Ratingen. Hohe Investitionen in Bildung, Modernisierung und Ordnung, Einnahmen auf Rekordniveau, aber enorm gestiegene Belastungen – das sind die Hauptmerkmale, die den Doppelhaushalt 2026/2027 der Stadt Ratingen kennzeichnen. Bürgermeister Patrick Anders und Stadtkämmerer Martin Gentzsch brachten den Etat in der Ratssitzung am 10. Februar ein. Der Haushalt ist ausgeglichen, allerdings nur „fiktiv“, das heißt unter Inanspruchnahme der Ausgleichsrücklage. 2026 muss ein Fehlbetrag von 16 Millionen Euro ausgeglichen werden, 2027 sind es 14 Millionen.
„Wir müssen jetzt sicherlich sorgfältig auf unsere Ausgaben schauen und kritisch prüfen, wo Einsparungen möglich sind“, sagte Patrick Anders. „Was wir aber auf keinen Fall machen dürfen, ist, unsere Zukunft kaputtzusparen. Jeder Euro, den wir in unsere Schullandschaft und in unsere Kitas stecken, trägt dazu bei, unser Ratingen zukunftsfähig zu machen. Das zahlt sich ebenso aus wie die Modernisierung unserer Verwaltung, die es uns langfristig ermöglichen wird, unsere Aufgaben effizienter und bürgerfreundlicher wahrzunehmen.“
Damit die wichtigen Vorhaben aber nicht nur auf dem Papier geschrieben bleiben, braucht es Menschen, die sie umsetzen können. Patrick Anders machte deutlich, dass der Personalstock gestärkt werden müsse. Das gelte auch für den kommunalen Ordnungsdienst, der die im Laufe der Jahre gewachsenen Anforderungen im Bereich der öffentlichen Ordnung nur nachkommen kann, wenn er deutlich vergrößert wird.
Angesichts der großen Zukunftsaufgaben sei es daher vertretbar, die finanziellen Möglichkeiten der Stadt voll zu nutzen, betonte Bürgermeister Anders: „Ratingen steht ausgesprochen robust da. Wir haben in den letzten Jahren Schulden in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro abgebaut. Wir haben 2025 die höchsten Gewerbesteuereinnahmen in der Geschichte der Stadt gehabt. Wir sollten uns als prosperierende Stadt eine leistungsfähige und moderne Infrastruktur leisten.“
Doch warum kommt es angesichts der hohen Einnahmen überhaupt zu den kalkulierten Fehlbeträgen? „Der dominierende Faktor ist die Kreisumlage“, sagte Kämmerer Martin Gentzsch. Mit mehr als 100 Millionen Euro jährlich stellt sie den mit Abstand größten von der Stadt nicht beeinflussbaren Kostenfaktor dar. Die Umlage, die die Stadt Ratingen an den Kreis Mettmann zahlen muss, damit dieser seine Aufgaben wahrnehmen kann, ist seit 2025 förmlich in die Höhe geschossen. Schon 2025 mussten acht Millionen mehr als im Jahr davor überwiesen werden, ab 2026 steigt die Umlage um weitere 21 Millionen Euro. Hauptursache dafür ist die gestiegene Steuerkraft Ratingens, zum einen absolut, zum anderen und vor allem aber im Vergleich zu Monheim, wo es nach Jahren extrem hoher Gewerbesteuereinnahmen einen Einbruch gab.
So wurde Ratingen (wieder) zum Haupteinzahler in die Kreisumlage, denn hier ging es mit den wichtigen Gewerbesteuereinnahmen zuletzt hinauf – im Jahr 2025 sogar sprunghaft auf das absolute Rekordniveau von 200 Millionen Euro. Zwar war der Rekord aufgrund hoher Nachzahlungen aus Vorjahren eher ein Ausreißer nach oben, gleichwohl geht Kämmerer Gentzsch von weiterhin hohen Steuereinnahmen aus. Für 2026 kalkuliert er 175 Millionen Euro ein, für 2027 dann 180 Millionen. „Das ist, wenngleich realistisch, mutig zu nennen“, sagte Gentzsch. Zum Vergleich: Das Ergebnis für 2024 lag bei 138 Millionen Euro, und auch das war bereits hoch.
Martin Gentzsch beklagte weitere Kostenfaktoren, die von außen auf Ratingen wirken – Gesetze, welche die Kommunen umsetzen müssen, ohne dass sie dafür ausreichend Mittel bekommen. Er nannte die Hilfen zur Erziehung, deren Volumen sich in 20 Jahren vervierfacht haben. Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz und auf einen Platz im offenen Ganztag zieht hohe Investitionen nach sich. „Wir stecken zig Millionen in den Kita- und OGS-Bau“, sagte Gentzsch. „Das sind alles wichtige Aufgaben, aber wir brauchen da mehr Unterstützung.“
Trotz der operativen Fehlbeträge im Haushalt ließ auch Kämmerer Gentzsch keinen Zweifel an der Notwendigkeit der geplanten Investitionen zu. „Wir investieren hier in die nächsten 50 Jahre“, betonte Gentzsch, „gleichwohl müssen wir natürlich klug priorisieren.“ Das Investitionsprogramm 2026 bis 2029 weist ein Gesamtvolumen von rund 350 Millionen Euro aus. Die Schwerpunkte sind klar erkennbar: 70 Prozent der Investitionen gehen in Schulen und Offenen Ganztag, Kitas und Jugend, Entwässerung und Abwasserbeseitigung sowie allgemeiner Grunderwerb.
Angesichts der hohen Ausgaben zeichnet sich ab 2027 wieder ein hoher Kreditbedarf ab. Um diesen etwas abzumildern, müsste die Stadt ab nächstes Jahr die Grundsteuerhebesätze anpassen. „Dies ist kein leichter, aber ein notwendiger Schritt“, sagte Gentzsch. Und einer, der gut begründet sei. Denn die Stadt Ratingen hat ihre Grundsteuer über Jahrzehnte hinweg kaum angepasst. In dieser Zeit sind Preise, Baukosten und Tarifabschlüsse deutlich gestiegen. Das heißt, die Grundsteuer trägt immer weniger zur Finanzierung der notwendigen Infrastruktur bei. Das müsse wieder korrigiert werden. Die Entscheidung darüber dürfte jedoch erst Ende dieses Jahres fallen.


