Anne Marx, Imke Karmann, Boris Radulovic, Antje Häusler, Sandra Ernst und Matthias Schlothfeldt bei der Übergabe der Plakette "Bildungspartner NRW" im Bühnenraum der Schlossfabrik. Foto: Mathias Kehren

Velbert. Es ist kein Geheimnis: Musische und künstlerische Fächer führen in der hiesigen Bildungslandschaft oft ein Schattendasein. In Velbert geht man deshalb neue Wege. Durch gezielte Kooperationen mit außerschulischen Lernorten eröffnen sich für Kinder und Jugendliche frische Zugänge zu Musik, Kunst und Theater. Dieses Engagement trug nun Früchte: Gleich zwei Kooperationspartner der Gesamtschule Velbert-Mitte wurden offiziell mit der Plakette „Bildungspartner NRW“ ausgezeichnet.


Die Verleihung fand in den Räumen der Schlossfabrik an der Nordstraße statt – einer von zwei ausgezeichneten Kulturstätten. Dort ermöglichen Prof. Matthias Schlothfeldt (Musiktheorie) und Prof. Claudius Lazzeroni (Kommunikationsdesign), beide Lehrende an der Folkwang Universität der Künste, ganz neue Zugänge zu Kreativität und Klanggestaltung.

An Projekttagen treffen sich in der Schlossfabrik bis zu acht Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Velbert-Mitte. „Der Tag beginnt mit einem Atem- und Singtraining“, erläutert Prof. Schlothfeldt. Danach geht es direkt in die große Halle nebenan, wo sich die Jugendlichen von der besonderen Akustik inspirieren lassen, um ihre Eindrücke später zeichnerisch festzuhalten. Am Nachmittag werden diese visuellen Ergebnisse erneut in Töne übersetzt. Begleitet von den Experten entstehen so überraschende Werke und die Schüler verlassen die Tages-Workshops regelmäßig mit einem völlig neuen Blick auf die Themen Gestaltung, Gesang und Instrumentierung.

Ausgestattet ist die Schlossfabrik mit historischen Instrumenten, die mit moderner Technik kombiniert werden. Ob Clavichord oder Drehorgel: Mithilfe von Tonabnehmern werden Klänge abgegriffen und digital neu abgemischt. Die Grundidee lautet, Traditionelles mit innovativen Verfahren zu verbinden und etwas Neues zu schaffen.

„Hier gibt es wirklich Möglichkeiten, die weit über das hinausgehen, was wir an der Gesamtschule machen können“, zeigt sich die Leiterin der Gesamtschule Velbert-Mitte, Antje Häusler, überzeugt. Auch ihre Kollegin Imke Karmann, Koordinatorin für kulturelle Bildung, ist begeistert vom Konzept. Sie stellte einst den Kontakt zu Prof. Schlothfeldt her und schätzt vor allem den niederschwelligen Zugang vor Ort. Die Multimedia-Bühne ist direkt in den Raum zwischen Sofa-Ecke und Küche integriert. „Wir möchten Räume und eine Ebene schaffen, auf der alle künstlerisch aktiv werden können“, betont Karmann.

Die zweite Auszeichnung ging an die Kooperation mit der Musik- und Kunstschule Velbert an der Kaiserstraße. Derzeit nutzen rund 20 Kinder der Gesamtschule das Angebot, dort regelmäßig ein Streichinstrument zu erlernen und gemeinsam zu musizieren. „Kulturelle Teilhabe gelingt besonders dann, wenn wir mit unseren Angeboten dorthin gehen, wo Kinder und Jugendliche ihren Alltag verbringen. Mit dem Streichorchester schaffen wir einen niederschwelligen Zugang zum Instrumentalunterricht und zum gemeinsamen Musizieren“, betont Boris Radulovic, Leiter der Einrichtung.

Auch die Velberter Kulturdezernentin Sandra Ernst unterstreicht den Stellenwert der Auszeichnung: „Wenn Kultureinrichtungen zusammenarbeiten, entstehen neue Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche sowie für die gesamte Stadt. Die Bildungspartnerschaften zeigen sehr konkret, was durch eine gute Vernetzung möglich wird.“

Anne Marx, die die Plaketten im Namen von „Bildungspartner NRW“ überreichte, hob hervor, dass Schüler an außerschulischen Lernorten eine ganz andere Ansprache erfahren – ein wichtiger Impuls, der nachhaltiges Interesse an Kultur entfachen könne.