
Ratingen | Die SPD-Fraktion im Rat begrüßt die Vorschläge der Verwaltung zur Verbesserung der Situation wohnungsloser Menschen in Ratingen. Grundlage ist eine umfangreiche Vorlage zur „konzeptionellen Weiterentwicklung der Beratung von Menschen in den Obdachlosenunterkünften“, die nach Einschätzung der Sozialdemokraten einen wichtigen Schritt darstellen kann – sofern die Maßnahmen konsequent umgesetzt werden.
Auslöser für die jetzige Verwaltungsinitiative war ein Vorstoß der SPD-Fraktion im Sozialausschuss am 21. September 2023. Damals hatte der Fachverband SkF über die Wohnungslosenhilfe in Ratingen berichtet und dabei insbesondere Verbesserungspotenziale benannt. „Hauptthemen waren die Sicherheit in den Unterkünften sowie der Unterhaltungszustand“, erklärte Rosa-Maria Kaleja, SPD-Sprecherin im Sozialausschuss. Der Ausschuss fasste daraufhin einen umfangreichen Beschluss, der unter anderem mehr Sicherheit durch den Einsatz Dritter, Ordnungspartnerschaften mit der Polizei sowie den Abbau von Renovierungs- und Instandhaltungsrückständen vorsieht. Zudem sollte geprüft werden, wie das System durch eine Binnendifferenzierung – etwa nach dem Düsseldorfer Ansatz „Obdach plus“ – besser gesteuert werden kann und welche präventiven Angebote sowie Wege in regulären Wohnraum möglich sind.
SPD-Fraktionsvorsitzender und Sozialausschussvorsitzender Christian Wiglow betonte, die Vorlage könne „ein großer Schritt in Richtung einer dringend erforderlichen Verbesserung“ sein. Gleichzeitig macht die SPD deutlich, dass damit das zentrale Problem nicht gelöst werde: „Fehlender bezahlbarer Wohnraum“ führe dazu, dass Unterkünfte, die eigentlich als Übergangslösung gedacht sind, häufig zur Dauerunterbringung werden. In der Folge lebten Menschen, die grundsätzlich in normalen Mietwohnungen zurechtkämen, teilweise dauerhaft neben Personen, die aufgrund schwerer Sucht- oder psychischer Erkrankungen besondere Unterstützung benötigen. Wenn der Abfluss aus den Unterkünften stocke, verdichte sich die Belegung – und genau das verstärke jene Problemlagen, die bereits 2023 kritisiert worden seien.
Kaleja formuliert daher den politischen Kernanspruch der Fraktion: „Der Schlüssel zur Verbesserung ist und bleibt die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum.“ Zugleich kritisierte Wiglow, dass der Rat in den vergangenen Jahren zwar „viele richtige und wegweisende Entscheidungen“ getroffen habe, die Umsetzung durch die Verwaltung jedoch „häufig hinter den Erwartungen zurück“ bleibe. „Das muss nun besser werden“, so der Fraktionsvorsitzende.
Parallel zur Debatte um Sicherheit und Standards in den Unterkünften will die SPD einen weiteren Ansatz verfolgen: ein Modellprojekt nach dem Prinzip „Housing First“. Dabei sollen wohnungslose Menschen direkt in regulären Wohnraum vermittelt werden; begleitende Hilfen werden bedarfsgerecht angeboten, aber nicht als Voraussetzung für den Wohnungserhalt verstanden. Als Beispiel nennt die SPD Düsseldorf, wo seit 2021 der Verein Housing First Düsseldorf e. V. mit Unterstützung der Stadt tätig ist. Die SPD-Fraktion möchte die Verwaltung beauftragen darzustellen, wie und unter welchen Rahmenbedingungen ein solches Projekt auch in Ratingen umsetzbar wäre – unter Einbeziehung bestehender Strukturen der Wohnraumvermittlung, etwa über das Programm „NRW – endlich ein Zuhause“.
Aus Sicht der SPD ist das nicht nur sozialpolitisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich: Unterbringung in Normalwohnraum sei langfristig günstiger als eine dauerhafte Unterbringung in Obdachlosenunterkünften.
