
Velbert. Nach unserer Berichterstattung über den neuen Wanderweg durch das Eignerbachtal hat sich Karl-Heinz Schneider in einem Leserbrief an unsere Redaktion gewandt. Er kritisiert, dass immer vom Eignerbach die Rede ist. Das sei falsch, so der gebürtige Velberter.
„Sie sprechen hier von einem Eignerbach. Diesen Bach gibt es überhaupt nicht!“, so Schneider zum Artikel „Neuer Wanderweg zwischen Wülfrath und Velbert bietet neue Möglichkeiten“. Es handele sich vielmehr um den Angerbach beziehungsweise das Angerbachtal. Und der Leserbriefschreiber geht noch einen Schritt weiter: Der Begriff Eignerbach sei nur verwendet worden, weil die Kalksteinwerke sonst keine Genehmigung für die „Zerstörung des Angerbachtals“ erhalten hätten. Schneider erinnert daran, dass seine Großeltern einst ein Haus am Weg Feldsbändchen am Heiderbach hatten. In den fünfziger Jahren mussten sie dieses verlassen und wurden „nach Velbert zur Dalbeck umgesiedelt“, schreibt er weiter. „Ich selber war als Baby, ein Jahr alt, dabei!“, schließt er.
Dass das Gebiet rund um den „Schlammteich“, der durch den Kalkabbau als Sedimentationsbecken entstand, nicht „Eigner-“, sondern vielmehr Angerbach heißen müsste, war vor etwa zehn Jahren schon einmal Thema in Velbert. Damals arbeiteten drei Autoren in dem Buch „Das obere Angertal“ die geschichtlichen Zusammenhänge auf. Neben Verleger Jürgen Scheidsteger waren das Friedhelm Kopshoff und August Wilhelm Rees. Die drei waren überzeugt, dass das Gewässer „Anger“ Namenspate für das Gebiet ist.
Stein des Anstoßes war damals der erste „Eignerbachlauf“, den der ASV Tönisheide zusammen mit den Kalkwerken als Sponsor veranstaltete. Statt Eigner- müsste es eigentlich Angerbachlauf heißen, so das Autorentrio, welches sich sogar an den damaligen Landrat Hendele wandte mit der Bitte, eine Namensänderung zu prüfen. Doch die Kreisverwaltung entschied sich gegen eine Umbenennung – wegen der damit verbundenen Kosten. Es soll sogar ein zweites Anschreiben gegeben haben, das die Kreisverwaltung mit der langjährigen Tradition des Tals unter dem Namen Eignerbach beantwortet haben soll. Ein Affront für die Lokalgeschichtsforscher, denn: Was sind schon 50 gegenüber 1.100 Jahren?
In ihrem Buch „Das obere Angertal“ dokumentieren sie ausführlich mit Plänen, Verträgen und Zeitzeugnissen, dass der Name des Wasserlaufs, der durch das Gebiet fließt, „Anger“ lautet – und das seit mehr als 1.100 Jahren. Die zwei Quellen des Gewässers im Velberter Süden verorten sie „In den Fliethen“ und am „Bastersteich“. Am Ende ist trotz „neuer“ Forschung alles geblieben, wie es war. Die Reihe über das Angertal umfasst insgesamt drei Bücher und ist im Velberter Scala-Verlag erschienen.

