Heimatfest: Teils Verzicht auf verkaufsoffenen Sonntag

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Die Mettmanner Innenstadt im Bereich des Jubiläumsplatzes. Foto: Volkmann
Die Mettmanner Innenstadt im Bereich des Jubiläumsplatzes. Foto: Volkmann

Mettmann. Am verkaufsoffenen Sonntag zum Heimatfest bleiben die meisten Läden dicht. Das ist das Ergebnis eines Online-Meetings, an dem Mettmanner Akteure aus dem Einzelhandel, die Wirtschaftsförderung und die Werbegemeinschaft Mettmann-Impulse teilnahmen. 

Während am Dienstagabend im Stadtrat „grünes Licht“ für einen verkaufsoffenen Sonntag
gegeben wurde, tagte – terminlich bedingt zur gleichen Zeit – in einem Online-Meeting der
Handels-Dialog mit Vertretern der städtischen Wirtschaftsförderung/Stadtmarketing, der Händler-Initiative „ShopKulturME“, der Werbegemeinschaft Mettmann-Impulse und des
Centermanagements der Galerie Königshof.

Nach zweistündiger Debatte entschied man sich – „schweren Herzens“, wie die Akteure mitteilen, den verkaufsoffenen Sonntag am 28. August parallel zum Heimatfest nun doch nicht nutzen zu wollen. Ursprünglich vorgesehen war das allerdings.

Für die Umplanung gibt es auch Sicht der Einzelhandelsakteure Gründe: „Wenn am Anfang eines Jahres Überlegungen für Handelsaktionen, Innenstadtevents und verkaufsoffene Sonntage stattfinden, ist es zunächst nicht immer ganz leicht, einen passenden Anlass zu wählen, der zudem wegen der Genehmigung von sonntäglichen Öffnungszeiten mit einer Rahmenveranstaltung verbunden sein muss und wegen möglicher Einsprüche von Kirchen und Gewerkschaften wohl formuliert und gut argumentiert vorbereitet sein will“. Zentrale Frage, die sich Einzelhändler dann stellen: Soll es zu Muttertag sein und müssen dazu praktisch noch Events auf die Beine gestellt werden oder nutzt man schon bestehende Rahmenveranstaltungen, wie zum Beispiel Weinsommer, Heimatfest oder Blotschenmarkt?

Die Werbegemeinschaft kommentiert weiter: „Die Corona-Pandemie habe in den letzten zwei Jahren ziemlich viel durcheinandergebracht und scheinbar auch eine gewisse Routine, so die Werbegemeinschaft zum angehaltenen „Handelsdialog Mettmann“. Nachdem aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen bezüglich des Pandemie-Verlaufs, unter anderem Beendigung von Kontaktbeschränkungen et cetera, klar war, dass man wieder eine gewisse Planungssicherheit hat, war man seitens der Händlerschaft leider etwas spät dran, um zum Beispiel noch im späten Frühjahr einen verkaufsoffenen Sonntag hinzubekommen. Also verständigte man sich auf den Heimatfest-Sonntag und auf Anfang Dezember zum Blotschenmarkt als mögliche Termine.“

Aber: Wegen der langen Genehmigungs-Prozedur mit Anhörung diverser Institutionen, und
Genehmigungen durch Ausschüsse und Rat, sei selbst der geplante Termin für Ende August schon reichlich knapp bis eigentlich unmöglich gewesen. „Bürgermeisterin Sandra Pietschmann hat sich dann allerdings sehr für das Zustandekommen stark gemacht und auch die Abteilung Stadtmarketing/Wirtschaftsförderung sowie insbesondere die Ordnungsbehörde haben trotz personeller Unterbesetzung in einem zeitlichen Kraftakt noch rechtzeitig alle Unterlagen für die Gestattungen zusammengestellt“, so Impulse. „Dafür sind wir der Verwaltung sehr dankbar.“

Aspekte erneut durchleuchtet

Es seien alle Aspekte noch einmal durchleuchtet worden. Man habe versucht, sie in Form zu gießen. „Schließlich hätte man an dem betreffenden Sonntag mit Heimatfest, dem größten Trödelmarkt in Mettmann, Ladenöffnungen mit begleitenden Aktionen und eventuell obendrauf noch eine Vereinsmeile ein Megaevent größeren Ausmaßes“, schreibt die Werbegemeinschaft: „Passen die Zielgruppen überhaupt zusammen? Klaut man sich nicht doch gegenseitig die Besucher, gerade bzgl. der Vereine? Wo sollen letztlich die Trödelstände aufgebaut sein, wenn die Geschäfte geöffnet sind und womöglich vor der Tür noch kleine Aktionsbereiche vorgesehen sind?

Mittlerweile gibt es wegen der freizuhaltenden Rettungsflächen in der Fußgängerzone nur noch sehr eingeschränkte Möglichkeiten. Ein „Auseinanderziehen“ der Trödelmarktstände hin zum ‚Jubi‘ auf der einen und zum Königshofplatz auf der anderen Seite wurde dann auch nicht als sinnvoll erachtet.“

Steigende Kosten und leere Geldbeutel

Erschwerend kommt hinzu, dass zum Monatsende bei den meisten Innenstadtbesuchern „nicht nur der Geldbeutel leer“ sei, sondern viele wegen der gestiegenen Lebenshaltungs- und Energiekosten ein äußerst zurückhaltendes Kaufverhalten zeigten.

„Bringt also ein verkaufsoffener Sonntag in Kombination mit anderen publikumsträchtigen Veranstaltungen den gewünschten Effekt?“, so Impulse. „Und dann existiert ja immer noch das Damokles-Schwert einer durch die Gewerkschaft erwirkten Einstweiligen Verfügung zum Verbot der Ladenöffnung, im Zweifelsfall einen Tag vor dem Sonntag, nachdem alles organisiert wurde.“

Nach reiflicher Überlegung habe sich der Handelsdialog dazu entschlossen, „Heimatfest mit
Trödelmarkt als solches stehen zu lassen und das Wochenende nicht zu überfrachten“.

Alternativ gebe es nun Überlegungen, einen „langen Samstag“ im September und ein Late-Night-Shopping im Advent zu organisieren. „Ein verkaufsoffener Sonntag speziell zum Blotschenmarkt wird zudem in Händlerkreisen auch ganz anders beurteilt, ohne Konzentration der Rahmenveranstaltung auf nur ein Wochenende und mit weihnachtlich festlicher Stimmung in der Innenstadt“, so die Werbegemeinschaft stellvertretend für die Akteure des Handelsdialogs.

„Um Missverständnisse zu vermeiden, sei noch einmal klargestellt, dass die Ausschüsse und der Stadtrat eine ordnungsrechtliche Verordnung zur Durchführungen von zwei  verkaufsoffenen Sonntagen in diesem Jahr beschlossen haben“, erklärt Mettmann-Impulse für den Handelsdialog. „Welches Geschäft in dem gestatteten Bereich also am 28. August öffnen möchte, kann das nach wie vor auch tun.“

Ebenso sei die zusätzliche Arbeit von Verwaltung und Rat nicht vergebens gewesen, denn für den verkaufsoffenen Sonntag am 4. Dezember „bleibt es bei den ursprünglichen Planungen“.