Der Bergische Bildungscampus führt die langjährige Arbeit der Gemeinschaftslehrwerkstatt Velbert fort - seit September in modernen, neuen Hallen in Wuppertal-Varresbeck. Fotorechte: Bildungscampus

Velbert. Rund 350 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sozialpartnerschaft haben die Eröffnung des Bergischen Bildungscampus (BBC) auf dem ehemaligen Schaeffler-Areal in Wuppertal-Varresbeck gefeiert.  In der neuen Einrichtung ist auch die Gemeinschaftslehrwerkstatt der Industrie in Velbert, kurz GLW, aufgegangen.


Vera Bökenbrink, Vorstandsvorsitzende der Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände, erläuterte, warum sich der Bergische Arbeitgeberverband der Metallindustrie für den neuen Standort engagiert. „Für uns als AGV ist der Tag etwas wirklich Besonderes. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, die regionale Ausbildung zu übernehmen“, sagte Bökenbrink. Der Verband habe 3,7 Millionen Euro in den neuen Standort investiert und einen Mietvertrag über 15 Jahre abgeschlossen. „Wir glauben an die Industrie im Bergischen Land“, so Bökenbrink. Die Resonanz auf die Eröffnung unterstreiche den Bedarf: „Wir hatten über 380 Anmeldungen. Daran sieht man, wie wichtig Ausbildung und Fachkräfte sind.“

Der Bergische Bildungscampus führt die langjährige Arbeit der GLW Velbert fort. Bereits seit 1938 wurde an dem Standort überbetrieblich in Metall- und Elektroberufen ausgebildet. Für den Neustart wurden bestehende Strukturen gesichert und die Ausbildungsbereiche modernisiert. Seit Ende August läuft die überbetriebliche Ausbildung für rund 60 Auszubildende und Umschüler der Metall- und Elektrobranche.

Auch Matthias Heidmeier, Staatssekretär im NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, betonte die Bedeutung der beruflichen Ausbildung für den Wirtschaftsstandort: „Wir verlieren gerade rund 3000 Industriearbeitsplätze. Das macht uns große Sorgen. Das heißt, das Land wird ärmer. Wir müssen es schaffen, dass die Industrie wieder nach vorne kommt.“ Die duale Ausbildung gehöre zu den Stärken des Wirtschaftsstandorts. Eine berufliche Ausbildung sei gleichwertig mit einer akademischen. „Eine berufliche Ausbildung ist ein Ticket für ein sicheres Leben“, sagte Heidmeier. Sein Fazit zum neuen Campus: „So eine Ausbildungsstätte wie diese hier gibt mir Optimismus für die Zukunft.“

Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff hob die Bedeutung des Bergischen Bildungscampus für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Wuppertal hervor. Der Standort verbinde Industrie und Aufbruch. Besonders die Berufsorientierung sei ihr ein Anliegen. „Zu viele junge Menschen bleiben nach dem Abschluss ohne Ausbildung. Das können wir uns in Zeiten von Fachkräftemangel nicht leisten.“ Der Bergische Bildungscampus sei daher „ein wichtiger Pfeiler, um junge Menschen wieder ins Handwerk zu bekommen“.

Auch Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen, begrüßte den Neustart. „Ich bin froh, dass hier wieder etwas entsteht, bei dem junge Menschen wieder ein Handwerk lernen können.“ Er freue sich, dass Unternehmen Verantwortung übernehmen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Für Giesler ist die Rückkehr der Ausbildung an den Standort auch persönlich besonders. Er selbst hatte hier vor 44 Jahren seine Ausbildung begonnen.

Jenny Westermann, Geschäftsführerin des Bergischen Bildungscampus, zeigte sich erfreut über die große Resonanz auf die Eröffnung und bedankte sich bei den zahlreichen Gästen. Zugleich blickte sie auf die weitere Entwicklung des Standorts: „Unsere Vision ist, dass der Bergische Bildungscampus ein lebendiger Ort für Ausbildung, Weiterbildung und Qualifizierung in der Region wird.“ Sie lud die Gäste ein, den Campus zu nutzen, ins Gespräch zu kommen und die weitere Entwicklung mitzugestalten.

Im Mittelpunkt der Eröffnung stand damit die gemeinsame Verantwortung für Ausbildung und Fachkräftesicherung. Unternehmen, Politik, Sozialpartner und Bildungspartner wollen den neuen Standort gemeinsam weiterentwickeln. Nach dem offiziellen Teil erkundeten die Gäste bei Rundgängen die Ausbildungs-, Werkstatt- und Lernbereiche.  Ausbilder gaben Einblicke in die Arbeit des Bergischen Bildungscampus und die bereits laufenden Ausbildungsangebote.

Michael Schwunk, Geschäftsführer und Sprecher der VBU; André Bovenkamp, Vorsitzender des Bergischen Arbeitgeberverbandes der Metallindustrie; Christiane Rüffer, Moderatorin; Miriam Scherff, Oberbürgermeisterin der Stadt Wuppertal; Jenny Westermann, Geschäftsführerin des Bergischen Bildungscampus; Vera Bökenbrink, Vorstandsvorsitzende der VBU; Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen; Matthias Heidmeier, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen; und Michael Vitz, ehemaliger Vorsitzender des Bergischen Arbeitgeberverbandes der Metallindustrie. Fotorechte: Bildungscampus

 

Staatssekretär Matthias Heidmeier informiert sich beim Rundgang durch den Bergischen Bildungscampus gemeinsam mit Geschäftsführerin Jenny Westermann über die Werkstätten und Ausbildungsmöglichkeiten am neuen Standort. Fotorechte: Bildungscampus