Die Signierstunde kam ebenso gut an wie die Lesung selbst. Foto: Wolfram Brecht
Die Signierstunde kam ebenso gut an wie die Lesung selbst. Foto: Wolfram Brecht

Ratingen. Annett Gröschner, mehrfach ausgezeichnete deutsche Schriftstellerin, hat auf Einladung des Kulturkreis Hösel in Kooperation mit dem städtischen Medienzentrum aus ihrem jüngsten Buch “Schwebende Lasten” vorgelesen.


Mehr als 50 Teilnehmer lauschten mucksmäuschenstill und mit sichtbarer Anspannung ihrer eindringlichen Stimme, die viel Empathie und trocknen Humor zeigte, und dem Leben einer Frau, die ein schweres Schicksal erdulden musste: schon als Kind – geboren in der Kaiserzeit – zuhause, bis in die Neuzeit, zuletzt in Ostdeutschland. “Schwebende Lasten”, ein Begriff aus der Schwerindustrie, fand hier eine symbolische Bedeutung.

Die Protagonistin des Werkes liebt Blumen über alles und findet in diesem Umfeld und als Kranführerin in der Höhe immer wieder Rückzugsräume und emotionale Distanz. Ein ganzes Jahrhundert wird durch diesen Lebenslauf lebendig und das spezielle Schicksal und die Sozialisation von Frauen in Ostdeutschland. Ein bisschen hat das Leben der Protagonistin autobiographische Züge der Magdeburgerin Annett Gröschner. Die Beirätin Magret Paprotta moderierte den Abend. Aus dem Publikum kamen viele Fragen an die Autorin, bis hin zur Auswahl der rätselhaften Abbildung auf dem Buchumschlag. Es wurde ausgesprochen lebhaft und engagiert diskutiert.

“Literaturkreise mit einer anschließenden Lesung durch den Autor sind spannend und besonders attraktiv”, freut sich Wolfram Brecht, einer der Vorsitzenden und Sprecher des Kulturkreis Hösel. Vor der Lesung fanden in einigen Stadtteilen engagierte Lesekreise zusammen, die sich konstruktiv-kritisch mit diesem Buch auseinandergesetzt und es kontrovers diskutiert hatten.  “Der vom Projekt gewollte Impuls in die Stadtgesellschaft von Ratingen hat also funktioniert”, so Brecht. Denn es sind viele Menschen der Region zum Lesen und Diskutieren über einen gemeinsamen Buchtitel angeregt worden, die sich vorgenommen haben, weiter an jeweiligen Literaturkreisen der Kooperationspartner Medienzentrum und Kulturkreis Hösel teilzunehmen, “weil hier Gemeinschaft mit einem inspirierenden Fokus stattfindet”.