Der blaue Eisenhut zählt zu den giftigsten Pflanzen Europas. (Archivbild)
Der blaue Eisenhut zählt zu den giftigsten Pflanzen Europas. (Archivbild) Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Wuppertal (dpa) – Zwei Freundinnen und ein gemeinsamer Mordkomplott mit Bohnen und Speck: Wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes müssen sich zwei Frauen aus NRW und Bayern von Mittwoch an vor dem Landgericht in Wuppertal verantworten.


Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen die 59 Jahre alte Hauptangeklagte aus Velbert bei Wuppertal und eine 60-jährige Mitangeklagte aus dem bayerischen Fürth mehrfach versucht haben, den Ehemann der 59-Jährigen mit Gift zu töten.

Laut Anklage soll die Frau den Entschluss gefasst haben, ihren Ehemann umzubringen, nachdem dieser ihr die Scheidung angekündigt und eine Beziehung mit einer neuen Lebensgefährtin aufgenommen hatte. Sie habe befürchtet, durch die Scheidung finanzielle Nachteile zu erleiden.

Ihre mitangeklagte Freundin aus Bayern soll den Plan unterstützt und bei der Beschaffung giftiger Pflanzen sowie mit Ratschlägen über WhatsApp geholfen haben.

Blauer Eisenhut im Lieblingsgericht

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft mischte die Hauptangeklagte ihrem Mann in Velbert wiederholt zermahlene Pflanzensamen sowie später Bestandteile des hochgiftigen Blauen Eisenhuts in Bier und Speisen. Mehrere Giftanschläge blieben den Ermittlungen zufolge ohne Wirkung.

Doch Anfang November 2025 wurde der Mann nach dem Verzehr seines Lieblingsgerichts, weiße Bohnen mit Speck, mit schweren Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus gebracht. Er musste in ein künstliches Koma versetzt werden und befand sich in Lebensgefahr. Ärzte konnten ihn stabilisieren, der damals 56-Jährige überlebte knapp.

Mageninhalt im Labor

Dann konnten Spezialisten im Mageninhalt Spuren des hochgiftigen Blauen Eisenhuts in den Essensresten nachweisen. Der Blaue Eisenhut gehört wegen des Stoffs Aconitin zu den giftigsten Pflanzen Europas. Die Ermittlungen ergaben, dass die Frau zuvor sogar damit gedroht haben soll, ihren Mann zu vergiften.

In Düsseldorf nahm sich eine Mordkommission der Sache an. Durchsuchungen und Auswertungen des Handys der 59-Jährigen erhärteten den Verdacht: Sie soll das Essen mit Gift präpariert haben.

Gegen beide Frauen – deutsche Staatsbürgerinnen – wurden Haftbefehle erlassen. Die Velberterin sitzt seit Ende November unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Sie schweige zu den Vorwürfen, nachdem sie sich zuvor in Widersprüche verwickelt habe, hieß es damals.

Gegen ihre mutmaßliche Komplizin wurde vom Amtsgericht im bayerischen Fürth Haftbefehl wegen Beihilfe zum Mord erlassen. Inzwischen geht die Anklage sogar von einem gemeinschaftlichen Mordversuch aus.

Mutmaßliches Mordmotiv

Als Motiv gehen die Ermittler nicht nur von Wut über die angekündigte Scheidung aus: Die Velberterin habe befürchtet, dass ihr Mann nach der Scheidung nicht mehr für ihre Lebenshaltungskosten aufkommen werde. Die habe sie daher mit der Witwenrente und dem Vermögen ihres Mannes decken wollen.

Die Freundin aus Bayern habe, als sie in den Tatplan eingeweiht war, zugestimmt und ihre Unterstützung zugesichert. Zunächst habe die 59-Jährige mehrere Flaschen Bier mit unbekannt gebliebene Pflanzensamen versetzt. Auch Schlafmittel und Cannabisöl seien dem Ehemann ins Bier gemischt worden.

Die Mitangeklagte aus Fürth habe per WhatsApp Tipps zur Spurenbeseitigung gegeben. Dann soll die Velberterin zermahlene Samen in eine Suppe gegeben haben – erneut ohne Wirkung. Doch die Frauen hätten nicht aufgegeben: Erst hätten sie online vier Tüten Samen des Blauen Eisenhuts bestellt – und schließlich die Pflanze selbst. Bis zu einem rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gelten sie als unschuldig.