Freude bei den Saturday Suppliers: Am letzten Samstag wurde die 100. Hauslieferung ausgefahren. Foto: Mathias Kehren

Velbert. Am Samstag erreichte die Hauslieferung der Velberter Tafel einen besonderen Meilenstein: Zum 100. Mal wurden Lebensmittelpakete an bedürftige Haushalte ausgefahren. Die Aktion, die in Corona-Zeiten ins Leben gerufen wurde, hat sich mittlerweile zum größten Jugendprojekt der Tafeln in Deutschland entwickelt. Rund 42 Haushalte werden im Schnitt an zwei Samstagen im Monat mit Lebensmitteln versorgt – organisiert und durchgeführt von Jugendlichen, die Spaß an der Gemeinschaft und am Helfen haben.

Entstanden aus der Not heraus

Die Geburtsstunde der „Saturday Suppliers“ geht auf die Corona-Krise zurück. „Die Ehrenamtlichen, die üblicherweise den Tafelbetrieb sicherstellen, gehören fast alle der sogenannten vulnerablen Gruppe an“, erklärt Tafelkoordinatorin Tanja Högström. Menschen meist im Ruhestand, die sich aber dennoch engagieren möchten. Doch Corona machte dies zeitweise unmöglich.

In diese Lücke sprangen Jugendliche, die so ein Stück Gemeinschaft und gleichzeitig etwas Positives für die Gesellschaft tun konnten. Über neun Wochen lang stellten die Jugendlichen und die von ihnen organisierten Hauslieferungen die einzige Möglichkeit dar, die Tafel weiterhin zu betreiben. An zwei Samstagen im Monat wurden damals Haushalte in der Region beliefert.

Anders als von den Tafelverantwortlichen befürchtet, löste sich die Gruppe der jugendlichen Helferinnen und Helfer nach der Krise nicht einfach auf. Sie blieb bestehen und liefert unter dem Namen „Saturday Suppliers“ weiterhin zweimal im Monat Lebensmittelkisten an Bedürftige in Velbert, Heiligenhaus und Wülfrath aus.

Vier Jahre voller Engagement

Vier Jahre sind seit der Gründung vergangen. Einer der von Anfang an dabei war, ist Dominik Brauckmann. Das Treffen mit Gleichaltrigen, die Gemeinschaft und das soziale Engagement seien für die Jugendlichen die Hauptmotivation, so Brauckmann. Er selbst hat bei den Saturday Suppliers seine Leidenschaft gefunden und – selbst finanziert – die Ausbildung zum Fundraising Manager absolviert.

Eigenverantwortlich und effizient

So kommt es, dass Tafelleitung Renate Zanjani und ihre Kollegin Tanja Högström den Jugendlichen viel Freiraum lassen. Bis auf Listen mit Adressen organisiert die Gruppe der Suppliers, zu der rund 35 Menschen Anfang zwanzig zählen, den Tafel-Hauptstandort komplett in Eigenregie. Je Auslieferungssamstag werden rund ein Dutzend junge Menschen gebraucht. Die erste Gruppe klappert morgens die Supermärkte ab, um Lebensmittelspenden zu sammeln. Gegen 11 Uhr übernimmt dann Gruppe zwei, belädt die Fahrzeuge und liefert die Ware aus.

Hohe Fluktuation und Nachwuchssuche

Insgesamt sei die Fluktuation in der Gruppe sehr hoch, konstatiert Dominik Brauckmann, der ständig um Nachwuchs bemüht ist. Der größte Teil der jungen Helferinnen und Helfer könne über soziale Medien (#saturdaysuppliers) erreicht werden, ist er überzeugt. Außerdem gebe es Kooperationsprojekte mit der Gesamtschule Neviges und dem Geschwister-Scholl-Gymnasium. Die Zielgruppe hier sei zwar noch etwas zu jung, um bei den Saturday Suppliers voll einzusteigen, dafür könne aber schon mal auf das Projekt aufmerksam gemacht und das Interesse daran geweckt werden, findet Brauckmann.

Beeindruckende Bilanz

Das große Jubiläum ist auch die Zeit für eine Zwischenbilanz: In den vier Jahren seit Bestehen der Hauslieferungen wurden rund 8.500 Lebensmittelkisten ausgeliefert. Dabei zahlen die Tafelkunden gerade so viel, dass die Spritkosten gedeckt sind. Insgesamt konnten die Saturday Suppliers so Lebensmittel im Wert von rund 200.000 Euro retten und an Bedürftige verteilen. „Damit sind wir mit Abstand das größte Jugendprojekt aller Tafeln in ganz Deutschland“, resümiert Dominik Brauckmann stolz.