Düsseldorf/Jülich/Ahaus (dpa) – Die umstrittenen Atommüll-Transporte von Jülich nach Ahaus über Autobahnen quer durch NRW werden voraussichtlich ein Jahr länger dauern als ursprünglich geplant. Nach aktueller Einschätzung könnten die 152 Castor-Behälter bei der bisher erreichten Taktung bis August 2028 ans Ziel verlagert werden, sagte Staatssekretärin Silke Krebs aus dem NRW-Wirtschaftsministerium im Wirtschaftsausschuss des Landtages.
Sie verwies auf einen entsprechenden Antrag des Transportunternehmens Orano von Ende Juni beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung. Eine Entscheidung darüber steht noch aus.
Die Genehmigung für den Transport wurde bisher für zwei Jahre bis Ende August 2027 erteilt. In den 152 Castoren sind rund 300.000 Brennelement-Kugeln aus dem früheren Versuchsreaktor im rheinischen Jülich.
Noch keine Entscheidung
Das Bundesamt selbst hat keinen Zeitpunkt genannt, wann es über den Antrag entscheiden wird. «Wir können Ihnen derzeit keinen neuen Stand mitteilen», hatte ein Sprecher des Amtes vor wenigen Tagen auf eine Anfrage der dpa erklärt. Sollte der Verlängerungsantrag genehmigt werden, werde die gesetzlich festgesetzte maximale Gültigkeitsdauer von drei Jahren voll ausgeschöpft.
Seit Genehmigung der Transporte im August 2025 wurden lediglich 21 Castoren von Jülich nach Ahaus gebracht. Vor dem eigentlichen Start der Transporte hatten mehrere Gerichtsentscheidungen im Fokus gestanden, die Umweltorganisation BUND wollte die Transporte juristisch verhindern. Die Serie der Atommüll-Transporte hatte dann letztlich erst Ende März begonnen.
Größter Straßentransport seit langem
Bei dem Transport von 152 Castor-Behältern durch Nordrhein-Westfalen handelt es sich in der Summe um einen der größten Atommüll-Transporte auf der Straße seit Jahrzehnten. Die einzelnen Castoren werden jeweils auf einen Schwerlasttransporter geladen. Über Autobahnabschnitte fährt dann das Spezialfahrzeug in einem Fahrzeug-Konvoi auf der etwa 170 Kilometer langen Strecke. Die NRW-Polizei sichert die Transporte mit zahlreichen Beamten ab.
Warum nicht mehrere Castor-Behälter auf Spezialfahrzeugen verladen und in einem Konvoi gleichzeitig transportiert werden, um das Tempo zu erhöhen, war am Mittwoch nicht Thema im Ausschuss. Die konkrete Ausgestaltung von Castor-Transporten unterliege der Geheimhaltung, hatte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums im Sommer auf eine Anfrage der dpa geantwortet.
Gegner der Transporte befürchten, dass bei dem bisherigen Tempo auch drei Jahre für die Verlagerung nicht ausreichen. Anti-Atomkraft-Initiativen fordern ein neues Zwischenlager in Jülich statt der zahlreichen Transporte durch das dicht besiedelte Bundesland. Parallel zu den Transporten demonstrierten an mehreren Orten Menschen. Die Transporte verliefen ohne Zwischenfälle.

