Das Velberter Werk von WKW Automotive in Neviges. Foto: André Volkmann
Das Velberter Werk von WKW Automotive in Neviges. Foto: André Volkmann

Wuppertal/Velbert. Der deutsche Automobilzulieferer „WKW.group“ steht kurz vor der Übernahme durch einen strategischen Investor. Die Unterzeichnung des Kaufvertrags könnte bereits sehr zeitnah erfolgen, wie Insolvenzverwalter Joachim Exner jetzt der Belegschaft mitteilte. Trotz der tiefgreifenden Krise der Automobilindustrie können dadurch bei der WKW.group weltweit und in Deutschland über zwei Drittel der Arbeitsplätze gerettet werden.


Die WKW.group hatte vor zwei Jahren Insolvenzantrag gestellt. Der Insolvenzverwalter hatte daraufhin einen „strukturierten Investorenprozess“ eingeleitet und damit potenzielle Investoren weltweit angesprochen. Im Schatten der Krise in der Automobilindustrie haben sich mögliche Erwerber jedoch abwartend gezeigt, heißt es. Exner und die WKW-Geschäftsführung konnten diese Zeit nutzen, um die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten längerfristig zu sichern und erste Restrukturierungsschritte umzusetzen. Dadurch gelang es, die Produktion in allen Werken zwei Jahre lang aufrechtzuerhalten.

Der WKW.group mit ihren rund 1.550 deutschen Arbeitnehmern drohte dennoch die baldige Pleite. Das nur ein finanzstarken Investor den Erhalt der Unternehmensgruppe längerfristig sichern könne, sei schon zu Beginn des Verfahrens klar gewesen, so Exner. Und dieser scheint nun gefunden.

„Infolge der Investorenlösung ist es nun möglich, trotz der anhaltenden Branchenkrise die Abwicklung der WKW.group abzuwenden und mehr als zwei Drittel der Arbeitsplätze zu retten“, informiert Joachim Exner. „Dass wir nun kurz vor der Vertragsunterzeichnung mit einem strategischen Investor stehen, ist keine Selbstverständlichkeit in dieser schwierigen Zeit für die Automobilbranche“, betonte der Insolvenzverwalter.

Beim Erwerber der WKW.group handelt es sich laut Exner um einen Investor, der an die „Zukunft des Automobilstandorts Deutschland glaubt“. Nun sollen die erforderlichen Investitionen getätigt werden, um die deutschen Standorte der WKW.group wieder langfristig wettbewerbsfähig zu machen.

Der Name des Investors wird bis zur Vertragsunterzeichnung nicht genannt, da sich beide Seiten für die Dauer der Verhandlungen gegenseitig zu Verschwiegenheit verpflichtet haben.

500 Arbeitsplätze werden abgebaut

Um die deutschen Standorte der WKW.group zu erhalten, sei es jedoch erforderlich, „einige wirksame Restrukturierungsschritte umzusetzen, um die Personalstärke und die Kostenstrukturen an das bestehende Auftragsvolumen anzupassen“, heißt es weiter. Im Zuge dessen wird die Zahl der in Deutschland beschäftigten Arbeitnehmer um rund ein Drittel – von rund 1.550 auf rund 1.050 Arbeitsplätze – reduziert.

Durch diese Maßnahmen können die Produktionsstandorte in Wuppertal (WKW Engineering GmbH), Velbert (WKW Roof Rail GmbH) und Sprockhövel (WKW AnodiCoat GmbH & Co. KG) erhalten bleiben. Der Investor übernimmt darüber hinaus die internationalen WKW.group-Standorte in den USA, Frankreich und Tunesien.

Insolvenzverwalter Joachim Exner hat angekündigt, die Verhandlungen mit der IG Metall und den Betriebsratsgremien möglichst zügig durchzuführen. „Der Personalabbau und die Anpassung der Lohnstrukturen sind unvermeidbar, um den größten Teil der Arbeitsplätze zu retten“, so der Insolvenzverwalter. „Er fällt jedoch umso schwerer, da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der gesamten WKW.group während des gesamten Verfahrens mit großer Einsatzbereitschaft weitergearbeitet haben. Ohne dieses Engagement wäre eine Investorenlösung niemals möglich gewesen. Dafür möchte ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufrichtig danken!“

Allerdings müssen sich die vom Personalabbau betroffenen Mitarbeiter nicht arbeitslos melden. Stattdessen werden sie das Angebot erhalten, in eine Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Dort werden sie für bis zu sieben Monate weiterbeschäftigt und mit gezielten Qualifikationsmaßnahmen bei der Rückkehr auf den ersten Arbeitsmarkt unterstützt.

Joachim Exner betonte darüber hinaus die wichtige Rolle der Automobilhersteller während des Insolvenzverfahrens. Diese hätten maßgeblich zum erfolgreichen Neustart der WKW.group beigetragen. „Es ist zu einem nicht geringen Teil unseren Kunden zu verdanken, dass die WKW.group während der vergangenen zwei Jahre trotz der äußerst schwierigen Umstände durchhalten konnte“, so Exner. „Die Automobilhersteller haben an die Zukunft der WKW.group geglaubt und diesen komplexen und langwierigen Prozess konstruktiv unterstützt.“

IG Metall: „Für jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen“

„Dass sich die WKW.group von rund 500 Kolleginnen und Kollegen trennen muss, ist ein schwerer Schlag für die Betroffenen“, sagte der Geschäftsführer der IG Metall Velbert, Hakan Civelek. „Die deutsche Automobilindustrie befindet sich in einem dramatischen Schrumpfungsprozess, der zu einem massiven Umsatzrückgang bei der WKW.group geführt hat. Folglich war zu erwarten, dass hier eine Personalanpassung erfolgen wird. Trotzdem werden Betriebsrat und IG Metall für jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen. Dass unter diesen schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen der Insolvenzverwalter einen strategischen Investor für die WKW.group gewinnen konnte, ist eine echte Chance für das Unternehmen, aus der Krise wieder herauszukommen.“

Die WKW.group fertigt Zier- und Funktionsbauteile sowie Dachrelingsysteme aus Aluminium, Stahl und Kunststoff. Zu den Kunden des Unternehmens gehören zahlreiche große deutsche Automobilhersteller.