
Düsseldorf (dpa/lnw) – Wie werden Minister und Ministerinnen eigentlich befähigt, qualifiziert Personal- und Führungsverantwortung wahrzunehmen? Das wollte der FDP-Abgeordnete Marcel Hafke von der nordrhein-westfälischen Landesregierung wissen.
Anlass seiner Anfrage ist die Machtmissbrauchsaffäre um NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU). Der 49-jährigen Betriebswirtin werden «gesundheitsschädigende Umgangsformen» und «desaströses Führungsverhalten» vorgeworfen.
Vor dem Hintergrund der überwiegend anonym erhobenen Anschuldigungen müsse geklärt werden, «ob die Landesregierung ausreichend Vorsorge trifft, um Führungsversagen vorzubeugen», stellte Hafke fest. «Gerade Ministerinnen, Minister und Staatssekretärinnen und Staatssekretäre tragen eine herausgehobene Verantwortung für das Arbeitsklima, die Organisationseffizienz und die Gesundheit der Beschäftigten in ihren Häusern.» Immerhin gebe es ja auch für Beamte in der Landesverwaltung strukturierte Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen.
Zufall oder Zielanalyse: Wie werden Minister zu guten Chefs?
Die für die FDP ernüchternde Antwort von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU): «Verpflichtende Schulungen und Seminare zur Personalführung für Ministerinnen und Minister sowie Staatssekretärinnen und Staatssekretäre der Landesregierung sind nicht vorgesehen.» Reul sieht sich selbst ebenfalls anonym erhobenen Vorwürfen aus dem eigenen Haus ausgesetzt: Im Kern wird ihm vorgehalten, sich bisweilen eigensinnig über Expertise von Fachleuten hinwegzusetzen.
«Die täglich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesregierung gestellten Anforderungen sind angesichts der Vielzahl an Herausforderungen unserer Zeit sehr hoch», stellte Reul fest. «Gerade auch in Anbetracht dessen ist die ebenso verantwortungs- wie vertrauensvolle Führung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Mitgliedern der Landesregierung ein wichtiges Anliegen.» Dafür stehe «eine Vielzahl von Angeboten und Instrumenten zur Verfügung» – etwa Mitarbeitergespräche und -befragungen.
