Wirtschaft im Kreis Mettmann macht sich große Sorgen

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Die Wirtschaft im Kreis Mettmann macht sich große Sorgen: Marcus Stimler und Gerd Helmut Diestler von der IHK. Foto: Kling

Kreis Mettmann. Die aktuelle Geschäftslage ist gar nicht schlecht, beim Blick in die Zukunft aber ist die Wirtschaft im Kreis Mettmann ziemlich pessimistisch. Das meldet die Industrie- und Handelskammer.

Die Wirtschaft im Kreis Mettmann hatte sich aus ihrem tiefen Corona-Einbruch herausgearbeitet und allmählich weiter erholt, berichtet die Kammer. „Und trotz der schon vorhandenen Risiken war sie recht zuversichtlich ins neue Jahr gestartet“, gibt IHK-Konjunkturexperte Gerd Helmut Diestler die noch bis Mitte Februar vorherrschende Stimmung in der regionalen Wirtschaft wieder.

Das habe sich schlagartig mit dem Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine geändert: Die Preisexplosion bei Energie- und Rohstoffen, Knappheit an Material und Vorprodukten sowie gestörte Lieferketten drohten immer mehr, auch die Wirtschaft im Neanderland ins Mark zu treffen. „Angesichts dieser Belastungen schlägt sich die Wirtschaft im Kreis Mettmann noch recht wacker“, beschreibt Marcus Stimler, Leiter der IHK-Zweigstelle Velbert, die Lage.

Groß ist nach Angaben der Kammer der Unterschied zwischen der Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage und der Erwartungen der Unternehmen für den Rest des Jahres 2022.

Auf der eine Seite beurteile die Wirtschaft ihre Geschäftslage Ende April 2022 nur wenig zurückhaltender als zu Jahresbeginn. Andererseits erwarteten sämtliche Branchen kurzfristig erheblich schlechtere Geschäfte: „Nun überwiegen überall die Pessimisten gegenüber den Optimisten, und zwar deutlich“, berichtet die IHK.

Die Erwartungen seien regelrecht abgestürzt, erklärt IHK-Experte Diestler: „Das ist eine Entwicklung, wie sie zuvor nur in Rezessionszeiten beobachtet worden ist.“

Dennoch sei die Nachfrage gerade nach Produkten aus dem Neanderland weiter hoch. Die Auslastung der verarbeitenden Industriebetriebe ist laut Kammer sogar leicht auf 80,5 Prozent gestiegen.

„Sie wäre sicherlich noch höher, würden dem nicht Material- und Vorprodukteknappheit einen Riegel vorschieben“, so Diestler. Außerdem treibe viele Betriebe die Sorge um, dass ihnen demnächst die Energieversorgung und damit die Produktionsmöglichkeiten eingeschränkt werden könnten.

Während einige zuvor durch die Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung eingeschränkte Branchen wie die Freizeit- und Kulturwirtschaft, die Gastronomie und Hotellerie deutlich von den Lockerungen profitierten, spüre der Einzelhandel bereits eine Zurückhaltung der privaten Verbraucher.

Hohe Energiepreise und Inflation setzten den Verbrauchern immer mehr zu. Und die Inflation dürfte sich fortsetzen, spürten doch die meisten Betriebe ihrerseits einen enormen Preisdruck, den sie so gut wie möglich an ihre Kunden weitergäben.

Die schlechten Perspektiven wirken sich auch negativ auf die Investitionsneigung der Betriebe aus. Bemerkenswert stabil und nahezu unbeeindruckt von den aktuellen Hemmnissen zeigt sich laut IHK dagegen bislang der Arbeitsmarkt.

An der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage haben sich bis Ende April aus dem Kreis Mettmann insgesamt 235 Betriebe mit zusammen 22.400 Beschäftigten beteiligt.