Wie der Petrus nach Wülfrath kam, erzählte Rainer Gebauer. Foto: Sigrid Zönnchen

Wülfrath. “Lieblingsstücke” des Niederbergischen Museums in Wülfrath sind für einen Abend ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt worden. Dabei wurden Schätze entdeckt und Geheimnisse gelüftet.


Es war im November vor 51 Jahren. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion stand die Petrus-Figur auf einmal in seiner Wohnung. Woher sie kam? „Vom Niederrhein“, erzählt Rainer Gebauer. Mehr lässt sich auch heute nicht mehr klären. Willi Münch wurde herbeigerufen, der Museumsleiter bestätigte die Echtheit. „Ich brauche Geld“, sagte der Verkäufer und verlangte 3.500 Mark.

Rainer Gebauer hat als Architekt so viel in Wülfrath gearbeitet, dass er fast als Wülfrather gilt, obwohl er aus Mettmann stammt. Beim Trägerverein berichtete er nun darüber, wie der Petrus ins Niederbergische Museum kam.

Das geforderte Geld hatte Gebauer damals nicht. So kam ein befreundeter Geschäftsmann aus Neviges ins Spiel. Der hatte zwar das Geld, aber auch eine Frau, die die Neuerwerbung nun wirklich nicht haben wollte.

„Er oder ich“, soll die Frau ihren Gatten vor die Wahl gestellt haben, erzählte Gebauer. Der Nevigeser entschied sich für die Ehefrau und gegen die gotische Figur aus dem 15. Jahrhundert.

Letztlich kam es zu einem Tauschgeschäft: Museumsleiter Willi Münch nahm den Petrus und gab dem Geschäftsmann aus Neviges eine Bergische Truhe aus den Beständen des Museums, die damals wohl noch nicht so sorgsam inventarisiert waren wie heute.

Die Beteiligten leben längst nicht mehr, sodass Gebauer die heikle Geschichte im Kreis der Museumsfreunde zum Besten geben konnte. Der Trägerverein, selbst inzwischen 20 Jahre alt, hatte zu einem Abend eingeladen, an dem Lieblingsstücke vorgestellt wurden. Wer konnte ahnen, dass dabei solche Geheimnisse gelüftet werden würden?

So wie in der Geschichte, die Richard Schmuck, das neueste Mitglied im Vorstand des Trägervereins, erzählte. Sein Sohn, damals elf Jahre alt und Fossilien-Liebhaber, entdeckte bei einem Museumsbesuch einen Stein, der nicht zu den Fossilien gehörte, bei denen er lag. Diesen Stein hat Julius Imig wohl „im Tornister“ von Verdun nach Wülfrath geschleppt. Diese Geschichte belegt auch, wie Richard Schmuck es nannte, dass schon der einstige Museumsgründer zu den „positiv Verrückten“ zählte, wie auch die, die heute das Museum erhalten.

Männer und Frauen der ersten Stunde des Trägervereins erzählten Geschichten über eine Salzkirche, natürlich über die Dröppelmina und über den Kamin, ohne den das Museum nicht das wäre, was es heute ist. Nachthäubchen wurden aufgesetzt, ein Pinkelpott und eine Wärmflasche aus Metall zählten zu den Objekten, die für einige Minuten ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt wurden – hervorgehoben aus den etwa 2.200 Exponaten, die die Sammlung des Hauses umfasst.

Auch Kinder aus der Nachbarschaft und aus dem Kinder- und Jugendhaus traten auf die kleine Bühne, um ihre Lieblingsstücke vorzustellen.

Zwei Jahrzehnte ist es inzwischen her, dass Männer und Frauen beschlossen haben, das Museum an der Bergstraße zu retten, das die Stadt Wülfrath bereits geschlossen hatte. Heute umfasst das Team rund 250 Menschen. Sie hüten die Schätze des Museums, die so viel über das Leben der Menschen in Niederberg und dem Bergischen Land in früheren Zeiten erzählen.

Vorsitzender Eberhard Tiso und sein Team arbeiten weiter engagiert daran, diese verborgenen Schätze bekannt zu machen in der Hoffnung, dass noch mehr Menschen in der Stadt und der Region bewusst wird, welchen Schatz es in Wülfrath mit dem Niederbergischen Museum zu entdecken gibt.