Kreis Mettmann/Niederberg. Der Haushalt des Kreises Mettmann wird in den zehn kreisangehörigen Städten alljährlich mit Spannung erwartet. Landrätin Bettina Warnecke und Kreiskämmerer Christian Schölzel erklärten in der Sitzung des Kreistages am 15. Oktober, warum die Kreisumlage um rd. 14,6 % steigen muss (2026: 458 Mio. €, 2027: knapp 525 Mio. €).
Der Hauptgrund dafür liegt im immens steigenden Umlagebedarf des Landschaftsverbandes (2026: 219,7 Mio. €, 2017: 260,3 Mio. €) und anderen steigenden Sozialtransferaufwendungen (+ 5,1 Mio. €) sowie der wegen Besoldungs- und Tariferhöhung notwendigen Erhöhung des Personaletats (+ 6,7 Mio. € trotz der 2026 und 2027 eingefrorenen Planstellen).
5,8 Mio. € höhere Kreisumlage 2027 für Velbert, 2 Mio. Mehrbelastung für Heiligenhaus
Die Mehrbelastung 2027 von rd. 5,8 Mio. Euro trifft die Velbert hart, denn die für 2027 maßgebende Finanzkraft der Stadt ist gegenüber dem Vorjahr gleichgeblieben. Das bedeutet im Klartext, dass die Stadt Velbert den Rotstift ansetzen und die Ausgaben senken müsste oder die Einnahmen erhöhen oder möglichst ausgewogen beides gleichzeitig. Falls jedoch kurzfristig bis 2027 die laufenden Aufwandspositionen nicht reduziert und die Abgaben für Unternehmen und die Bürgerschaft nicht erhöht werden sollen, würde der ohnehin schon recht hohe Schuldenstand noch weiter steigen. Auf Bürgermeister Dirk Lukrafka und den Stadtrat warten also wahrlich keine einfachen Aufgaben und Herausforderungen.
Gleiches gilt auch für Bürgermeister Kerkmann und den Stadtrat in Heiligenhaus. Dort steht man sowieso finanziell wieder mal mit dem Rücken zur Wand. Die Abgabenluft wird für Unternehmen und für die Bürgerschaft in Heiligenhaus also noch dünner.
In Wülfrath kann trotz gleichbleibender Kreisumlage 2027 leider auch nicht unbeschwert durchgeatmet werden, denn die Finanzkraft der Stadt leidet weiter unter Schwindsucht. Die Kreisumlage 2027 steigt nur deshalb nicht, weil die für 2027 maßgebende Finanzkraft um 4,2 Mio. € geringer geworden ist. Bekanntlich kann und muss weniger Umlage abführen, wer zuvor weniger Einnahmen erzielt hat. Damit ist das Hauptproblem von Wülfrath beim Namen genannt: zu geringe Einnahmen.
Weitere Mehrbelastungen ab 2028 zu erwarten
Die anderen kreisangehörigen Städte tun gut daran, die in Monheim trotz immenser Gewerbesteuereinnahmen zu knapp gewordenen Erträge sehr ernst zu nehmen. Düsseldorf erlebt zurzeit Ähnliches. Wenn die enorme Steuerkraft abkühlen sollte, ganz zu schweigen davon, falls auf eine leichte Erkältung ein grippaler Infekt folgen würde, könnte kein noch so guter Stadtkämmerer die Finanzen im Griff behalten.
Unabhängig von der Entwicklung der Steuereinnahmen müssen zusätzliche Mehrbelastungen ab 2028 realistisch in den Blick genommen werden. Die Kostenspiralen von Besoldungs- und Tariferhöhungen und die schier unbeherrschbar aus dem Ruder laufenden Aufwendungen für Sozialtransfers kennen nur eine Richtung – aufwärtssteigend.

