Exakt 168 Kinder bilden einen neuen Jahrgang an der Gesamtschule Waldschlösschen. Die Nachfrage ist deutlich größer. Foto: Mathias Kehren

Velbert. Die neue Gesamtschule Waldschlösschen gilt als das Prunkstück der Velberter Schullandschaft – entsprechend begehrt ist sie bei Schülern und Eltern gleichermaßen. Doch die hohe Popularität sorgt jüngst für Unmut: Nicht alle Bewerber konnten berücksichtigt werden. Schulleiter Jens Brandenburg und seine Kollegin Sarah Dietsch erklären das Aufnahmeverfahren.


„Natürlich freut es uns, wenn unsere Schule von Anfang an so gut angenommen wird“, sagt Schulleiter Jens Brandenburg. Damit verbunden sei jedoch auch der „undankbare Teil“, Absagen erteilen zu müssen, da die Kapazitäten in den sechs Eingangsklassen begrenzt sind. Als Vater von drei Kindern könne er die Enttäuschung der Eltern nachempfinden. Gerade weil die Entscheidung für Familien hart sein kann, setzt die Gesamtschule Waldschlösschen auf maximale Transparenz im Verfahren.

„Wuppertal-Formel“ und Los-Entscheid

Das Prozedere folgt klaren Regeln: Die Schule nimmt Bewerbungen ausschließlich aus ganz Velbert und aus Wülfrath an. Die Kalkstadt ist als einzige Nachbarkommune Teil des Verfahrens, da sie über keine eigene Gesamtschule verfügt.

Die Auswahl erfolgt dann in drei Schritten: Aus allen Bewerbungszeugnissen wird nach der sogenannten „Wuppertal-Formel“ (entwickelt an der Bergischen Universität) ein Notendurchschnitt ermittelt. Daraus ergibt sich ein Leistungsspiegel als Grundlage, um die Schüler in zwei gleich große Gruppen einzuteilen. Leistungsstärkere und leistungsschwächere Kinder haben so die gleichen Chancen auf eine Aufnahme.

Letztlich entscheidet das Losglück: Ein dreiköpfiges Schulgremium lost aus den beiden Töpfen die Schüler aus, die keinen Platz erhalten. Diese kommen auf eine Nachrückliste, alle anderen bekommen einen Platz an der Gesamtschule.

Eine Sonderrolle nehmen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ein, die der Schule direkt durch den Kreis Mettmann zugewiesen werden. Im aktuellen Verfahren betraf dies 17 Plätze. Insgesamt bietet die Schule 168 Plätze in sechs Klassen an – bei 227 Anträgen mussten somit 59 Ablehnungen verschickt werden.

Warum Wohnortnähe kein Kriterium ist

Unter den Abgelehnten befinden sich auch Kinder aus Neviges mit kurzem Schulweg, was bei den betroffenen Eltern auf Unverständnis stieß. Dass Kriterien wie Wohnortnähe, Geschwisterbonus oder Geschlechterparität keine Rolle spielen, ist eine bewusste Entscheidung der Schulleitung.

„Als Gesamtschule haben wir den Auftrag, die Gesellschaft abzubilden“, erläutert Brandenburg. Und genau dies sei Ziel des jetzigen Auswahlverfahrens mit den Vorgaben der Bezirksregierung: Neben dem Wohnort liege der Fokus hier maximal auf der Leistungsheterogenität.

Als Argument gegen weitere, schulspezifische Auswahlkriterien gilt außerdem deren Rechtssicherheit. Brandenburg gibt zu bedenken, dass Begriffe wie „Wohnortnähe“ (Luftlinie, Fußweg oder Busverbindung?) oder „Geschwister“ (etwa in Patchwork-Familien) oft Auslegungssache seien und nicht selten als Grund für einen Einspruch gegen die Ablehnung herangezogen würden. Dem will man sich offenbar nicht aussetzen, zumal es der Idee “Gesamtschule” kaum dienlich sei.

Die Schulleitung ist sicher, bereits das beste Konzept für die Platzvergabe umzusetzen. „Wir sind überzeugt, dass unser Aufnahmekonzept unseren Anspruch als Gesamtschule am besten widerspiegelt“, ergänzt Sarah Dietsch, Lehrerin und Öffentlichkeitsbeauftragte der Schule. Das Ziel sei eine vielfältige, bunt gemischte Schülerschaft, die ein breites Spektrum an Leistungsprofilen mitbringe.

Der Erfolg gibt dem Gesamtschulkonzept recht: Die Anmeldezahlen steigen seit ihrer Gründung stetig an.

Sarah Dietsch und Jens Brandenburg haben die Aufnahmekriterien für ihre Schule dargelegt. Foto: Mathias Kehren