. Der lange Zeitraum und das Fachverfahren selbst, das mittlerweile fast 700 Seiten füllt, machen deutlich, wie kontrovers das Thema in Velbert bis zuletzt diskutiert wurde. Die Versiegelung des Naturraums, die aufgrund der Topographie und Bodenbeschaffenheit zu erwartenden hohen Erschließungskosten sowie letztlich die Notwendigkeit von Flächen für den gewerblichen Bedarf sorgten immer wieder für Diskussionsstoff.

Um die Velberter Bürgerschaft umfassend über den Bebauungsplan zu informieren, hatte die Stadt im Vorfeld der Ratssitzung zu einer Informationsveranstaltung in den Europasaal des Forums Velbert eingeladen. Etwa 100 bis 150 Personen folgten der Einladung, darunter viele Ratsmitglieder und Fachleute. Nachdem Fachplaner Björn Leißner einige kritische Kernpunkte des Bebauungsplans angerissen hatte, stand vor allem die Frage im Raum: Braucht Velbert denn überhaupt ein neues Industriegebiet?

Braucht Velbert ein neues Industriegebiet?

Hier fand Frank Schmidt von der Velberter Wirtschaftsförderung klare Worte: „Velbert hat keinen Quadratmeter Platz für produzierendes Gewerbe“, stellte er klar und erteilte Behauptungen über freie Gewerbeflächen im Stadtgebiet eine Absage. Alle relevanten Flächen seien „betriebsgebunden“ und stünden für eine Vermarktung nicht zur Verfügung. In der hohen Nachfrage sieht Schmidt eine Bestätigung für den Flächenbedarf: Rund 70 bis 80 Firmen hätten Interesse bekundet, rund 30 Betriebe kämen in die engere Auswahl.

Beigeordneter Christian Dräger bekräftigte diesen Standpunkt. Wenn man mit Unternehmern, etwa aus Monheim oder Düsseldorf, im Gespräch sei, höre man: „Velbert ist ja total irre! Super Gegend, direkt am Ruhrgebiet mit vielen Menschen, die hier arbeiten könnten.“ Doch er müsse bisher immer passen: „Wir haben aktuell keine Flächen im Angebot, die in unserem Besitz sind“, so der Dezernent für Wirtschaft und Standortentwicklung.

Was die Art der Unternehmensansiedlungen betrifft, geht es den Akteuren darum, Arbeitsplätze zu entwickeln. Und Betrieben den Vorzug zu geben, die zur Geschichte Velberts und zur Region passen. Geplant sind große Unternehmen in der Mitte des neuen Gewerbegebiets und kleine Betriebe am Rand, beispielsweise eine Schlosserei, die ihre lärmintensive Produktion aus der Innenstadt verlagern möchte.

Baudezernent Jörg Ostermann erläuterte den Bestand und den geplanten Ablauf der Maßnahme: Das Erschließungsgebiet ist 27 Hektar (270.000 Quadratmeter) groß und durch eine Wasserscheide geteilt. Geplant sind Entwässerungsgebiete im Westen und Osten des Areals mit Regenrückhaltebecken und Anschluss an die bestehenden Bachläufe dort. Die ersten Bauphase soll etwas mehr als die Hälfte des Gebiets, etwa 17 Hektar, im Bereich Langenberger und Bleibergstraße erschlossen werden. Später dann der zweite Teil. Die Grundstücke sind noch nicht zugeschnitten, was nach Bedarf erfolgen soll. Der Ansatz zielt laut Ostermann darauf ab, die Nachfrage im Blick zu behalten, um die Ressourcen für die Erschließung zu schonen und die Landschaft solange wie möglich unangetastet zu lassen.

Bebauungsplan “Große Feld”

Fachplaner Björn Leißner erläuterte viel diskutierte Stellen im Bebauungsplan, der inklusive aller Gutachten und Nachträge 677 Seiten umfasst. Er versuchte zu beruhigen: Das Industriegebiet werde nicht wie in den Siebzigerjahren gebaut. Fassadenbegrünung und Photovoltaik seien Bestandteil einer modernen Gestaltung. Zudem werde es eine Bauminsel in der Mitte geben und einen rund 20.000 Quadratmeter umfassenden Grüngürtel, der sich mit einer Tiefe von 20 bis 60 Metern über den gesamten Südrand des Industriegebiets erstreckt. Auch entlang der Langenberger Straße soll ein Grünstreifen mit Bäumen angelegt werden.

Das Thema Artenschutz habe bei der derzeit landwirtschaftlich genutzten Fläche keine Rolle gespielt, die Wasserproblematik sei mit den zwei Rückhaltebecken umfassend gelöst. Und auch das erst vor drei Jahren vor dem OVG verhandelte Thema Lärmentwicklung wurde in der weiteren Planung mit neuen Gutachten berücksichtigt. Generell sehe man von der Ansiedlung einer Spedition mit erhöhtem LKW-Aufkommen ab.

Grüne: Nicht gegen Wirtschaft, aber gegen diese Fläche

Die Fraktion der Grünen lehnte das geplante Gewerbegebiet bis zuletzt ab. Als Begründung führten sie die damit verbundene Versiegelung von Grünflächen sowie Zweifel an der wirtschaftlichen Rentabilität für die Stadt an. Dabei verwies Fraktionsmitglied Artur Busse insbesondere auf die hohen Erschließungskosten und die Konkurrenz durch attraktivere Gewerbestandorte in den Nachbarkommunen. Andres Kanschat von den Grünen stellte aber klar: „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Wirtschaft, wir sind nur gegen diese Fläche.“

Mit dem Satzungsbeschluss wird der Bebauungsplan, der die bauliche Nutzung auf den künftigen Grundstücken im Plangebiet unmittelbar regelt, gültig. Im nächsten Schritt steht nun die Erschließung des Gebiets durch die Technischen Betriebe und die Stadtwerke Velbert an.