
Velbert. Der brandgeschädigte Dachstuhl des Herrenhauses auf Schloss Hardenberg soll originalgetreu rekonstruiert werden, wobei die Versicherung den rund 10 Millionen Euro schweren Schaden nach ausgeschlossener Brandstiftung komplett übernimmt. Trotz der bis Oktober 2028 andauernden Sanierung werden die übrigen Arbeiten sowie das Veranstaltungs- und Konzertprogramm auf dem Gelände fortgesetzt. Erstes großes Event ist das Kinderfest am 1. Mai am Schloss Hardenberg.
In einem Pressegespräch zum aktuellen Stand auf Schloss Hardenberg haben Baudezernent Jörg Ostermann und Bürgermeister Dirk Lukrafka detailliert über die Fortschritte am Herrenhaus und der Gesamtanlage berichtet.
Brandursache unklar, aber: “keine Brandstiftung”
Dabei wurde zunächst eine zentrale Sorge der Bürger entkräftet: Die Kriminalpolizei sowie der Brandsachverständige der Versicherung haben Brandstiftung offiziell ausgeschlossen. Da kein Verursacher haftbar gemacht werden kann, wird die gesamte Schadensbeseitigung über die Versicherung der Stadt abgewickelt. Darin waren sich Bürgermeister und Baudezernent einig.
Feuchtigkeitsstopp und aufwendige Trocknung
Das Herrenhaus konnte bereits vor dem Winter durch eine provisorische Flachdachkonstruktion und Planen abgedichtet werden, sodass kein weiteres Regenwasser eindringt. Dennoch bleibt die Feuchtigkeit im Inneren das größte Problem. In den vergangenen Monaten wurde nicht nur Brandschutt entfernt, sondern das Gebäude regelrecht freigestellt.
Große Mengen des bereits eingebrachten Lehmputzes wurden durch das Löschwasser weggeschwemmt oder mussten abgetragen werden, damit die bis zu einem Meter dicken Wände darunter trocknen können. Auch historische Lehmgefache aus dem 18. Jahrhundert mussten entfernt werden, um die darunterliegenden Holzkonstruktionen zu entfeuchten und vor Pilzbefall und Schimmel zu schützen. Baudezernent Jörg Ostermann erklärt die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen: „Wir haben auch die Estrichböden rausgenommen und Putze bis zu einer Stärke von 17 Zentimetern entfernt, weil wir das ganze Gebäude freistellen müssen, damit es vom Grunde durchlüftet wird und wieder trocken werden kann.“
Ein laufendes Feuchtigkeitsmonitoring zeigt, dass dieser Prozess Zeit benötigt: Erst im August oder September wird das Mauerwerk voraussichtlich trocken genug für den Wiederaufbau sein.
Termin für die Eröffnung von Schloss Hardenberg
Der Brand hat den ursprünglichen Zeitplan – Eröffnung Oktober 2026 – verständlicherweise gesprengt. Als neues Ziel für die Fertigstellung des Herrenhauses hat Ostermann nun den 3. Oktober 2028 genannt. Der Zeitplan für die Sanierung hängt dabei maßgeblich von der Ausschreibung und Vergabe für den Dachstuhl-Wiederaufbau ab. Ein Besonderheit und zugleich technische Herausforderung ist die Rekonstruktion des Dachstuhls. Da das historische Gebäude keinen einzigen 90-Grad-Winkel besitzt, gleicht die Planung einer Maßanfertigung.
Noch in diesem Jahr soll der Bauantrag für das Dach gestellt werden. Da trockenes Eichenholz auf dem Weltmarkt derzeit kaum zu bekommen ist, hat die Denkmalpflege bereits grünes Licht für Alternativen gegeben. Voraussichtlich wird eine Kombination aus Nadelholz und statischen Stahlelementen zum Einsatz kommen. “Erkennbar ist das allenfalls an ganz wenigen Stellen im Dach”, erläutert Ostermann. Ansonsten wünscht sich die Stadt als Bauherr eine möglichst originalgetreue Wiederherstellung des Dachs. Zumindest nach dem Stand von 2006, als das Schieferdach des Herrenhaus zuletzt saniert wurde. Läuft alles nach Plan, beginnt die Errichtung des Dachstuhls im Frühjahr 2027.
10 Millionen Euro Schaden durch Dachstuhlbrand
Hinsichtlich der Kosten rechnet die Stadt mit einem Volumen von mindestens 10 Millionen Euro. Baudezernent Ostermann zeigte sich hierbei jedoch „relaxed“, da es sich um einen Versicherungsschaden handelt. Die Versicherung übernimmt die Kosten für alle Bereiche, die durch den Brand untergegangen sind und nun neu aufgebaut werden müssen. Kostentreibend könnten lediglich die zeitliche Verzögerung bis 2028 und die damit verbundenen Preissteigerungen bei den Fachgewerken wirken.
Während der Arbeiten am Schloss gehen die Arbeiten auf dem übrigen Gelände weiter: Dort wurde das Gebäude der früheren Mühle weitestgehend entkernt. Als nächster Schritt wird im Mai ein Stahlgerüst eingezogen, um die zweite Geschossebene wiederherzustellen. Außerdem werden die Wände verputzt. Die Fertigstellung der Mühle ist für Ende des Jahres geplant, sodass im Frühjahr 2027 dort eine Gastronomie eröffnen könnte. Auch der Wirtschaftshof und die Schlosswiese sollen bereits in diesem Herbst für die Öffentlichkeit nutzbar sein. Der finale Ausbau des Schlossplatzes erfolgt allerdings erst 2028, um Schäden durch schweren Baustellenverkehr beim Wiederaufbau des Herrenhauses zu vermeiden.
Kinderfest 1. Mai am Schloss Hardenberg
Bis zur (verspäteten) Fertigstellung möchte man nicht warten, um das Kleinod “Schlossensemble” für die Bürgerschaft nutzbar zu machen: Termine und Veranstaltungen finden nach Möglichkeit statt. Den Auftakt macht am 1. Mai das große Kinderfest des Stadtjugendrings, welches auf dem neu gestalteten Parkplatz – der dann erstmals seine Funktion als Veranstaltungsplatz unter Beweis stellen muss – und im Hof der Vorburg stattfindet. Die Besucher können laut Bürgermeister Dirk Lukrafka mit dem gewohnten Programm rechnen: trotz des Wegfalls der Schlosswiese gebe es genauso viele Spielattraktionen wie in früheren Jahren auch.
Am 9. Mai folgt der Tag der Städtebauförderung, der an eine Veranstaltungsreihe “Hardenberg verbindet” anknüpft: Es wird ein Kunstprojekt fortgesetzt, bei dem eine Silhouette des Schlosses mit Kästchen ausgestattet ist, in die Besucher Botschaften eintragen können.
Hardenberg Open-Air am Schloss
Auch sind mehrere Benefizkonzerte im Hof der Vorburg geplant. Am 27. Juni nutzt die Musik- und Kunstschule das Gelände um sich zu präsentieren. Ein Benfizkonzert am 4. September und das traditionellen “Hardenberg Open-Air” am 5. September sind ebenfalls fest im Programmplan.
Der Förderverein von Schloss Hardenberg und lokale Initiativen zeigen großes Interesse, was Thorsten Hilgers vom Vereinsvorstand unter anderem vom wachsenden Teilnehmerkreis des “Tötter-Treffs” ableitet. Geplant sind laut Hilgers wieder Aktivitäten im Bereich Naturschutz, zum Beispiel Fledermaus-Nächte und Wanderungen rund um das Schloss. Außerdem soll die Kooperation mit Schulen weiter ausgebaut werden, um Schülerthemen stärker in Veranstaltungen mit einzubeziehen.
Auch wenn der Brand eine schmerzhafte Zäsur im Sanierungsprozess bedeutet, zeigt das parallel laufende Veranstaltungsprogramm und der Baufortschritt an den Nebengebäuden deutlich: Am Schloss Hardenberg geht es weiter, und am Ende wird dieses historische Juwel womöglich schöner und sicherer als es sich die Velberter heute vorstellen können.

