Um 5 Uhr morgens kontrolliert der Ordnungsdienst der Stadt, ob alle Flächen in der Nevigeser Fußgängerzone frei sind und öffnet die Stromkästen für die Markttreibenden. Foto: Mathias Kehren

Velbert. Der Duft von frischem Kaffee liegt noch längst nicht in der Luft, wenn der Arbeitstag für Heidi Kneip und Birgit Siedlaczek beginnt. Auf Einladung der Stadt Velbert durfte die Lokalpresse ab 5 Uhr am Donnerstagmorgen den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) bei seinem Einsatz in der Nevigeser Fußgängerzone begleiten – und erlebte dabei einen Wochenmarkt, der ohne eine seiner größten Attraktionen auskommen musste.


„Der Blumen-Pitt bleibt heute weg“, schon kurz nach der Begrüßung erfährt man, dass ein großer Händler auf dem Nevigeser Wochenmarkt heute überraschend fehlen wird. Um fünf Uhr am frühen Donnerstagmorgen ist die Lokalpresse mit dem Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) verabredet, um den Marktaufbau mitzuerleben. Heidi Kneip und Birgit Siedlaczek sind ein eingespieltes Team beim KOD und regeln unter anderem das Geschehen auf dem Wochenmarkt in Neviges.

Gegen 4:30 Uhr treffen sich die beiden Frauen auf der Dienststelle, um ihr Fahrzeug abzuholen und nach Neviges zu fahren. Als erste sind sie dann meist in der Fußgängerzone unterwegs. Während Siedlaczek mit den Autoscheinwerfern die Dunkelheit erleuchtet, wandert Heidi Kneip von Stromkasten zu Stromkasten, um diese aufzuschließen. So können sich die Händler später unkompliziert mit Strom versorgen.

An diesem Morgen muss niemand abgeschleppt werden. Doch das ist nicht immer so. Etwa einmal im Monat parkt in den frühen Morgenstunden noch ein Fahrzeug auf einer für einen Marktstand vorgesehenen Fläche. Dann läuft das übliche Prozedere an: „Zunächst rufen wir bei der Polizei an und fragen den Halter ab“, erklärt Birgit Siedlaczek. Ist eine Adresse in der Nähe bekannt, gehen die KOD-Mitarbeiterinnen auch mal persönlich vorbei und versuchen, denjenigen aus dem Bett zu klingeln. „Damit entgehen sie zwar nicht der Ordnungsstrafe, sparen sich aber die hohen Abschleppkosten“, ergänzt Kollegin Heidi Kneip. Die meisten seien ziemlich glücklich über den Weckruf, bevor der Abschlepper anrollt. Bleibt der Halter unauffindbar, wird der Wagen kostenpflichtig entfernt – oft mit saftigen Nachtzuschlägen.

Gegen 5:30 Uhr rollen die ersten Händler an. Den Auftakt machen an diesem Morgen – wie sollte es anders sein – die Bäckereiwagen. Edwin Heidrich aus Essen kommt schon seit 47 Jahren nach Neviges – eine echte Familientradition, die er von seinem Vater übernommen hat. Während sein Sohn nachts alle Teigwaren vorbereitet, bringt der Vater sie frühmorgens zum Verkauf. Waffeln werden sogar direkt vor Ort frisch ausgebacken. Mit der Crew vom Ordnungsamt läuft es blendend: „Man hilft sich hier sehr gut“, lobt Heidrich. Falls mal jemand falsch parke, sei das schnell erledigt. Außerdem sei die Atmosphäre unter den Händlerkollegen in Neviges einfach spitze.

Dazu zählt auch Kartoffelhändler Marcel Sieg, eine feste Größe in der Region. Ganze 48 Märkte fährt sein Unternehmen, das er in dritter Generation führt, jede Woche an. Um 3 Uhr morgens beginnt für ihn der Tag, wenn die frische Ware auf die Fahrzeuge verteilt wird. Mit Blick auf den leeren Stammplatz schmunzelt Sieg: „Ist der Blumen-Pitt heute nicht da?“ – „Nein, der Pitt kommt heute nicht“, lautet die Antwort unisono von Kneip und Siedlaczek. Und das hat für Sieg den Vorteil, dass er sich ordentlich ausbreiten darf. Es grenzt an ein kleines Wunder, wie sich aus seinem kompakten Anhänger binnen Minuten ein rund zehn Meter breiter, komplett überdachter Stand entfaltet.

„Eine wertvolle Hilfe!“ – Markthändler Edwin Heidrich freut sich über die gute Zusammenarbeit mit den KOD-Mitarbeiterinnen Birgit Siedlaczek und Heidi Kneip (v.l.). Foto: Mathias Kehren

Mittlerweile ist auch der Räucherfischhändler eingetroffen. „Moin, alles klar? Ist der Pitt heute nicht da?“, begrüßt er das Ordnungsamt. Auch er erfährt, dass der Blumenhändler für heute abgesagt hat. „Na denn wollen wir mal aufbauen“, verabschiedet sich der Händler in Richtung seines Anhängers.

Unter den Beschickern herrscht ein lockerer, hilfsbereiter Ton. Die Händler haben die mobile Nummer vom Ordnungsdienst, bei Ausfällen oder Nachrückern gibt es also einen „kurzen Draht“. Während die Stammhändler ihre festen Plätze im oberen Bereich der City haben, suchen sich fliegende Händler auf der unteren Elberfelder Straße meist selbst ihr Plätzchen – was reibungslos klappt, wie es vom KOD heißt.

Flatterband noch auf der Motorhaube

Weniger Verständnis für das Markttreiben zeigen hingegen manchmal Autofahrer, die durch die sonst geöffnete Fußgängerzone fahren wollen. Einen besonders drastischen Fall erlebte Heidi Kneip an der oberen Elberfelder Straße, als ihr ein älterer Herr mit dem Absperrband auf der Motorhaube entgegenkam. Seine Entschuldigung, er sei davon ausgegangen, dass das Band vergessen worden sei, schützte ihn aber dennoch nicht vor der 55-Euro-Strafe für die unerlaubte Durchfahrt.

Mittlerweile haben mehrere Händler ihre Verkaufsstände aufgebaut. Um 7 Uhr sollen alle verkaufsbereit sein, sagt Siedlaczek, und meistens klappe das auch ganz pünktlich. Dann können sich die beiden anderen Aufgaben widmen, ehe sie gegen 10 Uhr gemeinsam mit Bezirksbeamtin Birgit Winzer noch einmal eine Runde über den Markt drehen. Dabei beantworten sie gerne Fragen, was von den Marktbesuchern auch rege genutzt wird. Zudem müssen die Standgebühren für Händler ohne Jahresplatz kassiert werden: Moderate 79 Cent je Quadratmeter plus 8 Euro Bearbeitungsgebühr werden fällig, weiß Birgit Siedlaczek. Strom ist inklusive.

Gegen 13 Uhr beginnt mit dem Markt-Abbau der letzte Teil ihrer Schicht. Die KOD-Mitarbeiterinnen achten darauf, dass alle Plätze geräumt werden, und geben die Straße am Ende wieder für den Verkehr frei. Gegen 14 Uhr ist der Spuk meist vorbei.

Und was ist nun mit Blumen-Pitt? Der feiert nächste Woche sicherlich ein Comeback – und wenn nicht? Dann könnte sein Platz schnell vergeben sein. Da es keine fixen Reservierungen gibt, können nach der Devise „weggegangen, Platz vergangen“ auch Nachrücker zum Zuge kommen.

Foto: Mathias Kehren
Foto: Mathias Kehren