Ratingen | Entwarnung für den Straßenkarneval: Nach der Nervosität der vergangenen Session, als in Ratingen kurzfristig zwei Karnevalswagen stillgelegt und ersetzt werden mussten – darunter die markante Lokomotive des RaKiKa e.V. – gehen die Vereine diesmal gut vorbereitet in die „tollen Tage“. Das wurde am heutigen 9. Februar 2026 bei der Wageneinweihung der 1. KG Grün‑Weiß „Ratinger Spiesratze“ 1928 e.V. in der Wagenbauhalle mehr als deutlich.
Die Einweihung war ohnehin ein Termin mit viel Herzblut: Neben Vereinsmitgliedern und Helfenden standen vor allem die Tollitäten im Mittelpunkt. Das „große“ Prinzenpaar der Stadt Ratingen – Prinz Jörg Borowski I. und Ratingia Claudia Brebeck III. – schaute mit Gefolge vorbei, ebenso das Kinderprinzenpaar Johannes I. und Emma I.. Beide Paare nutzten den Besuch, um die Halle in Sessionsstimmung zu versetzen – inklusive der erneuten Präsentation ihrer Sessionslieder, die im Chor mitgesungen und mit viel Applaus gefeiert wurden.

Ein besonderer Moment folgte als Dank für die Wertschätzung durch das Prinzenpaar: Die junge Garde der Spiesratze zeigte eine schwungvolle Tanzeinlage – präzise, energiegeladen und mit genau dem Selbstbewusstsein, das man derzeit in vielen Nachwuchsgruppen spürt. Es war der passende Übergang von der festlichen Einweihung hin zum Kern des Abends: der Technik.
Denn zwischen Kamelle, Orden und Musik war ein Thema überall präsent: TÜV-Abnahme und Zulassung der Wagen. Vorstand und Präsident beschrieben offen, wie anspruchsvoll das Prozedere inzwischen geworden ist. Der Tenor: Die Regeln sind nicht „Schikane“, sondern sollen Sicherheit schaffen – aber sie verlangen von den Ehrenamtlichen inzwischen eine Professionalität, die Zeit, Geld und Nerven kostet.
Was gehört dazu? Für viele Wagen reicht „früher ging das doch auch“ nicht mehr. Gefordert werden – je nach Aufbau und Gespann – belastbare Unterlagen zur Betriebserlaubnis, technische Prüfungen und Nachweise zur Verkehrssicherheit. Auf der technischen Seite geht es typischerweise um:
-sichere Zugeinrichtung (Kupplung/Zugöse) und passende Bremsanlage,
-funktionierende Beleuchtung und Reflektoren für An- und Abfahrt,
-stabile, fest verschraubte Aufbauten ohne wackelige Provisorien,
-rutschfeste Standflächen, sichere Auf- und Abstiege,
-ausreichend hohe Geländer/Brüstungen als Durchsturzschutz,
sowie die Einhaltung von Maßen und Gewichten, damit nichts kippt oder schleift.
Dass die Mühe sich gelohnt hat, zeigte die Spiesratze anschließend mit sichtlichem Stolz: Die Verantwortlichen präsentierten die Zulassungspapiere – und machten daraus einen echten Vereinsmoment. Als Anerkennung erhielten alle, die am Umbau, an der technischen Ertüchtigung und an den Abnahmen mitgewirkt hatten, einen goldfarbenen Hammer.

Ähnlich klang es bereits in den Gesprächen der Redaktion mit anderen Wagenbauern: Guido Voigtmann (Blau Rot) und Markus Braun (Funken Rot Wiss) schilderten ebenfalls die besonderen Herausforderungen dieser Session – bestätigten aber am Ende dasselbe Ergebnis: Prüfung bestanden, Wagen zugelassen, startklar für die Ratinger Umzüge.
Unterm Strich waren sich alle einig: Wenn eine Session mit so viel Teamarbeit und technischem „Feinschliff“ beginnt, ist das ein gutes Omen. Die Redaktion teilt die Freude der Vereine – und wünscht stimmungsvolle, sichere Umzüge und vor allem: gutes Wetter.

