Erkrather Band „Uncle Remus“ holt Preis für Debüt-Album

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Uncle Remus: Das sind Frank Herbort, Tom Plötzer, Jeffrey Amankwa, Simon Cohnitz und Sven Hansen. Foto: Band
Uncle Remus: Das sind Frank Herbort, Tom Plötzer, Jeffrey Amankwa, Simon Cohnitz und Sven Hansen. Foto: Band

Kreis Mettmann. Die Erkrather Formation Uncle Remus hat mit ihrem Debüt-Album „Keep the Devil busy“ einen zweiten Platz beim Deutschen Rock- und Pop-Preis geholt.

Zum 38. Mal sind die über 125 Auszeichnungen vergeben worden – aufgrund der Corona-Lage allerdings nicht als Vor-Ort-Zeremonie. Der Deutsche Rock & Pop Musikerverband e.V. und die Deutsche PopStiftung haben sich dazu entschlossen, die diesjährigen Auszeichnungen der Preisträger virtuell durchzuführen; ursprünglich war eine Live-Veranstaltung in der Siegerlandhalle geplant, daraus wurde nichts.

In der Kategorie „Bestes traditionelles Bluesalbum 2020“ haben die Musiker für ihr Erstlingswerk einen zweiten Preis nach Erkrath geholt. Die Auszeichnung kam per Post. Erst seit 2017 spielt die Formation in ihrer aktuellen Besetzung, vormals war die Band ein Instrumentaltrio, zu dem auch der Wahl-Erkrather Sven Hansen gehörte. Er verrät: „Nach kurzer Zeit stellten wir fest, dass wir eher Songs schreiben wollten, als uns in ewigen Soli zu verlieren.“ Für die Vergrößerung der Band habe man direkt die „Traumbesetzung“ gefunden. Das einstige Trio – Frank Herbort an der Gitarre, Simon Cohnitz am Bass und Sven Hansen an den Drums – wurde um Sänger Jeffrey Amankwa und Tom Plötzer an den Keys erweitert.

Schnell seien dann die Grundzüge einiger Songs entstanden, die dann später auch auf dem Album gelandet sind. „Die Chemie stimmte sofort“, freut sich Hansen rückblickend. Die jungen Musiker hätten alles machen können: Laut, schrill, schräg, rockig – am Ende war es allerdings der Blues, der ihre musikalische Leidenschaft befeuerte. Nicht ohne Grund, wie Sven Hansen erklärt: „Blues in Deutschland wird oft in einem ziemlich engen und verstaubten Rahmen gesehen und die Szene hält zwar tolle Künstler bereit, aber sehr breit ist der Horizont hier nicht.“ Im Blues-Ursprungsland Amerika, haben sich vielfältige Spielarten und Stile herausgebildet, sodass der Blues „als Einfluss in den verschiedensten Genres hörbar“ ist, erklärt Hansen.

Eine der wenigen guten Nachrichten in 2020

Sven Hansen ist Wahl-Erkrather und sitzt bei Uncle Remus an den Drums. Foto: Band
Sven Hansen ist Wahl-Erkrather und sitzt bei Uncle Remus an den Drums. Foto: Band

Ausgerechnet für ihr Debüt heimsten die Erkrather Musiker eine Auszeichnung ein. Über den gelungenen Start freut man sich bei Uncle Remus entsprechend: „Für uns ist die Auszeichnung nicht nur eine Bestätigung dafür, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben, sondern war im Jahr 2020 überhaupt eine der wenigen guten Nachrichten“, meint Sven Hansen und deutet damit Richtung Viruspandemie. Als Berufsmusiker haben man ab März nicht mehr wie gewohnt arbeiten können. Das war ein Schlag, insbesondere so kurz nach der Albumveröffentlichung, auf die eigentlich Live-Konzerte und Promotion hätten folgen sollen.

Die Anmeldung beim Deutschen Rock- und Pop-Preis war eher eine Art Verzweiflungstat: „Als man im Herbst absehen konnte, dass sich an der Lage nicht so schnell etwas ändern würde, dachten wir über alternative Wege nach, wie unser Album zu den Menschen finden könnte und dabei stieß ich auf den Deutschen Rock- und Pop-Preis und meldete uns einfach an“, allerdings ohne auf große Erfolgschancen zu hoffen. Nicht zuletzt liegt das an den Strukturen in der Musikindustrie: Hinter Bands stecken Manager, Plattformen, Agenturen, Vertriebskonzepte – das erhöht bei vielen Kulturpreisen die Chancen auf eine Auszeichnung. „Als Newcomer ohne die Unterstützung der Plattenindustrie fällt durch das Raster“, so Hansen. Letztendlich entschied sich eine zwanzig-köpfige Fachjury trotzdem auf Basis der Qualität des eingesendeten Materials für die Erkrather Musiker.

Bei aller Freude über den Silber-Platz, Corona ist weiterhin spürbar da. „Trotz der Platzierung ist natürlich die anhaltende Pandemie mit ihren Restriktionen keine gute Zeit für Musiker“, erzählt Sven Hansen. Konzerte entfallen, viele kleine Konzertstätten kämpfen darum, die Ausfälle zu überbrücken und „einige unserer guten Kontakte mussten schon die Segel streichen und schließen“, so Hansen. „Das ist sehr traurig zu beobachten, denn jeder Club und jede Konzerthalle hat einen ganz eigenen Charakter, ein eigenes Stammpublikum und so weiter.“ Was dort verloren gehe, könne in der gleichen Form nicht zurückholen.

Corona-Kultur: Jeder arbeitet für sich zusammen

Derzeit arbeiten die Bandmitglieder von Uncle Remus zu Hause. Jeder für sich, aber dennoch gemeinsam. Ideen werden einfach hin und her gesandt. Die Blues-Band legt so in Corona-Zeiten einen Grundstein für ihre musikalische Zukunft: „Das ist zwar nicht so direkt wie das gemeinsame Musikmachen, aber zumindest können wir so eine Grundlage schaffen, auf deren Basis wir dann unser zweites Album fertigkomponieren und arrangieren können, wenn die nächste Probephase beginnt“, blickt Sven Hansen nach vorn. „Sobald die Möglichkeit wieder gegeben ist, dass wir guten Gewissens zum Arbeiten zusammenkommen können, bin ich mir sicher, dass wir alle fünf alles andere stehen und liegen lassen und in den Proberaum fahren werden!“

Der Plan für die Zeit nach Corona: Die ausgefallenen Konzerte möglichst nachholen. Foto: Band
Der Plan für die Zeit nach Corona: Die ausgefallenen Konzerte möglichst nachholen. Foto: Band

Man muss Kreativität beweisen in diesen Zeiten. Und so richtet die Band ihren Fokus auf Songwriting statt Konzertbetrieb und gemeinsame Sessions. Sven Hansen stellt klar: „Gemeinsame Proben finden nicht statt, weil wir mithelfen wollen, dass der Lockdown möglichst schnell zu kleinen Inzidenzwerten führt. Wo wir kein Risiko eingehen müssen, tun wir es auch nicht.“

Dennoch scharren auch die Musiker von Uncle Remus mit ihrem ansonsten sanften Blues bereits aufgeregt mit den Hufen: „Und wenn Konzerte wieder stattfinden dürfen, soll es dann auch schnell wieder auf die Bühne gehen“, prophezeit Hansen. Die Aussichten sind gut: Alle der noch aktiven Konzertstätten, in denen Uncle Remus im vergangenen Jahr hätte spielen sollen, wollen die Konzerte nachholen.

„Da müssen nur viele neue Termine gefunden werden und hier und da auch ganz neue Bedingungen ausgehandelt werden, weil sich durch Hygieneauflagen die Kalkulationen für Veranstalter völlig anders gestalten als vorher.“ Auf die Band kommt jede Menge Arbeit zu, um „aus dieser Phase der Ungewissheit wieder herauszukommen und in die konkrete Planung einer Tour zu gehen“.

Aber: „Wir freuen uns trotzdem sehr darauf, das Publikum endlich wiederzusehen!“, freut sich Sven Hansen.