Wülfrath. Aufatmen im Wülfrather Lager: Mit einem dramatischen 30:29 (13:13)-Auswärtserfolg bei der Bundesliga-Reserve der HSG Bensheim/Auerbach haben sich die Handballerinnen des TB Wülfrath in der 3. Liga Frauen eindrucksvoll zurückgemeldet. In einem wahren Herzschlagfinale behielten die Gäste die Nerven und entführten zwei extrem wichtige Punkte.
Für beide Teams ging es in diesem Duell der Tabellennachbarn um viel. Während Bensheim/Auerbach endlich den ersten Saisonsieg feiern wollte, suchte der TBW nach dem holprigen Heimauftritt in der Vorwoche den Weg zurück in die Erfolgsspur, um Abstand zur Abstiegszone zu gewinnen.
Dabei waren die personellen Voraussetzungen für die Wülfratherinnen alles andere als optimal: Neben der weiterhin verletzten Nele Wagener fiel kurzfristig auch Eva Lambertz mit einem gebrochenen Zeh aus. Nadine Hölterhoff war im Training umgeknickt und stand nicht zur Verfügung, zudem war Andrea Vojinovic verhindert. Die Folge war eine deutlich höhere Belastung für die verbliebenen Akteurinnen.
Die Hausherrinnen aus Hessen nutzten die anfängliche Findungsphase der Wülfrather Defensive direkt aus und zogen blitzschnell auf 4:1 (4.) davon. Cheftrainer Jan Artmann reagierte umgehend und forderte von der Bank lautstark mehr Körpersprache. Die Initialzündung lieferte Routinier Kirsten Buiting, die mit einer robusten, aber fairen Abwehraktion das erhoffte Zeichen setzte. Der Wülfrather Verbund stabilisierte sich zusehends, und in der 12. Minute war der TBW beim 5:4 wieder in Schlagdistanz. Leonie Fagin markierte in der 17. Minute schließlich das erste Unentschieden zum 7:7.
Dass es mit einem 13:13 in die Kabinen ging, lag vor allem an der eigenen Chancenverwertung. „Wenn wir unsere freien Chancen effektiver genutzt hätten, wäre schon früher mehr für uns möglich gewesen. So sind wir doch immer wieder einem Rückstand hinterher gerannt“, analysierte Co-Trainer Jörg Büngeler.
In der Halbzeitansprache fand Jan Artmann die richtigen Worte und impfte seinem Team das Bewusstsein ein, das Spiel aus eigener Kraft entscheiden zu können. Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten: Direkt nach Wiederanpfiff ging Wülfrath erstmals in Führung (13:14, 31.). In der folgenden Viertelstunde dominierten die Gäste das Geschehen und lagen stets mit zwei oder drei Toren in Front, verpassten es jedoch, sich entscheidend abzusetzen.
Als Bensheim auf eine offensive 5:1-Deckung umstellte, kam Sand ins Wülfrather Getriebe. Die HSG kämpfte sich heran und glich in der 48. Minute aus. Was folgte, war eine Schlussphase, die nichts für schwache Nerven war. Fünf Minuten vor dem Ende schwächten sich die Gäste durch eine Zeitstrafe gegen Torhüterin Melanie Schindowski selbst (25:25) – der denkbar ungünstigste Zeitpunkt für eine Unterzahl in der Crunch-Time. Bensheim witterte seine Chance, doch Leonie Lambertz und die überragende zehnfache Torschützin Leonie Fagin hielten für den TBW offensiv dagegen.
75 Sekunden vor dem Abpfiff wurde Fagin hart attackiert, was eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Bensheim und einen Siebenmeter nach sich zog. Jule Kürten trat an und verwandelte eiskalt zum 29:29.
In der letzten Spielminute nahm Bensheim beim Stand von 29:29 seine finale Auszeit, um die Uhr herunterzuspielen. Die Wülfrather Deckung stand jedoch wie ein Bollwerk und zwang die Hessinnen ins Zeitspiel. Als Bensheim beim finalen Freiwurfpass eine überraschende Variante über die Außenbahn versuchte, roch Nele Eckert den Braten: Gedankenschnell fing sie den Ball ab und sicherte dem TBW so 35 Sekunden vor der Sirene den enorm wichtigen Ballbesitz.
Das Trainerteam verzichtete bewusst auf eine Auszeit, um den Spielfluss nicht zu unterbrechen. Leonie Fagin ging fünf Sekunden vor Schluss mutig in die Tiefe und konnte nur noch regelwidrig gestoppt werden. Die Uhr war bereits abgelaufen, als Jule Kürten zum entscheidenden Siebenmeter antrat – und nervenstark zum umjubelten 30:29-Endstand einnetzte.
„Wir haben eine starke kämpferische Leistung gezeigt und bis zum Schluss die Nerven bewart“, zeigte sich Büngeler begeistert von der Moral seiner Truppe. „Somit haben wir mit 4:6 Punkten erstmal ein wenig Abstand zur Abstiegszone und freuen uns auf die große Herausforderung 1. FC Köln am nächsten Wochenende.“
Besagtes Spiel wird am Samstag, 17. Oktober, um 20 Uhr in der Wülfrather MTC-Arena angepfiffen. Die Domstädterinnen reisen als Tabellenzweite, ohne Niederlage und mit dem besten Torverhältnis der Liga in die Kalkstadt.


