Landrätin Bettina Warnecke und Kreiskämmerer Christian Schölzel. Foto: Kreis ME
Landrätin Bettina Warnecke und Kreiskämmerer Christian Schölzel. Foto: Kreis ME

Ratingen. Die Stadt wird in den nächsten Jahren aus der Substanz leben müssen, die in den letzten Jahren aufgebaut wurde. Ursache: Die Finanzkraft der Stadt Monheim ist um fast 180 Millionen Euro eingebrochen. Demgegenüber hatte die Finanzkraft der Stadt Ratingen im letzten Jahr mit über 291 Millionen Euro ein neues Allzeithoch erreicht.


Damit liegt Ratingen erstmals seit weit über einem Jahrzehnt wieder deutlich über der Finanzkraft von Monheim. Folge: Ratingen muss ab 2026 den mit Abstand höchsten Anteil der Kreisumlage tragen, nämlich 21,75% (zuvor: 17,24%), Monheim trägt noch 18,62% (zuvor: 30,06%). Nach dem noch von Thomas Hendele eingebrachten Haushaltsentwurf für den Kreis Mettmann sollte Ratingen 2026 sage und schreibe 101,3 Millionen Euro in die Kreiskasse zahlen, über 21 Millionen Euro mehr als im letzten Jahr. Diese enorme Mehrzahlung an den Kreis Mettmann ist für Ratingens Stadtkämmerer Martin Gentzsch und Bürgermeister Patrick Anders schlechterdings nicht aufzufangen.

Landrätin Bettina Warnecke hält Wort

Die von Monheim erwarteten Mindereinnahmen in der Kreiskasse (- 52,7 Mio. €) müssen von allen anderen Städten im Kreis Mettmann mehr aufgebracht werden. In neun von zehn Städten im Kreisgebiet herrscht also finanzielle Alarmstimmung. Ratingen ist absolut am stärksten betroffen, ausgerechnet die finanzschwache Nachbarstadt Wülfrath mit der relativ größten Mehrbelastung in der Kreisgemeinschaft. Das kann die neu gewählte Landrätin Dr. Bettina Warnecke, die bis Oktober noch Bürgermeisterin in Haan war, offenbar gut nachempfinden und will Entlastung schaffen. Wie verlautbart, soll der Kreis Mettmann nach ihrem Vorschlag insgesamt über 20 Mio. € weniger von den zehn Städten einfordern. Das würde Ratingen umgerechnet um gut 1,5 Mio. € entlasten. Dennoch werden Stadtkämmerer Martin Gentzsch und Bürgermeister Patrick Anders in den nächsten Jahren massiv gefordert sein, um strukturell einen nachhaltig ausgeglichenen Haushalt für die Stadt Ratingen zu erreichen.

Bürgermeister Anders will trotz Finanzschieflage Zeichen setzen

Trotz der enormen Mehrzahlungen an den Kreis Mettmann will Bürgermeister Patrick Anders sein ambitioniertes Investitionsprogramm nicht ausbremsen. Das erscheint nachvollziehbar und richtig, geht es bei den Investitionen in die Schulen, Sportstätten, neue Gebäude für die Offene Ganztagsbetreuung und Tageseinrichtung für Kinder um nicht weniger als langfristige Zukunftsgestaltung. Im Hochbau und auch im Tiefbau zu bremsen würde einen unverzeihlichen Investitionsstau in Ratingen nach sich ziehen, der in Europa und leider vielerorts auch in Deutschland zum schleichenden Substanzverzehr mit schmerzlichen Folgen geführt hat. Und auch beim Thema Sicherheit und Ordnung will Bürgermeister Anders an seinen – allerdings teuren – Verbesserungsplänen festhalten, so wie von ihm im Wahlkampf 2025 in Aussicht gestellt.