Ralf Gassen, Detlef Tappen (Kreisdekanat Mettmann), Martin Sträßer MdL, Elisabeth Müller-Witt MdL und Mark Draser (Katholisches Büro NRW). Foto: Team Martin Sträßer
Ralf Gassen, Detlef Tappen (Kreisdekanat Mettmann), Martin Sträßer MdL, Elisabeth Müller-Witt MdL und Mark Draser (Katholisches Büro NRW). Foto: Team Martin Sträßer

Kreis Mettmann/Düsseldorf. Auf Einladung der Landtagsabgeordneten Martin Sträßer (CDU) und Elisabeth Müller-Witt (SPD) haben sich Seelsorgerinnen und Seelsorger sowie Verwaltungsleitungen des katholischen Kreisdekanats Mettmann zu einem Gespräch im Düsseldorfer Landtag versammelt. Anlass war der Abschluss eines Studientages zum Thema „Erfahrungen und Umgang mit (Rechts)Populismus in Kirche und Gesellschaft“.


Beide Abgeordnete sind gläubige Christen, stimmten jedoch darin überein, dass es eine dezidiert „christliche Politik“ nicht gebe. Allenfalls bei Gewissensfragen, wie etwa dem Schutz des Lebens am Anfang und am Ende, könne sich dies zuspitzen, aber selbst dann zu unterschiedlichen Haltungen führen. Trotzdem bleibe Religion und Glaube auch für die Politik wichtig. „Religionen bauen auf Werten auf, die die handelnden Personen prägen und insofern politische Entscheidungen beeinflussen“, so Müller-Witt. Sträßer ergänzt: „Trotz der formalen Trennung von Staat und Kirche betonen Grundgesetz und Landesverfassung die Verantwortung vor Gott und machen deutlich, dass unser Gemeinwesen maßgeblich auf Werten des Christentums aufbaut. Ohne die Beachtung dieser Werte könnte unser Gemeinwesen nicht funktionieren.“

Das müsse sich auch im Umgang mit extremistischen und menschenfeindlichen Tendenzen zeigen. In einer pluralen Demokratie gebe es immer auch Ränder rechts und links – Deutschland sei hier keine Ausnahme. Es sei jedoch eine gemeinsame Aufgabe von Kirche und Politik, daran zu arbeiten, dass diese Ränder nicht zu stark werden. Sträßer: „Christentum, Judentum und Islam kennen keinen Nationalismus. Sie haben einen gemeinsamen Ursprung und sind offen für alle Menschen.“ Müller-Witt ergänzte: „Es darf nicht sein, dass für alle gesellschaftlichen Probleme immer einzelne Gruppen als Sündenböcke herhalten müssen.“

Die Auseinandersetzung sollte sich jedoch nicht nur auf die „Verführer“ konzentrieren, sondern vor allem auf die „Verführten“. Müller-Witt: „Durch die vielen Probleme weltweit, aber auch vor Ort und ganz privat fühlen sich viele Menschen einfach überfordert. Sie wollen einfache Lösungen, die es aber nicht gibt.“ Sträßer: „Viele erwarten dann Lösungen von der Politik. Zu hohe Erwartungen führen auch hier zur Überforderung. Das ist das Einfallstor für alle Populisten.“

Unterschiede zwischen beiden wurden dann doch noch deutlich, als es darum ging, welchen Weg unsere Gesellschaft gehen müsse. Müller-Witt: „Die fehlende Verteilungsgerechtigkeit ist das, was viele Menschen stört. Wir müssen mehr Gleichheit herstellen.“ Sträßer sieht ebenfalls eine ungerechte Verteilung – vor allem weltweit –, setzt dagegen jedoch stärker auf Eigenverantwortung: „Wir müssen die Menschen stärker befähigen, sich selbst zu helfen.“

Abschließend baten die Abgeordneten die Teilnehmenden darum, auch im privaten Umfeld positiver über Politik zu sprechen: „Es muss wieder klarer werden, dass wir eine starke Demokratie mit unveräußerlichen Menschenrechten und christlichen Werten brauchen, um diese Welt wieder besser zu machen. Hier sind wir alle gefordert, unseren Einsatz zu leisten. Wir brauchen mehr Mut und Zuversicht.“

Beide Abgeordneten dankten Kreisdechant Pfarrer Schilling sowie den ehemaligen Regionalreferenten Detlef Tappen und Ralf Gassen, die die Veranstaltung vorbereitet hatten, für das Interesse an ihrer Arbeit und den fruchtbaren Austausch.